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Die Herderschule ist seit Jahren Dauerbaustelle. Angesichts steigender Schülerzahlen werden auch andere Schulen erweitert werden müssen. Foto: be
Die Herderschule ist seit Jahren Dauerbaustelle. Angesichts steigender Schülerzahlen werden auch andere Schulen erweitert werden müssen. Foto: be

Wo sollen all die Schüler hin?

Lüneburg. Oberbürgermeister Ulrich Mädge spricht von einem „Luxusproblem“. Eines, das viele andere Kommunen in Niedersachsen gerne hätten. In Lüneburgs Schulen gibt es zu wenig Platz, weil mit der Zahl der Einwohner auch die Zahl der Kinder zunimmt. 2733 Mädchen und Jungen lernten im abgelaufenen Schuljahr allein an den Grundschulen – neuer Rekord. Und der Trend reißt nicht ab. Stand heute werden 2019 im Sommer 723 Kinder eingeschult, es wäre der mit Abstand höchste Wert des Jahrhunderts. Und die Grundschulen sind nicht die einzige Bildungsbaustelle: Durch die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren muss in drei Jahren wieder ein zusätzlicher Jahrgang an den Gymnasien untergebracht werden. Die Folge: Fast überall muss angebaut werden.

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Klassen mehr gab es an den Lüneburger Grundschulen im vergangenen Schuljahr im Vergleich zum Schuljahr 1992/1993. Das ist quasi eine komplette vierzügige Grundschule.

Die Schulen sind in Lüneburg Dauerbaustellen. Schadstoffsanierung, Inklusion, Ausbau des Ganztagsangebotes – irgendwas ist immer. Doch nun stehen die Stadt und auch der Landkreis als Schulträger vor der besonderen Herausforderung, dass zu den insgesamt weiter steigenden Schülerzahlen ein kompletter Jahrgang ausgerechnet an den Gymnasien untergebracht werden muss. Eben dort ist Platz schon jetzt rar, weil der Trend zum Abitur weiter zugenommen hat und die Ganztagsangebote mit Mensa, Betreuungsräumen und allem, was dazugehört, weiter ausgebaut werden. Die Räume, die vor Jahren durch die Umstellung auf das Abitur nach zwölf Jahren frei wurden, werden längst anderweitig genutzt.

In Lüne und an der Igelschule wird gebaut

Bei der Stadt haben die Planungen für das Jahr, in dem der zusätzliche Jahrgang zurückkehrt, 2016 begonnen. Eine erste Antwort auf die Frage, wie das Problem gelöst werden soll, ist der neu aufgelegte Bildungsfonds, der unter anderem den Ausbau aller drei städtischen Gymnasien vorsieht, aber auch die Erweiterung von Grundschulen. In Lüne und an der Igelschule wird gebaut, hier macht sich in den nächsten Jahren noch mehr als bisher der Zuzug ins Hanseviertel bemerkbar. So müssten laut Verwaltung in Lüne vom Schuljahr 2019/2020 an stets weit mehr als 100 Kinder pro Jahr, zweimal gar mehr als 130, untergebracht werden. Die Schule soll deshalb auf eine Fünfzügigkeit wachsen. Container, wie sie heute noch in Lüne stehen, sollen bald der Vergangenheit angehören. Platz für einen Anbau sei auf dem Schulgelände ausreichend vorhanden.

Sollte die Kapazität dann immer noch nicht reichen, müsste die Stadt bei den Schulbezirksgrenzen nachjustieren. Parallel soll die Igelschule durchgehend vierzügig werden, hier sei genügend Platz für die Erweiterung hinter der Sporthalle. Sollte der Platz dann immer noch nicht reichen, wäre eine Erweiterung der St.-Ursula-Schule um einen Zug eine weitere Option. Für das Neubaugebiet Wienebüttel hingegen sei zunächst noch genug Luft in der Hermann-Löns-Schule. Mädge macht aber auch deutlich: „Bei all den aktuellen Planungen haben wir ja noch eine Unkonstante: Wir wissen nicht, wie sich die Zahl der Flüchtlinge entwickelt.“

Wie es genau an den Gymnasien weitergeht, soll eine Arbeitsgruppe mit erarbeiten, der Vertreter aus Politik und Verwaltung aus Stadt und Kreis angehören und die sich im September erstmals trifft. Erste Konzepte aber stehen schon:

Am Johanneum soll der neue Anbau, in dem seit Schuljahresbeginn die ersten Schüler lernen, aufgestockt werden. Voraussichtlicher Baubeginn ist 2018.

