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Jannes Günther aus Ashausen hat ein großes Ziel: Die Teilnahme an den Paralympics 2020 in Tokio. Das Foto zeigt ihn beim Training mit seinem Schnellfahrstuhl auf der Rolle. Foto: nh

Paralympics 2020: Jannes träumt von Tokio

Ashausen. Ein leises Surren, unterbrochen von Werkzeuggeklapper, ist zu hören bei Familie Günther aus Ashausen. Vater und Sohn sind bei den letzten Feinabstimmu ngen der Trainingsrolle für den Rennrollstuhl. Hier, unter dem Carportdach, bekommt Jannes gerade ein neues Trainingsrevier: Sein Rennrollstuhl (unter Profis nur Schnellfahrstuhl genannt) wird auf der Metallrolle fixiert, sodass er hier im Trockenen Kilometer auf der Stelle machen kann.

Jannes Günther ist 14 Jahre alt und von Geburt an querschnittsgelähmt. Schon mit drei Jahren brachten ihm seine Eltern Manja und Marc Günther den Rollstuhlsport nahe und besuchten entsprechende Kindergruppen in Hamburg.

Talent von Profis entdeckt

Vor vier Jahren kam der entscheidende Durchbruch: Bei einem Schnupperlehrgang der deutschen Nationaltrainer für den Schnellfahrstuhlsport, Gudrun und Heini Köberle, in Büsum entdeckte Jannes den Sport für sich und die Trainer sein Talent. „Ich mag die Geschwindigkeit und dass ich mich mit anderen messen kann“, sagt der sympathische, etwas schüchterne Junge bescheiden.
Dass er großes Talent hat und trotz seines jungen Alters mit den Großen mithalten kann, behält er dabei für sich. Und so gehört es für Jannes inzwischen fast wie selbstverständlich dazu, dass er jedes Jahr bei namhaften Wettkämpfen oder Leichtathletik-Meetings wie dem ISTAF-Treffen im Berliner Olympiastadion startet: teils in Show-Wettrennen, teils in richtigen Wettkämpfen.
Dort tritt er üblicherweise gegen ältere Sportler an, denn in Norddeutschland ist er der einzige Schnellfahrstuhlsportler in seiner Altersgruppe U18. Jannes‘ Paradedisziplinen sind Rennen über 100, 200, 400 und 800 Meter. Langsam tastet er sich aber auch an die Langstrecke und vielleicht eines Tages an die Marathonstrecke heran.

„Ich mag die Geschwindigkeit und dass ich mich mit anderen messen kann.“
Jannes Günther

Das nächste Ziel für Jannes ist jetzt Nottwil bei Luzern in der Schweiz am Sonntag, 13. August. Hier werden jedes Jahr die internationalen Junioren-Meisterschaften ausgetragen und wegen der optimalen Bedingungen dort meist Bestzeiten erzielt, die die Sportler für ihre Qualifikation für Weltmeisterschaften und Paralympics brauchen. Zum ersten Mal wird Jannes hier die Chance haben, gegen Sportler seines Alters anzutreten.

Erst Nottwill, dann Paralympics

„In der Branche ist Nottwil der Wettkampf schlechthin“, berichtet Vater Marc Günther. Gut, dass Familie Günther mit dem DRK-Ortsverein Ashausen/Scharmbeck ins Gespräch kam. Der steht schon länger in Kontakt mit der Familie, half bereits vor einigen Jahren finanziell, als Jannes Begleithündin Linda bekam, die ihm heute eine große seelische und praktische Stütze im Alltag ist. Jetzt spendete der DRK-Ortsverein 500 Euro und ermöglicht damit die Teilnahme am Wettkampf in Nottwil.

Erst Nottwil, dann Paralympics 2020 in Tokio? Gar nicht unrealistisch, sagen Jannes‘ Trainer über seinen großen Traum. Als Mitglied im Landeskader hatte er sich für den Perspektivkader „Go for Tokyo 2020“ beworben, wurde gerade dafür nominiert. Damit wird er künftig deutschlandweit mit weiteren neun Sportlern zielgerichtet für die Paralympics trainieren.
Doch nun muss er sich erst einmal auf Nottwil vorbereiten. Nicht leicht, hat Jannes doch gerade erst eine Bein-OP hinter sich und ist erst seit wenigen Wochen wieder im Training. Trainiert wird bei schlechtem Wetter auf der Rolle, sonst rund um Ashausen. Auf der etwa acht Kilometer langen Trainingsstrecke wird Jannes vom Vater auf dem Rad begleitet, joggend kann mit Jannes keiner mithalten – nicht einmal Hündin Linda. red