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Noch rollt der Verkehr über vier Spuren, doch der Ausbau zur Autobahn ist in Sicht, dann können es im Moorfeld sechs Fahrstreifen werden. Foto: t&w

Bau der A39 rückt näher

Lüneburg. Der Bau der umstrittenen Autobahn A39 rückt näher, Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies geht davon aus, dass die Arbeiten in Lüneburg 2020 beg innen könnten. In einer Erklärung teilte sein Ministerium mit, dass „die überarbeiteten Pläne für den Teilabschnitt zwischen den Anschlussstellen Lüneburg-Nord (L216) und Erbstorfer Landstraße“ nun vorliegen.

Und weiter: „Dieser bislang vierstreifig geplante Teilabschnitt des 1. Planfeststellungsabschnitts wurde zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf einer Länge von vier Kilometern um einen sogenannten Verflechtungsstreifen je Fahrtrichtung ergänzt. Der Verflechtungsstreifen soll Auf- und Abfahrten auf die Autobahn leichter und sicherer machen. Anlass für die Erweiterung und Überarbeitung der Pläne waren neuere Untersuchungen, die in dem Bereich von einer höheren Verkehrsbelastung von bis zu fünf Prozent ausgehen.“

Verkehrsbelastung steigt erheblich

Erwartungsgemäß lehnt die Bürgerinitiative Lüne-Moorfeld die Pläne ab. Ihr Sprecher Jens-Peter Fiedler sagt: „Wir werten die Unterlagen jetzt mit dem Dachverband der Initiativen und unserem Rechtsanwalt aus.“ Ziel sei es, den Bau der Autobahn zu verhindern. Schon jetzt litten die Anwohner der Ostumgehung unter dem Verkehrslärm, der Bau der A39 werde noch mehr Krach mit sich bringen. Wenn die Unterlagen Ende August öffentlich ausgelegt werden, werde man Stellungnahmen und Einwendungen abgeben.

Während betroffene Anlieger den Autobahnbau ablehnen, hält ihn die Wirtschaft bekanntlich für erforderlich. Die Industrie- und Handelskammer befürwortet das Projekt seit Jahren und erwartet positive Impulse für die Betriebe in der Region.

Prognosen für einen deutlich steigenden Verkehr

Die Entscheidung für den sogenannten Verflechtungsstreifen, also eben sechs Fahrspuren, beruht auf Prognosen für einen deutlich steigenden Verkehr. Während aktuell täglich rund 42.000 Fahrzeuge über die Schnellstraße rollen, gehen Vorhersagen für die A39 für das Jahr 2030 von mehr als 65.000 Autos und Lastwagen aus.

Schon jetzt haben Anwohner Anspruch auf mehr Lärmschutz. Wie berichtet, waren die in den 1980er-Jahren angenommenen Verkehrsmengen um etwa das Doppelte deutlich überschritten worden. Daraus konnten Anwohner ihre Forderungen ableiten. Für die BI allerdings mit einem enttäuschenden Ergebnis, sagt ihr Sprecher Jens-Peter Fiedler. Man wolle aktiven Lärmschutz, also Schallschutzwände und Flüster­asphalt, doch die Behörden gewähren lediglich andere Fenster und Belüftungen für nun noch mehr betroffene Häuser. Fiedler sagt: „Das lehnen viele ab, weil es wenig bringt und die Leute beispielsweise selber für die Wartung der Lüftung aufkommen müssen.“

Das Wirtschaftsministerium hält trotz der Kritik an der A 39 fest. Minister Lies sagt: „Die A39 ist neben der A20 das wichtigste Autobahnprojekt des Landes und wird von uns mit Nachdruck vorangetrieben. An der Notwendigkeit und der Akzeptanz der A39 gibt es nichts zu rütteln. Von der Fertigstellung der A 39 wird ganz Niedersachsen profitieren.“

Vom Ablauf hat Hannover konkrete Vorstellungen: „Der Planfeststellungsbeschluss wird 2019 erwartet. Baubeginn könnte dann Ende 2020 sein. Die Planungen für die übrigen sechs Abschnitte bleiben baulich unverändert. Für den südlichsten Planungsabschnitt der A39 bei Wolfsburg werden der Planfeststellungsbeschluss Ende 2017 und der Baubeginn für 2018 erwartet. Für die beiden letzten Planungsabschnitte von Bad Bevensen, Uelzen bis Bad Bodenteich rechnen die Planer mit einem Baustart in 2023 beziehungsweise 2024.“

Von Carlo Eggeling

Stadt hält an Lärmschutz fest, Oberbürgermeister Ulrich Mädge:

„Der Tunnel im Moorfeld muss kommen“

„Ich bin froh, dass es jetzt mit der A39 weitergeht“, sagt OB Ulrich Mädge. „Unsere Forderungen nach bestmöglichem Lärmschutz für die Anlieger halten wir dabei weiter aufrecht und werden sie einbringen, wenn die Unterlagen ausliegen. Dazu gehört die Länge des Tunnels im Bereich Moorfeld. Unsere Position lautet, der Tunnel muss länger als die aktuell vorgesehenen 400 Meter sein. Weiter muss es eine Lärmschutzwand am Nordausgang des Tunnels geben, und der Lärmschutz auf Höhe der Siedlung an der Theodor-Körner-Kaserne muss gewährleistet sein. Wir werden uns aktiv beteiligen und dabei auch unseren Begleitausschuss zur A39 mit Vertretern der Bürgerinitiativen, der Umwelt- und Verkehrsverbände und der Ratsfraktionen hinzuziehen. Ich freue mich aber, dass Minister Lies sein Wort hält und dass es zügig vorangeht. Wir brauchen die Verbindung nach Süden – trotz der Schiene.“

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2 Kommentare

  1. Merkt euch mal alle die Aussagen und vor allem die genannten Jahreszahlen. In 5 Jahren könnt ihr dann hier noch mal vorbeikommen und darüber schmunzeln… 🙂

    Schade ist nur, dass alternative, nachhaltige und auch wirtschaftlich sinnvolle Mobilitätskonzepte währenddessen nicht umgesetzt werden können.

  2. Große Straßen ziehen Verkehr an. Wer sich also über die neue Autobahn freud, nimmt in Kauf, dass Lüneburg in zehn Jahren eine andere Stadt sein wird. Und das, trotz der aktuellen Diskussion bezüglich privater Individualverkehrs.

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