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Jens Becker (l.) und Peter Fricke sind mitten in der Zucchiniernte. Die beiden Hobbygärtner sind Paten für die Hochbeete in der Kleingartenkolonie Am Schildstein. Foto: t&w

Urban Gardening: Stadtgemüse für alle

Lüneburg. Der Kohlweißling zieht bedrohlich seine Kreise um den Kohlrabi. Eigentlich sieht er harmlos aus, ein schöner weißer Schmetterling, der sich entspannt auf den Blättern niederlässt. Für Jens Becker und Peter Fricke aber ist der Falter ein Anlass zur Sorge. Vorsichtig dreht Becker die Kohlrabiblätter um und zeigt auf die kleinen gelben Eier, die auf der Unterseite kleben: „Da müssen wir aufpassen, sonst fressen uns die Raupen später die ganze Ernte weg.“ Im Frühjahr haben die beiden Nachbarn angefangen, sich um die drei Hochbeete zu kümmern, die in der Kleingartenkolonie Am Schildstein vor dem Vereinshaus stehen. Urban Gardening heißt das Projekt, das sich an alle richtet, die Lust haben, sich als Gärtner auszuprobieren, denen aber ein ganzer Garten zu viel Verantwortung bedeutet.

Urban Gardening: Wenn alle zusammen gärtnern

Die Idee, Obst und Gemüse in der Stadt anzubauen, gibt es schon länger. „Aber oft sind Beete, die direkt an der Straße entstehen, vom Verkehr belastet oder von Hunden, die sich dort entledigen. Das passiert bei unseren Hochbeeten nicht“, erklärt Joachim Roemer, Vorsitzender des Kleingärtner-Bezirksverbandes, der das Projekt mit initiiert hat. 14 solcher Beete stehen in Lüneburger Kolonien und dürfen nach Lust und Laune bepflanzt werden.

Vorkenntnisse braucht man dazu nicht. Becker und Fricke haben sich ihr Wissen selbst angeeignet. „Aber die Pächter hier in der Kleingartenkolonie helfen gerne, wenn man mal nicht weiter weiß“, räumt Peter Fricke ein. Frank Becker, Vorsitzender des Vereins Am Schildstein, ist zufrieden mit den zwei Stadtgärtnern: „Ich könnte mir auch vorstellen, hier noch zwei weitere Hochbeete aufzustellen.“

Wer isst das ganze Gemüse?

Ein paar Meter weiter wuchert eine mächtige Zucchinipflanze aus einem Hochbeet. „Es ist schön, den Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen – von der Aussaat bis zur Ernte. Wir haben auch schon Salat geerntet, und jetzt sind die Zucchini an der Reihe“, sagt Fricke, der einmal in der Woche zum Gärtnern herkommt. Wer isst das ganze Gemüse? „Die Ernte ist für alle“, sagt Rentner Fricke, „wir verschenken das Gemüse oft an die Besucher, die hier vorbeikommen. Aber klar, wenn hier alles heimlich abgeerntet würde, obwohl wir da die ganze Arbeit reingesteckt haben, wäre das schon traurig.“

Einmal haben die beiden Hobbygärtner eine angebissene Zucchini gefunden, die jemand achtlos in die Büsche geworfen hat. „Da wusste wohl jemand nicht, was das ist“, sagt Fricke und lacht. Darum geht es beim Urban Gardening schließlich auch: Lernen, wie man verschiedene Pflanzenarten anbaut und pflegt und wie man sie nutzen kann. „Vielleicht sollten wir mal überlegen, Tafeln mit Rezepten aufzustellen“, schlägt Roemer schmunzelnd vor. „Dann hätte der nächtliche Besucher auch gewusst, dass man eine Zucchini lieber kocht, anstatt sie roh zu essen.“

von Lena Köpsell

Hintergrund: Das Projekt

23 Pflanzkästen stehen in Lüneburg verteilt und können beackert werden. Die Hochbeete für „Urban Gardening“ wurden von job.sozial gebaut und von Sponsoren finanziert. Vier stehen im Clamartpark, drei im Scun­thorpepark und zwei im Rathausgarten.

Die Ansprechpartnerin hierfür ist Constanze Keuter, erreichbar unter (04131) 3093944. 14 Hochbeete stehen in folgenden Kolonien: Am Pferdeteich, Am Schildstein, Brauereiteich, Ilmenau, Im Moorfeld, Kirchsteig. Wer hier Interesse hat, wendet sich einfach direkt an die Vereine.