Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Am Stint ist die Stimmung oft aufgeheizt. Es kommt weit nach Mitternacht häufig zu Prügeleien. Foto: t&w

Immer häufiger Ärger am Stint: Stadt will das Gespräch suchen

Lüneburg. Zu sehr später Stunde ging es am Stintmarkt schon ewig eher rustikal zu, Schlägereien gab es bereits vor Jahrzehnten. Doch aktuell hat sich die Lage z ugespitzt. Vorvergangenes Wochenende wurde der Türsteher der „Galerie“ von einem rausgeworfenen Gast niedergestochen. Die Polizei rückt an fast jedem Wochenende zu den Nachtlokalen aus, weil sich Gäste prügeln, meistens auf der Straße. Und die Beamten müssen öfter dazwischengehen als in den vergangenen Jahren. Kam es von Jahresanfang bis Ende Juli 2016 zu 15 einfachen und sieben gefährlichen Körperverletzungen, waren es in diesem Jahr im selben Zeitraum 21 einfache und elf gefährliche Körperverletzungen, dazu kommen zwei Raubdelikte. Anwohner reagieren genervt, denn die Partymeile strahlt weiter aus.

Manfred Vogt, seit mehr als drei Jahrzehnten Wirt des Schallander, betont, dass die Straße zwei Gesichter habe: Die an den Stint-Terrassen liegende Seite sei friedlich, auf der anderen Seite beginne der Betrieb nach Mitternacht und gehe bis in den nächsten Morgen. Vogt ärgert sich, dass im Polizeibericht immer vom „Stint die Rede ist, wir haben mit dem, was da passiert, nichts zu tun“. Im Gegenteil: Aus seinen Blumenkübeln reißen Vandalen Pflanzen und werfen sie in die Ilmenau. Es sei mehr als unangenehm für ihn und seine Kollegen, wenn das betrunkene Klientel aus der Nacht zum Teil noch morgens um zehn über das Pflaster wanke – manche übergeben sich, während sich Gäste zum Frühstück setzen.

Auch Anwohner im Viertel kapitulieren

Tun könne er wenig dagegen, sagt Vogt. Mit dem Eindruck ist er nicht allein. Auch Anwohner im Viertel kapitulieren. Imbisse im Wendischen Dorfe und Am Berge haben lange geöffnet, zum Teil bis ins Morgengrauen. Nachtschwärmer haben Hunger und Durst. Das bringt angesichts des Alkoholpegels entsprechenden Lärm mit sich, schildern Nachbarn. Nicht nur das: Mancher reinigt seinen Eingang regelmäßig von Erbrochenem, Scherben und Kippen. Dazu komme, dass gegen Hauswände gepinkelt werde. Ihre Namen nennen sie lieber nicht, aus Sorge, dass es Folgen haben könnte.

„Die trinken schon zu Hause oder kaufen sich im Kiosk um die Ecke Bier und Schnaps, dann gibt es Ärger.“
Angelika Weinert

Von der Stadt fühlt sich mancher alleingelassen. Auch eine Frau, die über Jahre versucht hat, etwas gegen Lärm zu erreichen. Im Nachbarhaus wummern die Boxen am Wochenende die Nacht durch. Der Wirt habe Auflagen bekommen, sich auf Dauer aber nicht daran gehalten. Sie habe nicht mehr die Kraft, sich immer wieder über einen Anwalt und Aufforderungen an die Verwaltung gegen die Beschallung zur Wehr zu setzen – und am Ende gehe es weiter wie bisher.
Auf eine erste Anfrage der LZ reagierte man im Rathaus mit einer gern praktizierten Übung: Schuld habe das Land, das habe vor zwölf Jahren die Sperrzeitverordnung gekippt. Man könne wenig tun.

Schlägereien weit nach Mitternacht

Die Verordnung hatte geregelt, dass Zapfhähne unter der Woche um 2 Uhr in der Nacht und am Wochenende um 3 Uhr nach oben gedreht werden mussten. Es gab Ausnahmen für Betriebe mit Nachtkonzessionen. Geschichte. Heute dürfen Kneipiers auch danach weitermachen. Dass es wohl nicht in jeder Hinsicht klug war, die alkoholfreie Zeit zu kippen, ergibt sich aus den Einsatzzeiten der Polizei, der Schwerpunkt der Schlägereien liege zwischen 2 und 8 Uhr.
Nach erneuter Nachfrage hieß es dann von der Verwaltung: Die Kommune könne auch lokal über Sperrzeiten entscheiden. Eben darüber müsse man nachdenken, wolle mit der Polizei und später auch den Wirten reden. Entscheiden müsse die Politik.

Die überraschende Initiative würde Angelika Weinert, ihre Gäste rufen sie Anna, von der Galerie sehr begrüßen. Denn sie wehrt sich gegen den pauschalen Vorwurf, dass die Kneipiers Gäste abfüllen, die sich dann später schlagen. Sie, aber auch ihre Kollegen von der eNTe, dem Burlala und dem Pesel, hätten damit zu kämpfen, dass viele „vorglühen“, Anna sagt: „Die trinken schon zu Hause oder kaufen sich im Kiosk um die Ecke Bier und Schnaps, dann gibt es Ärger.“ So sei es auch im Fall ihres Türstehers gewesen. Der schwebe nicht mehr in Lebensgefahr, konnte das Krankenhaus verlassen, leide aber an den Folgen und sei die nächsten Wochen krankgeschrieben.

