Donnerstag , 18. Oktober 2018
Aktuell
Home | Lokales | Campylobacter: Fiese Durchfall-Bakterien
Schuld an Bauchkrämpfen und Durchfall können Campylobacter-Bakterien sein. Diese Durchfall-Erreger sorgen im Kreis Lüneburg in diesem Jahr für besonders viele Krankheitsfälle. Foto: nh

Campylobacter: Fiese Durchfall-Bakterien

Lüneburg. Sie verursachen Durchfall, Fieber, Bauchkrämpfe und Kopfschmerzen – und sorgen in diesem Sommer für besonders viele Krankheitsfälle im Landkreis Lüneb urg: Campylobacter-Bakterien. Bis Anfang August wurden dem Gesundheitsamt des Kreises bereits 107 nachgewiesene Infektionsfälle gemeldet – fast doppelt so viele wie im Vorjahr (59 Fälle). „Hinzu kommt eine erhebliche Dunkelziffer, denn längst nicht in allen Fällen wird eine Campylobacter-Infektion auch als solche erkannt“, erklärt Lüneburgs Kreissprecherin Katrin Holzmann. „Ist die Krankheit nachgewiesen, besteht Meldepflicht.“

Bei Campylobacter besteht Meldepflicht

Campylobacter sind in Deutschland nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die häufigsten bakteriellen Erreger von Durchfall-Erkrankungen. Infektionen erfolgen in der Regel über Lebensmittel, häufige Quellen sind unzureichend erhitztes und kontaminiertes Fleisch (vor allem Geflügelfleisch), Rohmilch-Produkte und Oberflächenwasser. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch kann über verschmutzte Hände vorkommen, auch eine Infektion über den Kot von Tieren ist möglich. „Als Hauptansteckungsquelle gelten aber kontaminierte Lebensmittel“, erklärt Holzmann. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis fünf Tage, in Einzelfällen ein bis zehn Tage.

Die häufigsten Symptome sind laut Robert-Koch-Institut Durchfall, Bauchkrämpfe, Fieber und Müdigkeit. Die Krankheit dauert in der Regel bis zu einer Woche und heilt gewöhnlich von selbst aus. In vielen Fällen überstehen Patienten die Krankheit, ohne dass sie als solche erkannt wird. Manche Infektionen verlaufen auch ganz ohne Krankheitszeichen.

Erfolgt der Nachweis, geschieht dies in den meisten Fällen über die Analyse einer Stuhlprobe – „und wird direkt vom Labor den zuständigen Gesundheitsämtern gemeldet“, erklärt Kreissprecherin Holzmann. Die wiederum nehmen Kontakt zum Patienten auf und befragen ihn zur etwaigen Infektionsquelle. „Arbeitet jemand mit Lebensmitteln, wird ein Tätigkeitsverbot verhängt, bis der Patient nachweislich Campylobacter-frei ist.“

Besonder viele Infektionen in 2017

Warum sich in diesem Jahr besonders viele Menschen mit den Bakterien infizieren, ist unklar. Auch 2014 und 2015 gab es mit 46 und 75 nachgewiesenen Fällen deutlich weniger Infektionen. Grund zur Beunruhigung sieht der Kreis allerdings nicht: „Die Erfahrung zeigt, dass es im Verlauf der Jahre immer mal wieder solche Spitzen gibt“, sagt Holzmann.

Und so kann man sich vor einer Infektion schützen: „Fleisch – vor allem Geflügelfleisch – immer vollständig durchgaren, vor allem auch beim Grillen“, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Marion Wunderlich. Rohmilch vom Erzeuger sollte immer abgekocht werden. Da die Bakterien auch in tiefgefrorenen Produkten überleben können, sollte Auftauwasser direkt entsorgt werden. „Alle Gerätschaften, die mit Fleisch in Kontakt gekommen sind, sind zudem sofort mit heißem Wasser und Spülmittel abzuwaschen, außerdem sollten getrennte Küchen-Utensilien für die Verarbeitung von rohem Fleisch verwendet werden.“

Da auch Lappen- oder Schwämme zur Überträgerquelle werden können, „sollten man bei der Reinigung von Küchen-Utensilien, die mit rohem Fleisch in Kontakt gekommen sind, lieber Einmal-Produkte wie Küchenpapier verwenden.“ Beim Umgang mit rohem Fleisch ist zudem häufiges und gründliches Händewaschen mit heißem Wasser und Seife wichtig. „Außerdem sollte man auch sonst – zum Beispiel nach dem Toilettengang – natürlich auf eine gute Handhygiene achten.“ Dazu gehört auch ein sorgfältiges Trocknen der Hände mit einem sauberen Tuch.

Von Anna Sprockhoff

Was ist Campylobacter? Weltweit verbreitete Bakterien

Als Campylobacter bezeichnet man eine Gattung spiralig geformter Bakterien, die ausschließlich in Gegenwart von Sauerstoff wachsen können. Es sind mehr als 20 verschiedene Arten bekannt. Die Bakterien sind weltweit verbreitet und haben ihren natürlichen Lebensraum im Darmtrakt vieler Wildtiere, Haustiere und Nutztiere, ohne dass diese krank werden.

Infiziert sich ein Mensch mit den Bakterien, wandern sie in die Darmschleimhaut und sondern dort ein Gift ab, das den Körper schädigt, Durchfall verursacht.