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Der Königinnen-Weg verbindet den klassischen Wanderweg mit modern präsentierten Sport-Übungen. Sophia Wischmann probiert es aus. Foto: emi

Green Sport Parcours: Trimm-dich-Übungen mit dem Handy

Amelinghausen. Manchmal muss man erfinderisch sein. „Die Übung nennt sich Klimmzug“, verkündet die Trainerin in dem Fitness-Video, das Sophia Wischmann mithilfe ihres Smartphones abgerufen hat. Schwierig allerdings, die Übung nachzumachen, wenn sich nirgendwo im Umkreis eine Klimmzugstange oder auch nur ein starker Ast befindet. Die 21-Jährige zögert nicht lange: „Dann mache ich eben Liegestütze“, sagt sie fröhlich und legt ihre Hände auf einer verwitterten Banklehne am Wegesrand ab.

Anleitung per Internet-Video

Sophia Wischmann ist auf dem „Green Sport Parcours“ in Amelinghausen unterwegs. Die LZ hat die ehemalige Heidekönigin von 2014 gebeten, die elf Kilometer lange Strecke rund um den Heideort zu testen – denn schließlich führt der moderne Trimm-dich-Pfad passenderweise den Königinnen-Weg entlang. Die Landwirtschaftsstudentin in Osnabrück hat gerade Semesterferien und nutzt ihren Heimaturlaub mit Vergnügen zu einem Ausflug in die heimische Heidelandschaft. Und weil sie privat Volleyball spielt sowie ab und an ins Fitnessstudio geht, ist Sophia Wischmann auch gern bereit, die Fitness-Übungen an zehn Stationen entlang der Strecke auszuprobieren.

Teilweise recht versteckt sind überall auf dem Green Sport Parcours kleine Schildchen mit sogenannten QR-Codes angebracht. Wanderer und Spaziergänger können diese Codes mithilfe entsprechender Apps auf ihren Smartphones oder Tablets einscannen, anschließend erscheinen auf dem Display Internet-Videos. Zwei Trainer erklären darin verschiedene Übungen, die die Lüneburger Heide GmbH zusammen mit der Barmer GEK ausgewählt hat und die Kraft, Ausdauer und Balance fördern sollen. Die Strecke mit leichten Steigungen kann je nach Kondition gejoggt, gewalkt oder spaziert werden. Je nach Tempo sollten Interessierte zwei bis vier Stunden einplanen.

14 Green Sport Parcours erhöhen die Fitness

Insgesamt 14 solcher Green Sport Parcours gibt es inzwischen in der Lüneburger Heide. In Amelinghausen beginnt der Rundkurs am Lopausee. Ob man links oder rechts herum geht, ist Geschmackssache, der Weg ist per gelbem Pfeil auf rotem Grund gut ausgeschildert. Sophia Wischmann startet auf dem Parkplatz Kronsbergheide an der B209 und nimmt zunächst den Peter-Ehlers-Weg in Richtung Heideblütenfestplatz. Schon nach wenigen hundert Metern Waldweg befindet sich an einer Weggabelung der erste QR-Code auf einer Holzbank. Die Studentin zückt ihr Smartphone, sieht sich das Video an und weiß sofort, was zu tun ist: Mit Kniebeugen steht eine Übung für Beine und Po an. Nachdem sie die Station absolviert hat, folgt sie weiter dem Wanderweg.
Nach kurzer Zeit lichtet sich der Wald und es öffnet sich eine Bilderbuchlandschaft aus sanften Heidehügeln, Bienenstöcken und Wacholderbüschen – die Kronsbergheide. In zwei Wochen wird dort die neue Heidekönigin, Nachfolgerin von Marie-Louisa Sebastian, gekrönt – und Sophia Wischmann versteht sehr gut, wie sich die scheidende Majestät zurzeit fühlen muss: „Jetzt kommen alle Leute und sagen, bald ist alles vorbei. Eigentlich denkt man sich, das ist okay so, aber insgeheim ist man doch traurig. Man wird danach eben nicht mehr so im Mittelpunkt stehen“, weiß sie aus eigener Erfahrung.

Alternative Abstecher am Wegesrand

Doch die 21-Jährige ist nicht zum Trübsalblasen gekommen. Sie erspäht eine Bank, setzt ein Bein darauf ab und beugt nun in regelmäßigen Abständen das Standbein. Ein Trainingsvideo braucht sie nicht dazu, sie nutzt einfach die vorhandenen Gegebenheiten für eigene Übungen. So ist übrigens auch der gesamte Parcours zu verstehen. Nur zehn Stationen sind ausgeschildert, aber der Weg eignet sich mit vielen weiteren natürlichen Gegenständen – Baumstämmen, Bänken, Findlingen und Brückengeländern – ebenso für ein ausführliches Training.

Sophia Wischmanns Fazit fällt denn auch positiv aus: „Ich finde den Green Sport Parcours ganz gut, weil man hier eine schöne Umgebung hat, wo man laufen und ab und zu ein paar Übungen machen kann, auf die man vielleicht selber nicht kommen würde.“ Für zu schwer hält sie die Übungen nicht: „Es gibt jeweils eine einfachere und eine schwierigere Variante, deshalb ist der Parcours meiner Meinung nach für jedermann geeignet.“

Wer keine Lust hat, nach den teilweise doch recht schwer zu findenden Schildchen Ausschau zu halten, oder wem die Internetverbindung einen Strich durch die Rechnung macht, der kann einfach einen ausgedehnten Spaziergang auf dem Königinnen-Weg mit Abstechern etwa zur Oldendorfer Totenstatt oder zum Eulengarten unternehmen. Abkürzungen sind jederzeit möglich. Einfach wieder in Richtung Ortskern abbiegen und den Tag mit Tretbootfahren auf dem Lopausee oder in einem der vielen Cafés rundherum ausklingen lassen. Man muss eben nur ein bisschen erfinderisch sein.

Eine Karte für den Königinnenweg gibt es hier.

Von Emilia Püschel

2 Kommentare

  1. Das ist doch eine echt schöne Verbindung von Natur und neuen Technologien. Toll!

  2. Schade, dass oft falsche Akzente gesetzt werden. Ausgerechnet der Generation des gesenkten Kopfes (Handy), die immerhin noch eine Eiche von einer Parkbank unterscheiden kann, müssen weitere Anreize für Zwischenzeiten, -stopps, kurze Route… gegeben werden. Eigentlich haben die mit Route-Tracking, Instagram, Twitter, Facebook eh schon viel zu tun.