Die Wirtin berichtet auch, dass vermehrt Zuwanderer kommen. Die hätten zum Teil Konflikte untereinander. Auch versuchten die vermutlich alleinstehenden Männer, in Kontakt mit Frauen zu kommen, was deren Begleiter nicht gerade freundlich stimme. „80 Prozent der Konflikte können wir im Laden klären“, sagt sie. Aber eben nicht alle. Sie wünscht sich, dass die Polizei bei Anrufen entsprechend fix reagiert: „Vor Jahren hatten wir schon mal so eine Phase, da waren die dann schnell und in großer Stärke hier.“ Sie glaubt, eine ähnliche Präsenz würde die Lage langfristig beruhigen.

Ein Gesprächsangebot der Stadt „finde ich gut, gern mit der Polizei“, sagt Anna. Und schön wäre es, wenn es möglichst zügig zu einem Treffen komme.

Von Carlo Eggeling

7 Kommentare

  1. Die Straftaten steigen an …. allerdings nehmen die Kneipen ab. Es gibt kein Trumpf, Bierdorf, Peanuts, Mandy´s Inn oder Pupasch mehr. Und trotzdem steigen die Zahlen. Die Gewaltbereitschaft nimmt enorm zu. Bin seit Jahrzehnten auf dem Stint (früher mehr als jetzt)…. früher gab es Ärger und Gut war. Was ich allerdings in den letzten ~3 Jahren erlebt habe, gab es die ganzen Jahre nicht. Wurde selber mit einem Messer bedroht, Schlägereien 4 gegen 1, zerbrochene Flasche ins Gesicht … das ist schon normal. Gibt es Statistiken wer dieser Straftaten begeht (Alter/Herkunft) ?! In den letzten 3 Jahren konnte ich die Herkunft jedenfalls immer eindeutig erkennen.

  2. Norbert Kasteinecke

    Wie sagte doch unser aller erster Bürgermeister einst so schön:

    >Wir wollen doch keinen ganzen Stadtteil stigmatisieren.<

    Hier wäre wohl besser Straßenzug.

  3. Wie bitte ? Die Stadt erzählt bei einer ersten Anfrage Märchen und beschuldigt das Land, obwohl sie genau weiß, dass sie selbst tätig werden kann und offenbar nur der Wille fehlt ? Und muss dann bei erneuter Nachfrage erklären, dass eine Besserung der Lage in ihren Händen liegt ? Wie peinlich ist das denn ?! Selten wurde der Versuch, den Bürger und die Presse hinters Licht zu führen, so klar demonstriert.

  4. Norbert Kasteinecke

    Um öffentlichen Spekulationen vorzubeugen wäre es sicherlich sinnvoll, nicht nur diese dürftigen Angaben zu Straftaten aus den beiden vergleichsweise kurzen Zeiträumen zu haben.
    Die gesamte Entwicklung der letzten 5 Jahre sollte hier schon zur Verfügung stehen.

  5. Tja, so ist das. In unserer Kultur musste man sich Ehre durch Verhalten erwerben. In der Kultur der meisten Zuwanderer bekommt man die Ehre von Anfang an mit und kann sie nur noch verlieren. Wenn diese Ochsen meinen sie verloren zu haben, versuchen Sie diese wieder herzustellen, komme was wolle und wenn man den Kontrahenten dafür abstechen muss. Eigenes Fehlverhalten eingestehen? Da würde man ja das Gesicht verlieren! Bei Streit einen Kompromiss eingehen? Da würde man ja Schwäche zeigen! Eine Frau als Gleichberechtigt begegnen? Da würde man ja seinen Rang einbüßen! Von der religiösen und daraus abgeleiteten menschlichen Überlegenheit von der viele darüberhinaus noch beseelt sind, wollen wir jetzt gar nicht sprechen. Ich habe seit Jahren Kontakt mit diesen Spezialisten und treffe immer wieder auf die gleichen Mentalitäten und Kulturen, die Stress machen. Die Zustände in den Herkunftsländern wundern mich schon lange nicht mehr. Traurig ist nur, wie unsere Gesellschaft sich langsam anpasst und diesen Mentalitäten und Kulturen immer mehr Raum gibt. Selbst unser Sozialsystem wird nicht als Errungenschaft angesehen sondern als Schwäche, die man auszunutzen hat.

    • „Eigenes Fehlverhalten eingestehen? Da würde man ja das Gesicht verlieren! Bei Streit einen Kompromiss eingehen? Da würde man ja Schwäche zeigen! Eine[r] Frau als [g]leichberechtigt begegnen? Da würde man ja seinen Rang einbüßen!“

      Klaus, wenn ich mir Ihre Wortmeldungen bei LZsport so durchlese, das Gehetze gegen den neuen LSK-Sprecher und den demissionierten Charly Eggert dort und die sexistischten Ausfälle gegen Elena, Charotte, Sandra und Cindy verfolge (die „sportred“ zuletzt gestern gezwungen haben, die Kommentarfunktion gleich unter zwei Beiträgen abzuschalten) dann bekomme ich eine ziemlich genaue Vorstellung, wem Sie Ihre markigen Fragesätze noch alles ins Poesie-Album schreiben sollten.

      • @nick
        Meinen Sie ,daß das permanente , seit Jahren anhaltende Relativieren, Schönreden , Aufwiegen mit anderen und vielfach seltenen Fällen , im Gegensatz zu den alltäglichen Vorfällen, von denen man wöchentlich hier lesen kann, von Nutzen ist?
        Im Poesiealbum steht nichts von Vergewaltigung, Mord, Körperverletzung mit Gläsern, Machteten und Messern in deutschen Städten. In der Presse eigentlich jeden Tag. Über die grosse Mehrheit der Täter schweige ich mich aus. Das ist politisch nicht korrekt. Diskutieren Sie lieber über die Falschparker. Das mag wichtiger sein.