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Zum Pressetermin sind Yvonne Thomsen (l.) und Tanja Menke noch gemütlich mit dem Holländerrad gekommen. Die Tour fahren sie aber auf Rennrädern mit. Foto: kre

Eine Fahrradtour für Tiere

Lüneburg. „Wenn Veganer versuchen Tiere zu retten, warum essen sie ihnen dann das Futter weg?“ Yvonne Thomsen kennt solche Kalauer, die man sich gerne über Veganer erzählt. Sie selbst lebt seit Jahren schließlich selbst vegan. „Glücklich und gesund“, wie sie sagt. Nur weil sie auf Fleisch und jegliche Art tierischer Produkte verzichte, bedeute das noch lange nicht, dass sie auch ihren Humor verloren habe. Im Gegenteil: Im Gespräch mit der LZ räumt die Lüneburgerin gleich zwei Vorurteile beiseite, mit denen sich Veganer immer wieder konfrontiert sehen. Nämlich, dass vegan lebende Menschen humorlos und vor allem nicht zu körperlichen Leistungen fähig seien. „Blödsinn“, sagt Yvonne Thomsen lachend, denn sie wird heute auch gleich den Beweis antreten: Sie nimmt nämlich teil an der „Tour für Tiere“. Eine sechstägige Radtour durch ganz Deutschland.

Am Sonnabend wieder zurück im Norden

Die täglichen Etappen zwischen 170 und 240 Kilometer führen zu sechs ausgewählten Lebenshöfen, auf denen Tiere bis zu ihrem natürlichen Tode leben dürfen. Start war am Montag in Kollnburg am Chiemsee. Am Sonnabend, 5. August, will der Tross dann wieder zurück im Norden sein und unter anderem als vorletzte Station gegen 16 Uhr in Embsen beim „Dinkelmeister“ eine Pause einlegen. Unterstützung bekommt Yvonne Thomsen, die die gesamte Tour mitradeln wird, von der Lüneburgerin Tanja Menke, die zumindest einen Teil der Etappe mitfahren will.

„An der Aktion beteiligen sich Radsportler aus der gesamten Bundesrepublik und dem benachbarten Ausland“, berichten die beiden Frauen. Sie alle wollen mit der Tour zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nämlich zum einen mit ihrer Tour für Tiere Aufmerksamkeit auf die Arbeit von Lebenshöfen lenken und Spenden für diese Einrichtungen sammeln, zum anderen zeigen, dass Veganer entgegen aller gängigen Vorurteile „durchaus fähig sind Hochleistungssport zu betreiben“, geben Thomsen und Menke zu bedenken.

„Es gibt kein Fleisch von glücklich lebenden Tieren, es gibt nur Fleisch von toten Tieren.“
Yvonne Thomsen, Veganerin

Außerdem: „Wenn man sich dazu entschieden hat vegan zu leben, will man sich einfach auch gegen Massentierhaltung engagieren“, erklärt Yvonne Thomsen, die früher „total gerne“ Fleisch gegessen hat, ihre Motivation. „Aber irgendwann kommt man in eine Situation, in der man sich damit befasst, woher unser Fleisch eigentlich herkommt und unter welchen Bedingungen es produziert wird“, sagt Yvonne Thomsen. Von da an war es für sie nur konsequent, nicht nur auf Fleisch, sondern auf jegliche Form tierischer Produkte zu verzichten. „Es gibt kein Fleisch von glücklich lebenden Tieren“, widerspricht sie Werbeslogans – „es gibt nur Fleisch von toten Tieren.“

Als „militante Veganerinnen“ sehen sich Yvonne Thomsen und Tanja Menke nicht, wobei beide schon mal ins Träumen kommen: „Es wäre schon toll, wenn alle Menschen vegan leben würden, dann wäre die Welt ein gutes Stück besser“, finden sie. Allerdings wissen die beiden auch: „Nichts erregt mehr Widerstand in der Bevölkerung, als den Menschen vorzuschreiben, was sie essen dürfen und was nicht.“ Das tägliche Kotelett verbieten? Geht gar nicht – diese Erfahrung mussten zum Beispiel die Grünen mit ihrer Idee eines „Veggie Day“ machen. Ihre Empfehlung während des vergangenen Bundestagswahlkampfes, zur Reduzierung des Fleischkonsums in Deutschland einen „Veggietag“ in öffentlichen Kantinen einzuführen, hatte zu einer lebhaften öffentlichen Debatte geführt.

Für Yvonne Thomsen und ihre Mitstreiter dagegen ist klar: „Weltweit werden jährlich 60 Milliarden Tiere industriell getötet und zu Lebensmittel verarbeitet. Wenn wir den Planeten retten wollen, müssen wir dringend etwas unternehnen und unsere Ernährung umstellen.“ Auch deshalb steigen die beiden Frauen in den Fahrradsattel – um ein Zeichen zu setzen gegen zügellosen Fleischkonsum.

Von Klaus Reschke