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Sie ist die Neue im personell aufgestockten Lüneburger Büro der Verbraucherberatung: Sabine Oppen-Schröder berät die Verbraucher nun gemeinsam mit Cornelia von Arnim im neuen Domizil an der Schröderstraße 16. Foto: phs

Verbraucherberatung als Unterstützung für den Käufer

Lüneburg. Sie wurde an ihrer Haustür überrumpelt, sie sollte für einen besseren Fernsehem­p­fang einen kostenlosen Receiver bekommen – bekam sie auch, allerding s schloss die Lüneburgerin gleichzeitig einen Vertrag über zusätzliche Leistungen ab, die mehr TV-Sender und das Fernsehen in HD-Qualität umfassten. Der Vertrag lief 24 Monate und würde sich um weitere zwölf bei nicht fristgerechter Kündigung verlängern.

Mit dem Receiver konnte sie nichts anfangen, öffnete nicht mal den Karton, in dem auch die Vertragsunterlagen wie Auftragsbestätigung und Widerrufsbelehrungen waren. Erst als die ersten Rechnungen über monatlich fast 20 Euro kamen, versuchte sie, den Vertrag zu kündigen. Doch der Anbieter schaltete auf stur. Sie suchte Hilfe bei Cornelia von Arnim bei der Verbraucherberatung Lüneburg, die sich mit dem Anbieter in Verbindung setzte. Der Vertrag wurde sofort aufgehoben.

Wo hilft die Verbraucherberatung?

Nur einer der Fälle des Lüneburger Büros, das jetzt seinen Jahresbericht für 2016 vorgestellt hat: Es gab 1664 Verbraucherkontakte, darunter in 1137 Fällen eine Fach- und Rechtsberatung, in 527 Fällen halfen schon Kurzinfos und Verweise an andere Stellen. Die Zahlen liegen nur leicht unter denen von 2015. Damit hatte Cornelia von Arnim reichlich zu tun, die jetzt nicht nur Verstärkung erhalten hat.

Seit dem 1. Mai ist Sabine Oppen-Schröder als zweite Beraterin aktiv. Das Duo wirkt nun in neuen, etwa 60 Quadratmeter großen Räumen an der Schröderstraße 16, das Domizil an der Wallstraße war auch für neue Pläne zu klein geworden, Oppen-Schröder: „Der neue Standort im ersten Obergeschoss ist barrierefrei und über einen Aufzug gut zu erreichen.

In den modernen Einzelbüros können sich Verbraucher dann ungestört zu sensiblen Themen wie Krankenversicherungen oder Privater Altersvorsorge beraten lassen. Wir erweitern unser Beratungsspektrum. Und wir starten zudem noch in diesem Jahr ein Projekt für den ländlichen Verbraucherschutz, bei dem der Video-Chat eine wichtige Rolle spielt.“

2016 dominierten erneut die Themenbereiche Verbraucherrecht (35,1 Prozent der Fälle) und Energie (33,3 Prozent) die Arbeit im Lüneburger Büro, gefolgt von Telekommunikation/Internet (12,2), Private Altersvorsorge/Geldanlage (7,4), Gesundheit und Versicherung (je 4,2) sowie Immobilienfinanzierung (3,6).

Telefonanbieter gehören zum Tagesgeschäft

„Die Telefonanbieter gehören zu unserem täglichen Geschäft“, sagt Sabine Oppen-Schröder und nennt das Beispiel einer 80-jährigen Lüneburgerin: „Sie wollte ihrem Enkel Gutes tun und schloss für ihn einen Handyvertrag mit ihrer Kontonummer ab.“ Der Enkel aber schien das auszunutzen: „Von ihrem Konto wurden teilweise Summen von 100 oder 120 Euro oder noch mehr abgebucht. Die Frau versuchte mehrfach, beim Anbieter die Abbuchungen vom Konto des Enkels vornehmen zu lassen. Erfolglos.“ Als dann eine „horrende Rechnung über 420 Euro“ kam, ging die Seniorin zur Verbraucherberatung: „Wir lösten das einvernehmlich mit dem Anbieter.“ Die Frau zahlt nichts mehr.

Ein neues Phänomen beschäftigt die neuen Beraterinnen mehr und mehr: Fake-Shops im Internet. Diese haben oft eine professionelle Aufmachung und bieten Markenprodukte zu besonders günstigen Preisen an. Der Käufer zahlt dort per Vorkasse, geliefert wird jedoch gefälschte, mangelhafte oder gar keine Ware. Sabine Oppen-Schröder: „Die Betreiber haben es darauf angelegt, dem Verbraucher das Geld aus der Tasche zu ziehen. Angeboten werden etwa Schuhe, Kleidung und elektronische Geräte.“

Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken

Ihr Tipp: „Bei diesen Internetseiten erst einmal aufs Impressum schauen: Gibt es keines – Finger weg. Enthält das Impressum beispielsweise eine chinesische oder andere ominöse Postfachadresse – Finger weg.“

Nicht enden wollen die Klagen über nervende Werbeanrufe und Gewinnspiele. Laut der Verbraucherschützerin „wird von den anrufenden Firmen unterstellt, die Verbraucher hätten bereits einen Vertrag mit ihnen abgeschlossen und fordern deshalb mit Nachdruck Geld“. Hier empfiehlt Sabine Oppen-Schröder: „Nicht voreilig zahlen, sondern entweder die Gegenseite selbst schriftlich fragen, welche rechtliche Grundlage sie sieht, oder sich bei uns beraten zu lassen.“

Und bei den Gewinnspieldiensten verweist ihre Kollegin Cornelia von Arnim auf das seit 2013 geltende Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken, das Anti-Abzock-Gesetz: „Verträge über Gewinnspieldienste werden nur dann wirksam, wenn sie schriftlich, per Fax oder E-Mail geschlossen werden.“

Von Rainer Schubert

Hintergrund: Widerrufsrecht

Im Juristendeutsch heißen sie inzwischen „Außergeschäftsraumverträge“: die Haustürgeschäfte, die sich längst nicht mehr auf Zeitschriften-Abos beschränken, zunehmend beschäftigen die Verbraucher hier Energieversorgungs- und Telekommunikationsunternehmen, die Verträge direkt an der Tür oder auf der Straße abschließen.

Viele „Kunden“ bereuen schnell ihren Abschluss. Cornelia von Arnim weiß: „Viele wissen nicht, dass es auch bei solchen Geschäften ein Widerrufsrecht gibt. Wie bei Kaffeefahrten gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Hier konnten wir schon einigen helfen, bei ihnen war die Frist noch nicht abgelaufen.“ Bei den Energieversorgern ist ihr aber kein Fall von Anbietern mit Büros in Lüneburg bekannt.

Öffnungszeiten: Die Anlaufstelle

Die Beratungsstelle in ihrem neuen Büro an der Schröderstraße 16 (1. Stock) ist montags und donnerstags von 10 bis 13 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet, dienstags von 10 bis 14 Uhr. Beratungen finden auch mittwochs und freitags statt, allerdings nur unter vorheriger Terminvereinbarung unter der Rufnummer (04131) 44957.

Erreichbar sind die beiden Beraterinnen auch über ihre Homepage. Sie beraten zu Verbraucherrecht, Telefon und Internet, zu Banken und Riester-Verträgen sowie Versicherungen. Weitere Spezialisten beantworten Fragen zu Altersvorsorge/Geldanlage, Immobilienfinanzierung, Urheberrecht sowie zum Bereich Bauen und Energie.