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Frisches Gemüse gehört bei Köchin Meike Rieken dazu. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie in der Küche der Kita am Kreideberg. Foto: us

„Bio“ soll in Lüneburger Kitas freiwillig bleiben

Lüneburg. Regional und saisonal sei vernünftig, den städtischen Kitas in Lüneburg Bio-Essen aber verbindlich vorzuschreiben, das ging den meisten Mitgliedern de s Jugendhilfe-Ausschusses dann doch zu weit. Sie hatten sich mehrheitlich der Auffassung der Verwaltung angeschlossen, einem entsprechenden Antrag der Stadtratsfraktion der Linken nicht zuzustimmen. Die hatte gefordert, den Bio-Anteil bei den Kita-Mahlzeiten bis zum Jahr 2020 schrittweise zu erhöhen und die Mehrkosten von der Stadt tragen zu lassen.

Viele verschiedene Meinungen 

„Nachdem ich Ihren Vortrag gehört habe, weiß ich, dass ich leichten Herzens Nein sagen kann“, sagte Philipp Meyn zu den Ausführungen von Andrea Amri-Henkel (Linke), die bereits im Rat für ihren Antrag geworben hatte. Zwar war auch dort schon trefflich über das Thema gestritten, die Entscheidung darüber aber in den Fachausschuss verwiesen worden (LZ berichtete). Doch auch hier traf das Thema offenbar den Nerv mancher Ausschussmitglieder.

„Es gibt unglaublich viele verschiedene Meinungen zu diesem Thema, aber Sie sagen, wir machen es genau so. Wir sollten niemandem etwas aufzwingen“, empfahl der Ausschussvorsitzende Holger Nowak (SPD) der Runde und sprach damit auch der Verwaltung aus dem Herzen. Das wiederum wollte die Angesprochene nicht akzeptieren, ihr gehe es um Gerechtigkeit, ökologische wie gesundheitliche, sagte Amri-Henkel. „Bestimmte Beschlüsse sind außerdem notwendig, weil sie auf individueller Ebene nicht entschieden werden können.“ In ihrem Antrag hatte sie ab 2018 die Auftragsvergabe an Kita-Caterer ausschließlich mit „Bio“-Zertifizierung gefordert, ferner sollte ab 2019 eine Mindestquote von 50 Prozent Bio-Anteil vorgeschrieben sein, ab 2020 schließlich sollten nur noch tierische Produkte aus „artgerechter Tierhaltung“ verwendet werden. Ihre Forderungen untermauerte die Linke mit Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), sogar die UN-Kinderrechtskonvention bemühte sie.

Bio nicht grundsätzlich gut

Sozialdezernentin Pia Steinrücke beeindruckte das offenbar wenig, im Gegenteil: „Den Aussagen im Antrag, die Richtlinie werde bisher unzureichend umgesetzt und ökologische Kriterien spielten keine Rolle, wird deutlich widersprochen.“ Die DGE-Empfehlungen würden ohnehin in allen städtischen Einrichtungen mit eigener Küche berücksichtigt, und auch der von der Stadt beauftragte Caterer besitze längst „Bio“-Zertifizierung“. Außerdem gehe die Stadt mit dem in den Kitas gesetzten Schwerpunkt auf saisonale und regionale Erzeugnisse im Sinne der Nachhaltigkeit sogar über den Antrag noch hi­naus. Steinrücke: „Erdbeeren im Winter brauchen wir nicht.“

„Bio“ müsse nicht per se gut sein, gab Ernst Bögershausen von den Grünen zu bedenken: „Bio-Tomaten aus Spanien können viel belasteter sein als normale aus der Region.“ Gleichwohl sollten Kitas sich weiterhin an ökologischen Grundprinzipien orientieren.

Wenig Verständnis erhielt Amri-Henkel auch für ihr Ansinnen, den Kitas deren Zuständigkeit fürs Essen zu nehmen. Während Philipp Meyn von einer „ideologisch aufgeladenen Debatte“ sprach und das Subsidiaritätsprinzip gewahrt wissen wollte, sah Wolfgang Goralczyk (CDU) nicht die Stadt, sondern neben den Kitas vor allem die Eigenverantwortung der Eltern gefordert. Rückendeckung für den Antrag gab es lediglich von Susanne Neuhaus (Grüne): „Wir greifen als Stadt ja auch bei anderen Fragen wie bei der Fußgängerzone für die Bäckerstraße ein.“
Dem Beschlussvorschlag der Verwaltung, den Antrag abzulehnen, zugleich aber den Stadtelternrat zu dem Thema zu befragen, stimmten am Ende fünf Ausschussmitglieder zu, die Antragstellerin selbst, Susanne Neuhaus sowie zwei Vertreter des Stadtjugendrings stimmten dagegen.

Von Ulf Stüwe

3 Kommentare

  1. Lisschen Müller

    Schade, dass in diesem Artikel die Argumente für Bioessen gar nicht beleuchtet wurden.
    Dass unsere Kinder und Enkel auch noch mit den Ressourcen dieser Erde (wie z.B. fruchtbarer Boden) auskommen müssen, dass Bio-Ernährung automatisch saisonaler und resgionaler ist (weil es anders gar nicht bezahlbar ist), dass Kinder keine Pestizide und Antibiotika aus konventioneller Tiernahrung zu sich nehmen sollten… dass Bio-Lebensmittel in der Regel weniger CO2 verursachen und somit ein Beitrag zum Klimaschutz leisten…
    Könnte man ja auch mal erwähnen in einem neutralen Zeitungsartikel.

    Kompliment an die Antragsteller der Linken, dass sie sich für solche Themen trotz aller Widerstände einsetzen!

  2. Karlheinz Fahrenwaldt

    Es ist schon erstaunlich, dass die Ausschussmitglieder der SPD, CDU und ein GRÜNER sich für die Konditionierung der Kinder auf industriell erzeugte Nahrungsmittel entschieden haben statt die gesündest mögliche Nahrung ohne gespritztes Gemüse und mit Fleisch aus artgerechter Tierhaltung für die in der Entwicklung befindlichen Kinder vorzusehen und zu finanzieren. Die Fastfootketten werden es ihnen danken! Die jetzigen Mehrkosten für eine gesunde Ernährung sind mit Sicherheit niedriger als die später notwendigen Gesundheitskosten aufgrund von Fettleibigkeit oder ähnliches.

  3. Gleichwohl sollten Kitas sich weiterhin an ökologischen Grundprinzipien orientieren.
    na na, wenn da nicht bewusst ökologie mit ökonomie verwechselt wird. auch hier gilt, wer gut schmiert, der gut fährt. bio-tomaten müssen nicht aus spanien kommen.