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Jens-Peter Hecht blickt von seinem Balkon auf die nächste Häuserzeile. Ihm gefällt es, den Handwerkern zuzusehen. Foto: t&w

Erste Mieter beziehen den Ilmenaugarten

Lüneburg. Der Asphalt hat eine Menge auf dem Buckel, es ist eine rumpelige Fahrt. An manchen Stellen riesige Pfützen, ein Stück Sandweg. Wie das so ist auf eine r gewaltigen Baustelle. Rund 1500 Menschen sollen einmal im Ilmenaugarten leben, einem der neuen Viertel Lüneburgs. Jens-Peter und Heidrun Hecht gehören sozusagen zu den Pionieren, die in einem der ersten fertiggestellten Häuser wohnen. 129 ist ihre Hausnummer. Im Hausflur hängt ein Schild: Der Maler warnt andere Handwerker aufzupassen Es riecht alles neu.

Das Ehepaar hat die 115 Quadratmeter im zweiten Stock vor drei Wochen bezogen. Für den international tätigen Sportberater und Journalisten Hecht sind die Fenster in seinem Wohnzimmer ein großer Bildschirm. „Da drüben bauen sie noch, gerade sind sie am Dach dabei“, erzählt er. „Die Gerüste werden bald verschwinden, dann ist wieder ein Stück fertig.“ Und: „Da, gucken Sie mal, durch die Lücke zwischen den Häusern können wir auf Schröder‘s Garten an der Ilmenau sehen.“

Leben an der Bahnlinie

Die Hechts gehören zu den 1500 Menschen, die schließlich zwischen Ilmenau und der Bahnlinie Hamburg-Hannover leben sollen, wenn alles fertig ist. Die alten Gleise des Güterbahnhofs sind verschwunden. Mehr als ein Dutzend Mal haben Experten Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg geräumt, bevor die Baumaschinen anrückten, um von rund 97 000 Quadratmeter Fläche 65 000 zu überbauen. Manfred Schulte ist einer der sieben Investoren, die das Viertel entstehen lassen. Er sagt, dass gut 450 Wohneinheiten gebaut werden. Dazu kommt ein schon fertiggestelltes Studentenwohnheim mit 310 Plätzen. 2019, 2020 wolle man mit den Arbeiten durch sein.

Das Gebiet gehört nicht zu den günstigsten der Stadt. Wer eine Eigentumswohnung kauft, legt mehrere Hunderttausend Euro auf den Tisch. Trotzdem ist die Nachfrage riesig, sagt Schulte.
Die Erfahrung haben auch die Hechts gemacht. Sie hätten gern eine Wohnung mit Dachterrasse erworben. „Keine Chance“, sagt Hecht. Trotzdem ist er zufrieden. Das Paar kann von einem Balkon in Richtung Ilmenau schauen; zur Bahnseite liegt eine Loggia, die Fenster sind zu öffnen. Alles sehr schön, gerade morgens beim Frühstück.

Und relativ leise. Hecht sagt, er habe auch gedacht, mehr von der Bahn zu hören, doch richtig Krach machten nur alte Güterzüge. Von der Willy-Brandt-Straße schallten ab und an die Martinshörner der Krankenwagen herüber. Die Fenster seien dreifach verglast, die Türflügel 100 Kilo schwer, alles bestens isoliert. „Wir haben vorher in Ochtmissen gewohnt“, sagt Hecht. „Unser Haus steht 400, 500 Meter von der Bahnstrecke und der Autobahn entfernt.“ Da habe auch keine Stille geherrscht. „Unsere Nachbarn kommen aus Hamburg, die haben an Hauptverkehrsstraße und neben einer S-Bahn-Station gelebt, die finden es hier leise.“

Heidrun Hecht, die sich lange als Geschäftsführerin für die Hilfsaktion Guter Nachbar engagierte, und ihr Mann sind in Ochtmissen verwurzelt: „Wir haben da 40 Jahre gewohnt.“ Der Umzug sei ihr nicht leicht gefallen. Ihr Mann ergänzt: „Aber wir sind um die 70, jetzt können wir das noch.“

Haus in Ochtmissen ist zu groß geworden

Die Verbindung in den Ortsteil bleibe, auch wenn er das Amt als Vorsitzender des Bürgervereins abgeben wolle. Haus- und Zahnarzt wollen sie weiter in Ochtmissen besuchen, natürlich auch Freundschaften mit ehemaligen Nachbarn und Bekannten pflegen.
Doch in die Waagschale haben sie eine Menge gelegt, das für den Wechsel spreche. Argumente, die wohl ebenso für andere gelten: Das Haus sei zu groß geworden, der Garten mache viel Arbeit. Vor allem aber seien die Wege nun kurz: In ein paar Minuten laufen sie über das Ilmenau-Wehr und durch den Wandrahm-Park in die Stadt. Mal ins Café oder Kino, das sei zu Fuß oder mit dem Rad kein Problem.

Das Ehepaar sitzt im Wohnzimmer. Es dauert wohl noch ein bisschen, bis sie sich so ganz im neuen Heim eingewöhnt haben. Aber der Schritt sei richtig gewesen, sind sie sich einig. Und zu gucken gibt es auch noch etwas. Vor dem Fenster läuft noch ein bisschen Baustellen-Theater.

Von Carlo Eggeling