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André Pawlitzki von der Fachzeitschrift „Der Blinker“ und der 13-jährige Luk beim Versuch, Karpfen zu fangen. Nicht ganz einfach, wie beide feststellen müssen. Foto: Christoph Hellwig/Blinker

Die Tricks der Profis: Experten begleiten Hobby-Angler

Wendewisch. Der Fisch ist ein unberechenbares Tier. Zumindest, was sein Beißverhalten betrifft. Obwohl die äußeren Bedingungen fast ideal sind, Luk der Zielgruppe im Teich ihre bevorzugte Speise serviert und seine Ausrüstung im besten Zustand ist, will der Karpfen sich nicht fangen lassen. Da nutzt auch jegliche professionelle Unterstützung nichts.
Angel-Engel heißen die Experten des Fachmagazins „Der Blinker“, die den 13-Jährigen heute auf seiner ersten Jagd nach dem begehrten Speisefisch begleiten. Sie wollen immer dann erscheinen, wenn ihre Leser sich mit Hilferufen an sie wenden. „Im Prinzip sind wir das Pendant zu den Gelben Engeln“, erklärt André Pawlitzki, Redaktionsmitglied und selbst passionierter Angler, „nur eben nicht für Probleme rund ums Auto, sondern um den Fisch.“ Egal, ob Fragen zu Fangtechnik, Gewässerbeschaffenheit oder Köderauswahl: Wer sich mit seiner Thematik an die Angel-Engel wendet, soll fachmännisch betreut werden – von Experten deutschlandweit.

„Natürlich können wir nicht jede Örtlichkeit kennen und nicht überall hinreisen“, sagt der 55-jährige Hamburger, „dafür haben wir dann aber unsere zahlreichen freien Mitarbeiter vor Ort, die sich der Sache annehmen und dem Leser helfen. „Manche Anfragen lassen sich schnell klären, weitere mit einigem Anlauf, andere wahrscheinlich gar nicht – und einige sind so interessant und herausfordernd, dass sie den Redakteuren einen persönlichen Ausflug wert sind. So wie Luks. Er ist ihr Pilotprojekt.

Per E-Mail hatte sich der Lüneburger Gymnasiast vor einigen Monaten an den „Blinker“ gewendet, suchte Hilfe bei seinem ersten Beutezug am Karpfenteich. Und die sollte er bekommen. „Wir fanden das Anschreiben so ansprechend und die Sache an sich so gut, dass wir mit Luk einen Termin vereinbart haben“, sagt Pawlitzki, der neben dem Redaktionspraktikanten auch noch Kollege und Fotograf Christoph Hellwig mitgebracht hat.
Kurzerhand wurde mit Lokalmatador Mario Staller, einem erfahrenen Angler aus Bleckede, Kontakt aufgenommen, um einen vielversprechenden Fangplatz zu finden. Die drei Teiche am Mühlenweg in Wendewisch schienen geradezu ideal.

Zunächst erklärt Pawlitzki, wie das perfekte Futter angemischt wird: „Wir nehmen spezielles Pulver und versetzen es mit Hanföl, das aufgrund seines präg­nanten Geruchs wie ein Magnet auf die Tiere wirkt. Und weil der Karpfen ein ganz Süßer ist, mischen wir noch jede Menge Dosenmais darunter. “Dann präpariert er mit Luk Angel und Pose. Und sie warten. Insgesamt fast sieben Stunden lang. Vergebens? Nicht ganz.
Am frühen Morgen kommen ein paar Störche vorbei, später eine Ringelnatter- und die Karpfen im Teich lassen jede Menge Futterblasen, haben heute aber offensichtlich etwas anderes auf dem Speiseplan. Die Gruppe ist dennoch zufrieden: „Angeln hat eben etwas ganz Kontemplatives“, meint der 55-Jährige. Und Luk findet „es total spannend, die Pose zu beobachten und darauf zu warten, dass einer beißt“.

Seit gut sechs Jahren ist der Lüneburger begeisterter Angler, hat seine erste Rute von seiner Patentante geschenkt bekommen – und sie im Familienurlaub auch gleich zerlegt: „Ich hatte ein Brett an der Angel“, erzählt er schmunzelnd, „das hat sie nicht überstanden.“
Seitdem hat er nicht nur sein Equipment perfektioniert, sondern dank des „Blinkers“ auch das Wissen um Fisch und Köder enorm erweitert. In diesem Jahr darf er auch endlich seinen Angelschein machen und dann mit 14 alleine losziehen. Der Karpfen wird sich in Acht nehmen müssen: „Es ist ein tolles Tier zum Angeln“, sagt Luk, „weil es zu den stärksten Fischen im Süßwasser zählt.“ Und auch wenn der Erfolg heute ausblieb: „Methodik und Köder kenne ich jetzt.“
Der Bericht über Luks Begegnung mit den Angel-Engeln erscheint übrigens in der August-Ausgabe des „Blinkers“. Er bildet den Start zu einer neuen Serie.

Von Ute Lühr