An der Herderschule soll die Aula abgerissen werden und an gleicher Stelle abgespeckt neu gebaut werden. In diesem Zuge sollen auch vier neue Unterrichtsräume entstehen. Puffer ist hier noch die Außenstelle an der Christianischule.

An der Wilhelm-Raabe-Schule gibt es keine Erweiterungschance, hier schielt Mädge auf das Postgelände, für das es Entwicklungspläne gibt. „Hier bräuchten wir etwa zehn Unterrichtsräume.“

In Oedeme ist der Anbau von sechs Unterrichtsräumen vorgesehen, zudem könne das Gymnasium weitere Räume der auslaufenden Förderschule an der Schaperdrift nutzen, verdeutlicht Martin Wiese, Fachbereichsleiter beim Kreis. Unklar ist noch, ob auch weiter Fachräume geschaffen werden müssen.

In Scharnebeck müssen wohl zwölf Unterrichtsräume angebaut werden.

In Bleckede sei hingegen kein Ausbau notwendig, hier reichen die Räume des Schulzentrums.

Ein weiteres Gymnasium oder eine dritte Gesamtschule zu bauen, seien aktuell keine Optionen. Doch auch so kostet das Programm viele Millionen. Mädge spekuliert auf eine andere Verteilung bei der Kreisumlage, hofft auf Hilfe von Bund und Land und sagt auch: „Den Bildungsfonds I haben wir durch die Erhöhung der Grundsteuer finanziert, das ist diesmal nicht vorgesehen. Doch zusammen mit dem Geld für den Kita- und Krippenausbau brauchen wir dafür zwei Millionen Euro pro Jahr über 30 Jahre. Da ist dann auch die Politik gefordert, ob sie in Schulen investieren will oder lieber Papier und Stadtentwicklungskonzepte finanziert.“

Von Alexander Hempelmann

4 Kommentare

  1. Was bitte ist eine „Unkonstante“? Unser OBUlli ist jetzt also auch als Schöpfer neuen Vokabulars tätig. Respekt!

  2. Interessante Zusatzinfo ….. aber ich denke die Politik wird das schon verschlafen… keine Angst. Unser größtes Kapital „Wissen“ und „Forschung“ wird Stück für Stück abgebaut.

    https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2017/juli/schueler-boom-zehntausende-zusaetzliche-lehrer-und-klassenraeume-notwendig/

  3. „…Ulrich Mädge spricht von einem „Luxusproblem“. Eines, das viele andere Kommunen in Niedersachsen gerne hätten.“
    Ja, lustig,oder Herr Mädge? Was haben wir wieder alle gelacht.
    Hauptsache ist, das Lüneburg – und damit gleichbedeutend- SIE wieder einmal beneidet werden.
    Denn SIE ,Herr Mädge, sind Lüneburg, oder?
    Nach all den Jahren ist ihr Selbstverständnis so narzistisch geworden, das nur SIE Lüneburg voran bringen könenn und niemand anderes.
    Ihre mögliche Abwahl bei einer Kommunalwahl würde einem Göttersturz gleichkommen oder wäre doch eine physikalische Unmöglichkeit!
    SIE, Herr Mädge, denken sie haben die Weisheit mit Großküchen-Suppenkellen gefuttert und alle anderen haben eh keine Ahnung.
    SIE wussten bei der Planung und dem Bau der neuen Wohngebiete durch ihren Arbeitgeber(die die nicht Bank heissen…) natürlich genau das die Kapazitäten der Schulen nicht reichen würden – haben es aber großmütig für sich behalten, um dann später noch energischer rum zu trommeln.

  4. Möglicherweise hier anbauen, dorthin ausweichen- ich kann es nicht mehr hören. Dann doch Container, weil keine Zeit mehr. 30 Kinder in einem Klassenraum , der auf 20 ausgelegt war. Unterricht mit so vielen Kindern- davon ein paar inklusiv, ein paar mit Aufmerksamkeitsstörungen- ist ein Zumutung für Lehrer und Schüler. Pendelei zwischen Kreideberg und Ochtmisser Kirchsteig, zulasten der Erholungspausen von Lehrern und Schülern. Ist ja nicht gerade nebenan.

    Warum ist der Neubau eines kompletten Gymnasiums da keine Option?
    Er ist längst überfällig !!!!
    Es wäre so schön, wenn die Lüneburger Politik endlich wach werden würde und nicht immer alles schiebt und schön rechnet.