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Oskar Gröning zum Prozessauftakt im Juli 2015 in der Lüneburger Ritterakademie: Der Antrag auf Haftaufschub für den früheren SS-Mann wurde jetzt abgelehnt. (Foto: A/t&w)

Oskar Gröning soll Haftstrafe antreten

Lüneburg/Hannover. Der vom Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen verurteilte frühere SS-Mann Oskar Gröning soll nach dem Willen der Sta atsanwaltschaft Hannover in Kürze seine vierjährige Gefängnisstrafe antreten. „Wir haben den Antrag der Verteidigung auf Strafaufschub abgelehnt“, sagt Staatsanwältin Kathrin Söfker der LZ.

Haftfähigkeit vom Amtsarzt bescheinigt 

Ein Amtsarzt habe dem mittlerweile 96-Jährigen eine grundsätzliche Haftfähigkeit bescheinigt. Voraussetzung sei aber, dass die medizinische und pflegerische Betreuung in der betreffenden Justizvollzugsanstalt gewährleistet sei, damit die körperlichen Beeinträchtigungen des Verurteilten aufgefangen werden könnten, verdeutlicht Söfker. Laut Staatsanwaltschaft kommen dafür mehrere Standorte in Niedersachsen in Betracht.

Grönings Anwalt Hans Holtermann kündigte Rechtsmittel gegen den am Dienstag zugestellten Bescheid an. Man werde umgehend beim Landgericht Lüneburg „Antrag auf gerichtliche Entscheidung“ stellen, sagt der Verteidiger. Sein Mandant sei keineswegs haftfähig. Der Amtsarzt habe die Stellungnahme allerdings ohne eine körperliche Untersuchung Grönings abgegeben. „Dieses Vorgehen ist nicht akzeptabel.“

Verurteilt wegen Beteiligung am Massenmord

Das Landgericht Lüneburg hatte Gröning am 15. Juli 2015 für seine Beteiligung am Massenmord im Vernichtungslager Auschwitz zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Nachweis einer konkreten Tötungshandlung sei dafür nicht erforderlich. Es reiche, dass der frühere SS-Mann durch seine Buchhalter-Tätigkeiten im KZ zum reibungslosen Ablauf der Mordmaschinerie der Nationalsozialisten beigetragen habe. Mildernd bewerteten die Richter damals, dass sich Gröning im Prozess zu seiner moralischen Verantwortung bekannt habe.

Im vergangenen Herbst bestätigte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Lüneburger Urteil; er verwarf die Revision des Angeklagten. pm

4 Kommentare

  1. Theodor Dorfmann

    Tja, Massenmord verjährt nicht. Jetzt muss der, der die anderen zu Hunderttausenden in Todesnot hat schreien und verröcheln hören, während er ihre Wertsachen und ausgeschlagenen Goldplomben katalogisierte und zu Geld machen ließ, für den Rest seines Lebens hinter Gitter.

  2. Jahrelang hat die deutsche Justiz wenig unternommen gegen fruehere Angehoerige nationalsoialistischer Organisationen, hier trifft es einen ueber 95 jaehrigen SS Mann, weil der Amtsarzt ohne den Angeklagten
    koerperlich untersucht zu haben, dem Gericht eine Stellungnahme zur Inhaftnahme des Beschuldigten
    abgegeben hat. Gerne nahmen die gerichtlich zustaendigen Personen die Stellungnahme des
    Amtsarztes entgegen, welche ja ausreicht, um diese gebrechliche Person schnell hinter Gitter zu bringen, und schon ist die Akte vom Tisch. Da vergehen mehr als sechzig jahre, und es koennte ja sein, dass noch einige am Leben sind. Urteile dieser Art sind als recht fragwuerdig einzustufen und eher sinnlos, man haette viel frueher mit sinnvollen Recherchen beginnen sollen.

    • Eckhardt Friedrich

      @Bruns
      Und vor allem, die Parteien nach „Ehemaligen“ durchforsten müssen. Nur ,es kann doch nicht sein,was nicht sein darf.

    • Theodor Dorfmann

      Als zigtausend „ueber 95 jaehrige“ Großväter und Großmütter und andere „gebrechliche Personen“ damals im Lager beim SS Mann ankamen, der ihre bei der Ankunft auf dem Bahnsteig abzulegenden Wertsachen einsammelte, auflistete und verkaufte, gings nach wenigen Minuten direkt auf die Schlachtbank, ohne dass „der Amtsarzt, ohne den Angeklagten koerperlich untersucht zu haben, dem Gericht eine Stellungnahme zur Inhaftnahme des Beschuldigten abgegeben“ hatte.

      Mörder, Massenmörder oder an Mord bzw. Massenmord Beteiligte sollen wissen, dass sie nicht davonkommen – und wenn sie 196 Jahre alt würden. Das ist – mit – der Zweck solcher Urteile, die in einem Rechtsstaat von einem ordentlichen Gericht gefällt worden sind und daher weder „als recht fragwuerdig einzustufen“ noch „eher sinnlos“ sind.