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Photovoltaikanlagen aufs Dach bringen möchten die Grünen im neuen Hanseviertel Ost. Foto: A/nh
Photovoltaikanlagen aufs Dach bringen möchten die Grünen im neuen Hanseviertel Ost. Foto: A/nh

Photovoltaik: Hanseviertel-Ost als Vorzeigeqaurtier?

Lüneburg. Die Zeit drängt. Um für Entspannung auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt zu sorgen, sollen bis 2021 insgesamt 2100 neue Wohnungen gebaut werden, 650 davon im Hanseviertel Ost. Damit dort 2019 mit dem Bau auch begonnen werden kann, laufen in der Stadtverwaltung die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die grüne Ratsfraktion beobachtet die Aktivitäten mit gemischten Gefühlen. Sie befürchtet, dass bei der Umsetzung eine Chance vertan wird.

„Das geplante Hanseviertel Ost könnte zu einem Vorzeigequartier der Stadt werden“, sagt Wolf von Nordheim – wenn die Stadt denn das Potenzial nutzen würde, das der grüne Ratsherr in dem Viertel sieht: den künftigen Strombedarf dort ausschließlich durch Photovoltaik zu decken. Mindestens 4 Millionen Kilowattstunden, so hat er errechnet, ließen sich durch diese Form der Energieerzeugung pro Jahr gewinnen, wenn künftig sämtliche Dachflächen des 23 Hektar umfassenden Geländes dafür genutzt würden, „und das ist noch vorsichtig gerechnet“. Ein Volumen, das laut von Nordheim den Jahresstrombedarf von etwa 1000 Drei-Personen-Haushalten decken würde, deutlich mehr also, als dort entstehen sollen.

Vereinbarung eines sogenannten Quartierstromnetzes

Dazu aber müssten die Möglichkeiten, die sich vor der Erschließung des Areals ergäben, „auch ergriffen werden“, fordert von Nordheim. Dazu zähle in erster Linie die Vereinbarung eines sogenannten Quartierstromnetzes zwischen der Stadt und der Sparkassentochter IDB, die das Grundstück vom Bund kaufen und die Erschließung und Vermarktung übernehmen soll. Durch das Quartierstromnetz wären sämtliche Haushalte an die zu installierenden Photovoltaikanlagen angeschlossen, sie könnten den umweltfreundlich erzeugten Strom selbst nutzen und überschüssige Energie ins allgemeine Netz einspeisen.

Die Grünen sind allerdings nicht die einzigen, die den Einsatz von Photovoltaikanlagen im neuen Quartier anregen. Die Linke wollte in der jüngsten Ratssitzung einen sogenannten Vorbehaltsbeschluss fassen lassen, der dem Rat mehr Einflussnahme bei der Vereinbarung eben dieses Quartierstromnetzes ermöglichen soll. Dazu kam es nicht, der Antrag wurde in den Bauausschuss verwiesen. Zuvor hatte Oberbürgermeister Ulrich Mädge darauf hingewiesen, dass sich der Rat Beschlüsse, für die der Verwaltungsausschuss zuständig ist, ohnehin vorbehalten könne.

Genau darin sehen die Grünen das Problem. „Dann ist doch längst alles ausverhandelt, und das wird der OB dem Rat auch klar machen“, ist von Nordheim überzeugt. Ein solches Vorgehen der Verwaltung kenne er „aus der Vergangenheit zur Genüge“.

Keine Verpflichtung zur Errichtung von Photovoltaikanlagen

Zwar bestätigte Stadtbaurätin Heike Gundermann in einer Anfrage des grünen Ratsherrn, dass im städtebaulichen Vertrag auch die Nutzung regenerativer Energien geregelt werden könne. Ob dies mit der IDB vereinbart werden soll, geht aus der Antwort nicht hervor. Stattdessen ließ die Stadt wissen, dass es keine Verpflichtung zur Errichtung dieser Anlagen im Bebauungsplan geben soll, „der Bauherr ist frei in seiner Entscheidung“. Das ist von Nordheim zu wenig: „Jetzt müssen die Vorbereitungen wie Kabel oder Leerrohre für ein Quartierstromnetz geschaffen werden, danach ist es ungleich aufwändiger und teurer.“

Warum sich die Stadt den Vorschlägen gegenüber nicht offener zeigt, ist für ihn nicht nachvollziehbar. „Wir wollen ja nur die Voraussetzungen dafür schaffen, regenerative Energie nutzen zu können. Dies sollte doch für Lüneburg, das sich gern mit seinem Engagement in Sachen Nachhaltigkeit schmückt, eine Selbstverständlichkeit sein.“ Er hofft, dass dafür in der Bauausschusssitzung am 28. August die Weichen gestellt werden, „denn die Zeit drängt“.

Von Ulf Stüwe