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Bunt und zünftig: Die „Holsteiner“ (vordere Reihe) und die Gruppe „Bow Rider“ mit ihren Pferden Baghira und Jack treten in diesem Jahr zusammen auf. Foto. ina

Großes Gaukeln am Bleckeder Schloss

Bleckede. Aus der Sicht der vielen anwesenden Kinder muss der Blick in frühere Zeiten beim Historischen Wochenende in Bleckede so bezaubernd wie verwirrend gewe sen sein: Statt eines lauten Fahrgeschäfts mit blinkenden Lichtern stand auf dem Schlossplatz ein altes Kettenkarussell aus Prag, das von dem zuständigen Mann mit einer Kurbel bewegt werden musste. Und anstelle eines Lichtgewehrs konnte man mit einem unhandlichen Gerät, das die Erwachsenen „Armbrust“ nannten, auf eine bunte Mauer schießen. Auch die meisten Leute sahen anders aus als sonst: Die Männer trugen eine Art Kartoffelsack oder Kutte, die Frauen lange Kleider mit weit ausgeschnittenem Oberteil.

Holzschwert, Met und Dudelsack

Überall wurde gehämmert, gesägt oder gehackt, Schmuck gefertigt, Feuer angezündet, Brot gebacken, und man konnte Holzschwerter kaufen. Richtig lustig waren die Geschichten von Immernochfrank, und spannend die Ritter mit ihren bunt bemalten Schildern.

Die Erwachsenen kämpften indes mit matschigen Schuhen und hungrigen Mägen. Die zu füllen, war allerdings leicht, da zahlreiche Essensstände Fleischmahlzeiten anboten und auch ein Crepe-Stand für leibliches Wohl sorgte. Einige männliche Besucher zogen offensichtlich mehr flüssige Nahrung wie Met aus Trinkhörnern, Guiness vom Fass oder die Traditionsbiermarke Kilkenny den festen Mahlzeiten vor.

Die siebenköpfige Mittelalter-Folkgruppe „Die Vertriebenen“ heizte indes mit Dudelsäcken und Trommeln auf der Bühne ordentlich ein, oben vorm Schloss brachten der Ire Brian MacCabe und sein Musikkumpan John F. Kanaka als gleichnamiges Duo mit zünftigen Trinkliedern und Balladen ordentlich Schwung unter so manche Gewandung. Ist es denn nicht anstrengend, von der Heimatstadt Lübeck aus jedes Wochenende von Markt zu Markt zu tingeln? Der Musiker MacCabe sieht das anders: „Wir sind doch die ganze Woche über zu Hause bei unseren Familien. Und wenn man kein Millionär werden möchte, kann man von diesem Job ganz gut leben.“

An den Buden wurde zünftig gefeilscht und auch die eine oder andere mittelalterliche Kostbarkeit mitgenommen. Besonders ins Auge stachen die Schnitzereien der Holzbildhauerin Annika Werner, die in ihrer Werkstatt bei Winsen unter anderem historische Türbalken mit exakt herausgearbeiteten Ornamenten fertigt.
„Wir sind wieder hochzufrieden“, erklärte der Mitorganisator der veranstaltenden „Marktvagabunden“ Michael Kolb. „An diesem Wochenende waren trotz des miesen Wetters am ersten Tag 25 Händler mit Buden, zehn Lagergruppen und rund 40 Zelte dabei – das sind an die 300 Teilnehmer.“

Von Ina Freiwald