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In einem Gang in der alten Stadtmauer las Matthias Arp aus „Nickel List“ vor, eine gruselige Station der digitalen Schnitzeljagd, die jetzt 23 Kinder durch Lüneburg geführt hat. Foto: t&w

Suche nach dem Tor zur Unterwelt

Lüneburg. Über zwölf Stunden waren die Jugendlichen auf den Beinen: Erst nach einem gemeinsamen Frühstück um 7.30 Uhr ging es für die Elf- bis 14-Jährigen ins B ett. Die Nacht hindurch sind sie durch Lüneburg gewandert, besonders gruselig wurde es in einem Gang in der alten Stadtmauer. Dort wartete mit „Nickel List“ ein Räuberhauptmann auf die 23 Kinder. Umrahmt wurde das Programm von einer digitalen Schnitzeljagd. Die Medienkompetenz-Trainer Dörte Christensen und David Schomburg haben das Programm ausgearbeitet, so stand nach Mitternacht auch ein Medientraining an.

„Wir haben uns mit dem Recht am eigenen Bild, aber auch mit Cybermobbing beschäftigt“, sagt Dörte Christensen. Auch über „Fake News“ sei gesprochen worden. „Wenn die Kinder beispielsweise für ihre Hausaufgaben im Internet recherchieren, müssen sie wissen, welche Quellen echt sind und welche nicht.“

Cybermobbing war ein weiteres Thema. Dass Kinder erst ab 14 Jahren zur Verantwortung gezogen werden können, wenn sie jemanden im Internet beleidigen, sei keinesfalls richtig, lernten sie. Haftungsansprüche können bis zu 30 Jahre aufrecht erhalten werden. Christensen: „Verdienen die Täter später ihr eigenes Geld, müssen sie für ihre Jugendtat aufkommen.“

Es gab Hot Dogs zur Stärkung

Da bei der Lesenacht aber auch der Spaß im Vordergrund stehen sollte, durften die Kinder einige Rätsel lösen. So wartete im Innenhof der Jugendbücherei gleich zu Beginn das Chaos-Spiel, dabei galt es, versteckte Karten zu finden und verschiedene Aufgaben zu bewältigen. Im Anschluss gab es Hot Dogs zur Stärkung. Mit einem iPad ausgestattet, durften die jungen Abenteurer dann Lüneburg erkunden, beispielsweise das Tor zur Unterwelt finden, recherchieren, was die Ritterakademie früher war und sich vor dem schiefen Haus in der Straße Auf dem Meere fotografieren.

Unterstützt wurden die Organisatoren von den städtischen Bücherei-Mitarbeiterinnen Antje Bechly und Leonie Oehler. Für das Quartett war die Lesenacht im Rahmen des Julius-Clubs ein Erfolg. „Uns geht es nicht darum, dass Kinder sich zwischen Büchern und neuen Medien entscheiden sollen. Sie stehen gleichberechtigt nebeneinander, denn beides macht Spaß“, sagt Dörte Christensen. Gleichwohl sei die Medienkompetenz heute ein wichtiges Thema. „Deshalb spricht man neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch von einer vierten Kernkompetenz.“

Von Anna Paarmann