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Jenseits der weißen Bodenmarkierung am Lüneburger Ostbahnhof blieb der Müll einfach liegen, weder Bahn noch Stadt fühlten sich zuständig. Foto: us

Müll am Bahnhof kein schöne Visitenkarte

Lüneburg. Umherliegende Kippen, Kronkorken, Joghurtbecher, alte Zeitungen, Plastiklöffel, Unkraut – es sieht schlimm aus unter den Sitzbänken am Lüneburger Ostb ahnhof. Dort, wo täglich Tausende Pendler und Touristen vorbeikommen, sollte sich die Stadt eigentlich von ihrer schönsten Seite zeigen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Grund sind Querelen zwischen der Stadt und der Bahn, es geht um Zuständigkeiten, darum, wer wo sauber machen muss. Eine Posse, die nun immerhin bald ein Ende haben soll.

Monatelang kümmerte sich niemand um die Fläche, der Müll unter den Sitzbänken blieb einfach liegen. Denn weder die Bahn noch die Stadt fühlten sich für den Abschnitt zuständig. „Das Grundstück vor dem Bahnhof gehört der Stadt, diese ist auch für die Sauberkeit dort verantwortlich“, hieß es zu Beginn der Woche aus der Pressestelle der Bahn auf eine entsprechende Anfrage der LZ. Merkwürdig: Exakt an dem Tag war an Ort und Stelle eine Reinigungskraft aktiv, die auf Nachfrage erklärte, im Auftrag der Bahn zu arbeiten, „allerdings leeren wir nur die dort aufgestellten Mülleimer und Aschenbecher, für den Müll unter den Sitzen sind wir nicht zuständig“.

Das hat auch Reinhard Böttcher so beobachtet. Der Lüneburger Taxifahrer steht regelmäßig vor dem Bahnhof und hat die Situation dort gut im Blick. „Hier passiert seit Monaten nichts. Die Stadtreinigung lässt den Müll unter der Sitzreihe ebenso liegen wie die Bahn. Es ist schlimm, wie es hier aussieht.“
Bei der Stadt aber fühlt man sich für den Müll ebenfalls nicht zuständig. „Wir reinigen den Vorplatz, nicht aber unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude. Dazu gibt es auch Absprachen mit der Bahn“, sagt Stadtpressesprecher Daniel Gritz. Diese sehen laut Stadt so aus, dass sie nur bis zu der Linie für Sauberkeit zu sorgen hat, die durch das sogenannte taktile Leitsystem, der weißen Bodenmarkierung für blinde oder hochgradig sehbehinderte Menschen, gekennzeichnet ist. „Wir erfüllen also unseren Part“, verdeutlicht Gritz. Dass die Stadt gegen die Zustände dennoch über Monate offenbar nichts unternahm, will der Pressesprecher so nicht akzeptieren: „Im Juni gab es mit der Bahnverwaltung Gespräche, eigentlich sollte es seitdem klappen. Wir sind deshalb dankbar über Hinweise wie diese.“

Bei der Bahn musste man unterdessen auch einräumen, die Lage nicht richtig im Blick gehabt zu haben. „Innerhalb der Bahn gab es Missverständnisse“, erklärte Pressesprecherin Sabine Brunkhorst auf eine erneute Nachfrage. „Die sind jetzt aber geklärt. Die Probleme sind aus der Welt. Wir werden die Reinigungsarbeiten nachholen. Das ist beauftragt.“ Allerdings könne es noch ein paar Tage dauern, bis das neue Konzept auch funktioniere.

Von Ulf Stüwe