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Die Anwohner Dana Schult (v.l.), Susanne Post, Matthias Schult und Guido Post bangen um den Zustand des Kanals an ihren Wohngrundstücken. Foto: dth

Sorge um den Schöpfwerkkanal in Horburg

Horburg. Das Bild der malerischen Idylle am Kanal in Horburg hat Risse bekommen. Sorgenvoll schauen Anwohner, deren Grundstücke direkt am Schöpfwerkkanal liegen , auf das Gewässer. Braun ist das Wasser, gestunken habe es die vergangenen Tage berichten Anwohner, und der Wasserspiegel habe sich trotz heftiger Regenfälle zwischenzeitlich um 40 bis 60 Zentimeter abgesenkt, sagt Matthias Schult. „Wir sorgen uns um das Gewässer und unser Natur–idyll.“ Viele der anliegenden Grundstücke haben kleine Bootsstege an dem Kanal, der zwischenzeitlich eher einem Tümpel geglichen habe.

Kritik an mangelnder Unterhaltung weist der zuständige Wasserverband der Ilmenau-Niederung zurück. Gleichwohl macht Geschäftsführer Johannes Hilmer auf LZ-Nachfrage keinen Hehl daraus, dass der Verband am Eigentum des Kanals, der in Höhe Horburg zwischen Neetze und Ilmenaukanal verläuft, nicht weiter interessiert ist.

„Letztes Jahr um diese Zeit konnte man hier noch Fische fangen“, sagt Familienvater Schult, der auch passionierter Angler ist. Nur: „Fische sehe ich hier keine mehr. Und dort; wo früher bedrohte Tierarten wie das Teichhuhn oder der Eisvogel heimisch waren, ist jetzt Stille.“

Pflanzen- und Algenbewuchs  hat stark zugenommen

Dafür habe der Pflanzen- und Algenbewuchs in dem fast stehenden Gewässer stark zugenommen. Und mit dem vorübergehenden Abfallen des Wasserspiegels sei auch das Befahren des Kanals mit Kanu oder Boot zwischenzeitlich schwer möglich gewesen. „Das haben wir noch nie so erlebt“, sagt Schult, der seit 2004 sein Häuschen am Kanal bewohnt. Nachbarin Susanne Post fügt hinzu: „Manche von uns sind extra aus Hamburg oder Hannover hierher gezogen, um ein Haus am Wasser zu haben. Wenn das jetzt aber so weitergeht, fürchten wir, dass die Grundstücke an Wert verlieren.“

Von Anwohnern alarmiert wurde auch der Lüneburger Angelsportverein. Neben dem Neetzekanal hat der Verein auch den Schöpfwerkkanal, der den Schutzstatus eines Flora-Fauna-Habitats genießt, als Angelrevier gepachtet. Vereinsvorsitzender Gerhard Krug sagt aber auf LZ-Nachfrage: „Ich kann die Situation derzeit noch nicht bewerten. Aber wir führen Gespräche und werden noch eigene Wasserproben ziehen.“

Hingegen hält Hilmer Behauptungen für haltlos, dass durch das Abfließen des Wassers aus dem Kanal auch aus angrenzenden Gräben möglicherweise Güllereste in den Kanal gelangt sein könnten. Hilmer: „Die rostige Farbe des Wassers kommt wahrscheinlich durch eisenhaltiges Grundwasser zustande, das nach oben drückt.“ Und: „Wir werden auch weiterhin sicherstellen, dass der Wasserstand an 350 Tagen im Jahr auf normalem Niveau gehalten wird.“ Ausnahmen seien bei Hochwasser nötig.

Im Frühjahr wurde ein neues Schöpfwerk in Betrieb genommen, das sieben Kilometer westlich am Zustrom der Neetze in den Ilmenaukanal bei Fahrenholz liegt. Grundsätzlich kann das neue Schöpfwerk mit seinen Pumpen 17 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Entwässerungsgebiet Neetze in den Ilmenaukanal befördern. Hilmer: „Derzeit ist ein Pumpen aber nicht erfoderlich, da die Hochwasserwelle auch so über das natürliche Bett der Neetze zum Ilmenaukanal ablaufen kann.“

Ursprüngliche Funktion als Transitgewässer verloren

Gleichwohl ist mit dem neuen Pumpwerk auch das alte Schöpfwerk bei Barum von 1957 überflüssig geworden, das die Entwässerung der Neetze über die Abkürzung Schöpfwerkkanal geregelt hatte. „Auch der Schöpfwerkkanal selbst hat seine ursprüngliche Funktion als Transitgewässer verloren.“ So wurde jüngst unter dem Eindruck des Hochwassers der Neetze bei Barum das Neetze-Wehr geöffnet, und die Wassermassen flossen durch den alten Flusslauf schneller ab – vorbei an dem kleinen Stichkanal, der dadurch Wasser verlor. Die neue Regulierung sei notwendig, um die Neetzer-Oberanlieger bei Hochwasser besser zu entlasten. Hilmer: „Wir wollen doch nicht Echem und andere absaufen lassen.“

Zur Zukunft des Schöpfwerkkanals bei Horburg sagt Hilmer: „Durch den Funktionsverlust könnte der Kanal bald vom Gewässer 2. Ordnung zum Gewässer 3. Ordnung herabgestuft werden.“ Doch damit hätte das Gewässer nicht nur offiziell seine „überörtliche Bedeutung“ eingebüßt, auch die Frage der Trägerschaft stelle sich neu.

Hilmer: „Vielleicht sind Landkreis, Gemeinde oder Angelsportverein interessiert, das Eigentum zu übernehmen.“ Demnächst wollen die angesprochenen Stellen dazu Gespräche führen und auch den Zustand des Kanals erörtern, heißt es.

Von Dennis Thomas