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Christian Hartmann hält in Drögennindorf 1700 Hennen in Mobil-Ställen. Wie viele andere regionale Landwirte profitiert er vom aktuellen Eier-Skandal, die Nachfrage ist höher als sein Angebot. Foto: t&w

Regionaler Handel boomt nach dem Fipronil-Skandal

Drögennindorf. Christian Hartmann sitzt am Steuer seines Treckers und mäht Gras, als er im Radio von giftbelasteten Eiern hört. Der Landwirt dreht den Lautstärkeregler höher – er hält selbst 1700 Legehennen in vier Mobil-Ställen und ahnt, dass das Thema auch ihn beschäftigen wird. Verunsicherte Kunden, Kontrollen des Veterinäramtes, der Versuch, Vertrauen wieder zu gewinnen – Hartmann spielt in Gedanken die nächsten Tage durch. Woran der 44-Jährige dabei nicht denkt, ist ein Nachfrage-Boom. Doch genau den hat der Skandal um den verbotenen Einsatz des Insektizids Fipronil ausgelöst.

Täglich leergekaufte Regale 

„Seit Bekanntwerden des Falls sind wir jeden Tag vollkommen leer gekauft, könnten deutlich mehr Eier absetzen als unsere Hennen legen“, sagt der Drögennindorfer. Ähnlich geht es anderen Legehennen-Haltern aus der Region: Das Geschäft nach dem Fipronil-Skandal läuft.

Seit vergangener Woche tauchen in immer mehr Bundesländern mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier auf, Millionen von ihnen sind in die Supermärkte gelangt – und wurden inzwischen aus dem Handel genommen. Die Supermarktkette Aldi hat als Vorsichtsmaßnahme deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf genommen (LZ berichtete). „Der Markt ist seitdem stark verunsichert“, sagt Margit Beck vom Informationsdienst „Marktinfo Eier & Geflügel“. Eine Situation, in der deutlich mehr Kunden als üblich ihre Eier regional kaufen, produziert vom Bauern ihres Vertrauens.

Information über soziale Netzwerke

Auch Legehennen-Halter Klaus Köhler auch Dachtmissen kann die hohe Nachfrage nach Eiern aktuell kaum decken. „Normalerweise füllen wir unseren SB-Stand höchstens zweimal am Tag nach, seit Donnerstag müssen wir drei bis vier Mal neue Eier nachlegen.“

Der Vorteil der Direktvermarkter: Sie kennen viele ihrer Kunden, können bei Skandalen wie diesem schnell und direkt reagieren – im Gespräch, über soziale Netzwerke wie Facebook oder Informationsblätter, die überall dort ausliegen, wo ihre Eier verkauft werden. „Wir haben etliche Kunden-Gespräche geführt und sofort ein Schreiben verfasst, in dem wir darauf hinweisen, dass wir dieses Mittel zum Desinfizieren der Ställe nicht verwenden“, berichtet Christian Hartmann.

Kollege Jochen Hartmann aus Rettmer hat zudem umfassend auf seiner Facebook-Seite über die Hintergründe des Fipronil-Skandals informiert, die eigene Praxis der Stallreinigung und den Umgang mit Insektenbefall erklärt – und sich für die Eier-Versorgungslücke entschuldigt: „Wir haben nur so viele Hennen, wie wir bei normaler Nachfrage verkaufen können.“ Wie lange der Nachfrage-Boom anhält, wird wohl auch vom weiteren Verlauf und Ausmaß des Skandals abhängen. Landwirt und Hofladen-Betreiber Köhler macht sich allerdings nicht allzu große Hoffnungen. „Das ist ja nicht der erste Lebensmittel-Skandal, den wir erleben“, sagt er, „und normalerweise dauert das keine zwei Wochen, dann ist alles wieder vergessen und die Nachfrage normalisiert sich.“

Von Anna Sprockhoff