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Beginn Prozess gegen neun Männer wegen Diebstahls von Geldautomaten. Foto. A/phs

Sechs Haftstrafen für Automaten-Coup der nicht lohnte

Lüneburg. Die Taten waren spektakulär – so wie in Wolfsburg, wo die Diebe mit einem T4 filmreif durch eine gläserne Tür eines Einkaufszentrums rasten, mit einem Stahlseil einen Geldautomaten herausrissen und ihn später in der Werkstatt eines Angeklagten bei Hannover knackten. Gelohnt hat sich dieser Coup ebensowenig wie ähnliche Taten: Das Landgericht Lüneburg hat jetzt sechs Angeklagte wegen schweren Bandendiebstahls zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, zwei Mitangeklagte zu Bewährungsstrafen. Gegen einen neunten Angeklagten folgt das Urteil erst in zwei Wochen – sein Verteidiger war am letzten Prozess­tag verhindert.

Die Anklage hatte den Männern im Alter von 30 bis 46 Jahren zusammen 24 Straftaten vorgeworfen, alle hatten die Vorwürfe vor Gericht bestätigt. Für ihre Raubzüge hatten sie Kleintransporter und Lastwagen gestohlen, mit denen sie mit Hilfe von Spanngurten und Stahlseilen versuchten, Geldautomaten in Einkaufszentren, Spielhallen und Banken im norddeutschen Raum – unter anderem in Bienenbüttel – aus ihren Verankerungen zu reißen. Bei zehn Versuchen waren sie allerdings nur zwei Mal erfolgreich: In Uelzen und Wolfsburg erbeuteten sie rund 100 000 Euro, den Sachschaden an Automaten, Gebäuden und Fahrzeugen bezifferte die Staatsanwaltschaft mit 250 000 Euro.

Für die acht Misserfolge gab es verschiedene Gründe, so ließen sich die Automaten nicht aus ihren Verankerungen reißen, auch der Versuch, sie umzufahren, scheiterte. Selbst nach dem erfolgreichen Raub in Wolfsburg gab es später lange Gesichter bei den Dieben: Die Geldkassetten waren präpariert mit Farbpatronen, die beim gewaltsamen Öffnen platzten – alle 50-Euro-Scheine aus der 78 000-Euro-Beute konnten nicht mehr genutzt werden, lediglich die Zehner waren unversehrt.

Kopf der Gruppe war ein 32-Jähriger, der alle Taten organisierte und auch an ihnen beteiligt war. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten. Ein ebenfalls 32 Jahre alter Mann, der seine Mittäterschaft an den meisten der Raubzüge gestanden hatte, muss vier Jahre und neun Monate hinter Gittern. Die anderen Angeklagten waren nur bei einer oder zwei Aktionen dabei, erhielten dafür jeweils Freiheitsstrafen von knapp mehr als zwei Jahren.

Die im Spätherbst 2016 gestartete Diebstahlsserie mit der Rausreiß-Masche bei Geldautomaten fand mit den Festnahmen Anfang 2017 ein jähes Ende. Laut einem Lüneburger Polizisten, der mit Spezialermittlern maßgeblich an der Klärung beteiligt war, gab es im norddeutschen Raum seither keine Diebstähle mehr mit dieser Masche. rast