Donnerstag , 15. November 2018
Aktuell
Home | Lokales | Fast wie im Fahrrad-Parkhaus
Im Lüneburger Fundbüro stapeln sich die Fahrräder, selbst ein ehemaliges Postrad hat Simone Baumann schon aufnehmen müssen. Foto: be

Fast wie im Fahrrad-Parkhaus

Lüneburg. Fahrräder, Fahrräder, Fahrräder. Susanne Twesten weiß schon nicht mehr, wo sie all die Gefährte noch lassen soll, und nahezu täglich werden es mehr. „ Im Keller haben wir noch zwei Räume, die sind auch voll damit“, sagt die Leiterin des Lüneburger Ordnungsamts. Dort ist seit 1999 auch das Fundbüro angesiedelt, die Asservatenkammer für Liegengelassenes und Vergessenes. Doch inzwischen gleicht die Aufbewahrungsstelle mehr einem Fahrrad-Parkhaus als einem Büro für Fundsachen.
Warum die Zahl der im Fundbüro abgegebenen Fahrräder in den vergangenen Jahren so stark angestiegen ist, kann sich Susanne Twesten auch nicht erklären. „Viele rechnen vermutlich gar nicht damit, dass das von ihnen vermisste Rad hier abgegeben sein könnte“, mutmaßt die Ordnungsamtschefin. „Sie gehen vielleicht davon aus, dass es gestohlen wurde und haben wohl die Hoffnung aufgegeben, es jemals wiederzusehen.“

Weil so viele Fahrräder verschwinden, setzen sich die beiden Sachbearbeiterinnen des Fundbüros, Martina Hahn und Simone Baumann, stets auch mit der Polizei in Verbindung und gleichen die Daten mit den Diebstahlsanzeigen ab. Dort werden auch die Listen der von der Polizei codierten Fahrräder geführt, die einen Abgleich zwischen Rad und Eigentümer erheblich erleichtern. Dennoch muss jeder, der wegen eines Verlustes ins Fundbüro kommt und vorgibt, Eigentümer zu sein, einen entsprechenden Nachweis auch erbringen. „Ein Kaufvertrag wäre optimal“, sagt Simone Baumann, aber auch ein Foto des vermissten Gegenstands wäre hilfreich.

Auch Gebisse werden häufig abgegeben

Gelegentlich kommen die Fundbüro-Damen den Eigentümern aber auch selbst auf die Spur. „Besonders viel Mühe geben wir uns bei hier abgegebenen Eheringen“, sagt Susanne Twesten. Da Datum und Vorname des Ehepartners ja in der Regel in den Ring eingraviert sind, hat das Amt relativ leichtes Spiel, den Betreffenden zu finden. „Die Freude der beiden Ehepartner über den wiedergefundenen Ring ist dann auch für uns immer schön.“

Überhaupt ist der Aufwand der Mitarbeiterinnen, den Wert von erkennbar wertvollen Fundsachen wie Schmuck oder Uhren zu ermitteln, nicht gerade gering. „Wir googeln im Internet und schauen, zu welchen Preisen die Gegenstände dort gehandelt werden“, sagt Simone Baumann. Sollte das nicht reichen, werde auch schon mal ein Gutachter eingeschaltet. Denn die Ermittlung des Werts einer Fundsache hat auch Auswirkungen auf Gebühr und Finderlohn, die bei Einlösung durch den Eigentümer zu zahlen sind. So beträgt die Gebühr 15 Prozent des Schätzwerts bei einer Schätzspanne zwischen 50 und 500 Euro, bei 10 bis 50 Euro sind es pauschal 5 Euro. Bei Schätzwerten über 500 Euro müssen 75 Euro zuzüglich 2 Prozent des Schätzwertes gezahlt werden, mindestens aber 82 Euro. „Reich werden wir dadurch aber nicht“, sagt Susanne Twesten, die Einnahmen würden die laufenden Kosten bei weitem nicht decken, auch nicht mit den Erlösen aus den jährlich drei bis vier Versteigerungen, die jeweils Beträge zwischen 2000 und 4000 Euro ergäben.

Dass immer wieder auch Kurioses im Fundbüro abgegeben wird, davon können die Damen ein Lied singen. „Selbst Gebisse werden häufig zu uns gebracht“, sagt Simone Baumann. Auch Gartenmöbel, Schubkarren, Bohrmaschinen oder sogar Straßenschilder werden gefunden, nur selten aber abgeholt. „Selbst teure Kindersportkleidung oder Handys bleiben in der vorgesehenen Aufbewahrungszeit liegen.“ Diese beträgt sechs Monate, danach kommen die Fundsachen in die Versteigerung oder werden wie etwa Bekleidung an karitative Organisationen abgegeben.

Wer selbst etwas von den Fundsachen ersteigern möchte, hat dazu am kommenden Mittwoch, 9. August, ab 13 Uhr wieder Gelegenheit. Die Versteigerung findet wie immer auf dem Hof des Bürgeramts an der Bardowicker Straße 23 statt.

Von Ulf Stüwe

Das sagt das Gesetz: Finderlohn

Jeder Finder hat laut § 971 Absatz 1 BGB einen Anspruch auf Finderlohn von dem Eigentümer der Fundsache, der notfalls auch eingeklagt werden kann. Die Höhe des Finderlohns berechnet sich wie folgt:

  • Fundsache hat einen Wert bis 500 Euro: Finderlohn in Höhe von 5 % des Wertes.
  • Fundsache hat einen Wert über 500 Euro: Finderlohn in Höhe von 25 Euro (5 % von 500 Euro) plus 3 % von dem über 500 Euro hinausgehenden Wert.
  • Fundsache ist ein Tier: Finderlohn in Höhe von 3 % des Wertes.

Quelle: www.juraforum.de