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Der 26-jährige Angeklagte wurde in Handschellen in den Gerichtssaal gebracht. Er muss eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßen. Foto: be

Lebenslange Freiheitsstrafe für bestialischen Raubmord

Lüneburg. „Eines ist uns klar geworden: Wie schwer es doch ist, einen Menschen zu Tode zu bringen.“ So leitete Franz Kompisch, Vorsitzender Richter der 4. große n Strafkammer, die Urteilsbegründung ein und ging so auf die langen Qualen ein, die das Opfer erlitt. Ein 26 Jahre alter Pole muss wegen Raubmordes eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßen, er hatte in der Nacht zum 5. September 2016 eine 55 Jahre alte Frau in deren Wohnung in Bispingen umgebracht – sie hatte ihn bei seinem Einbruch überrascht. Der 26-Jährige hatte die Tat gestanden.

Als die Frau den Einbrecher sah und schrie, tötete er sie

Kompisch skizzierte die Vorgeschichte: Der Pole kam nach Deutschland, um Geld zu verdienen, jobbte in den verschiedensten Bereichen. Zunächst in einer Kartoffelfirma, „in der er weniger Augen für die Kartoffeln, mehr für die Mitarbeiterinnen hatte“ und rausflog. Auch als Bauhelfer versuchte er es erfolglos. Sein Ziel war: „Er wollte sich seiner Freundin in Polen als erfolgreicher Auswanderer darstellen.“ Doch seine finanzielle Situation wurde immer prekärer: „Er bewohnte ein Kellerloch, ihm ging es dreckig, er wollte zurück zu seiner Freundin.“
Doch dafür brauchte der Mann Geld und besann sich auf das, was er laut Kompisch schon mehrfach in seiner Heimat tat und deshalb auch mehrfach verurteilt wurde: Er entschied sich zu einem Einbruch. Mit dem Erlös wollte er die Fahrt in seine Heimat finanzieren und seiner Freundin Geld oder erbeuteten Schmuck schenken.

Nur wenige hundert Meter von seinem „Kellerloch“ entfernt blieb er am späten Abend des 4. September vor einem Mehrfamilienhaus an der Straße Hohe Luft stehen. „Die 55-Jährige war die Einzige im Haus, die schon das Licht ausgemacht und ihre Wohnung im Erdgeschoss hatte.“ Prob­lemlos stieg er auf den Balkon und drang durch die auf Kipp stehende Tür ein. Schnell hatte er ein Smartphone gefunden. Doch da tauchte überraschend die Frau auf, der Richter: „Sie fing an zu schreien. Für ihn gab es nur eine Möglichkeit, seinen Raub fortzusetzen: die Tötung.“

Dabei merkte der Mann laut Kompisch: „Der Tod tritt nicht so schnell ein.“ Er versetzte seinem Opfer Schläge gegen Kopf und Körper, würgte es so heftig, dass das Zungenbein brach. Die Frau lebte immer noch. In der Küche griff er sich ein Messer, stach etliche Male auf die Frau ein, die Stiche drangen bis zu 17 Zentimeter tief in ihren Körper ein. „Sie erlitt einen hohen Blutverlust, das Opfer konnte sich kaum noch bewegen.“ So fügte er der 55-Jährigen auch noch starke Verletzungen im Genitalbereich zu. Als es keine Lebenszeichen mehr von der Frau gab, suchte er in der Wohnung weiter nach Beute, griff sich einen Laptop und flüchtete – „zurück in seinen nicht weit entfernten Keller“.

Richter sehen keine Gründe für Milde

Die Lüneburger Zielfahnder hatten in diesem Fall relativ leichtes Spiel: Der Mörder floh nach Polen, nutzte das gestohlene Smartphone aber weiter, bevor er es schließlich über Ebay verkaufte. Das Notebook tauchte nicht wieder auf.

Das Schwurgericht sah in diesem Fall den „Klassiker des Raubmordes“, Kompisch: „Es gibt zwei Mordmerkmale, die eng mitei­nander verknüpft sind: die Habgier – er mordete aus übersteigertem Gewinnstreben – und das Ermöglichen einer anderen Straftat, also dem Raub.“ Milderungsgründe sah das Gericht bei seinem Urteil nicht, für den Polen sprach lediglich sein Geständnis. Sein Bedauern über die Tat, das er während des Verfahrens zum Ausdruck brachte, sei nicht von Reue, sondern Selbstmitleid geprägt gewesen.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der 26-Jährige kann noch in die Revision gehen.

Rainer Schubert