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Im Juni 2013 hatte das Hochwasser der Elbe auch in Schleswig-Holstein verheerende Auswirkungen. Am Elbufer bei Geesthacht wurden große Flächen überschwemmt. Foto: tja

Kompetenzzentrum für den Hochwasserschutz in Geesthacht

Geesthacht. Bekommt Norddeutschland ein bisher einmaliges interdisziplänres Informations- und Beratungszentrum zum Klima- und Hochwasserschutz? Experten prüfen zurzeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Chancen dafür. Denn läuft alles nach Plan, würde Geesthacht von 2022 an im Mittelpunkt stehen, wenn in Norddeutschland die drängenden Fragen des künftigen Klima- oder Hochwasserschutzes diskutiert werden. Dann könnte nach aktueller Ablaufplanung das „HochWasserHaus“, so der Arbeitstitel des Projekts nach einer Idee von Museumsleiter Wolf-Rüdiger Busch, eingeweiht sein. „Es darf natürlich gerne schneller gehen“, erklärt Busch.

Informations- und Beratungszentrum zum Klima- und Hochwasserschutz

Erstmals trafen sich jetzt Experten aus dem Umweltministerium, vom Helmholtz-Zentrum, von Naturschutzverbänden und weiteren Organisationen zum Workshop in Sachen „HochWasserHaus“. Ziele des Projekts und Inhalte, die präsentiert werden könnten, sollten definiert werden. Ein zweiter Workshop ist für den 28. September geplant.
„Der Standort Geesthacht ist für dieses Vorhaben prädestiniert“, sagt Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU). Er hat die Schirmherrschaft für das „HochWasserHaus“ übernommen. Die Lage an der Elbe einerseits, aber auch die Nähe zu den angrenzenden Ländern Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern mache die Lage im Süden von Schleswig-Holstein perfekt. Schlie: „Das Thema ist nicht nur von landesweiter Bedeutung, sondern weit darüber hinaus relevant.“#

Busch hatte die Idee des „HochWasserHauses“ intensiv vorbereitet, 2016 machte er sie öffentlich. Im Frühjahr sagte die Aktiv-Region eine finanzielle Unterstützung in Höhe von fast 24 000 Euro für die Überlegungen im Rahmen einer 40 000 Euro teuren Machbarkeitsstudie zu. „Auch eine Anschubfinanzierung für die Realisierung steht in Aussicht“, sagte Busch am Rande des Workshops.

Als interdisziplinäres Erlebniszentrum denkbar

Schlie geht noch weiter. Es sei eine „staatliche Aufgabe“, Aufbau und Betrieb zu unterstützen. Er denkt dabei nicht nur an das Land, sondern auch an Mittel des Bundes und der Europäischen Union. „Klima- und Hochwasserschutz sind Themen, die uns beschäftigen müssen“, mahnte Schlie.
Im „HochWasserHaus“, das nicht zwangsläufig ein typisches Gebäude und schon gar kein Museum sein müsste, sondern eher ein interdisziplinäres Erlebniszentrum werden soll, würden die Gäste nach Einschätzung der Teilnehmer des ersten Workshops aus allen Bereichen kommen. Bürger, die sich über eigene Maßnahmen zum Hochwasserschutz oder darüber, was sie zum Klimaschutz beitragen können, informieren, ebenso wie Behörden, die Erkenntnisse einholen können, wie etwa die Kanalisation künftigen Regenereignissen angepasst werden muss.
„Es geht aber auch um Fragen, wie Wetter entsteht, was Klima ist, wie es sich verändert und was die Veränderungen für die Umwelt bedeuten“, nennt Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze mögliche Inhalte. Mit dem Helmholtz-Zentrum hat man Klima-Experten direkt vor Ort und als Partner im Boot. Busch: „Es geht darum, wie die traditionellen Lebensräume an den Flüssen langfristig gesichert werden können.“

An der Elbe etwa gab es seit 2002 bereits vier „Jahrhunderthochwasser“ mit Schäden von insgesamt mehr als 50 Millionen Euro allein in Schleswig-Holstein.

Von Timo Jann