Aktuell
Home | Lokales | Pflegekräfte sind Mangelware
Pflegekräfte haben nicht nur auf der Intensivstation einen verantwortungsvollen Job mit vielfältigen Aufgaben. Das Problem vieler Krankenhäuser, frei werdende Stellen gar nicht mehr besetzen zu können, hat das Lüneburger Klinikum noch nicht. foto. t&w

Pflegekräfte sind Mangelware

Lüneburg. Krankenhäuser in Deutschland suchen hände­ringend Pflegekräfte auf Intensivstationen. Mehr als die Hälfte der Kliniken (53 Prozent) hatte nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) im Herbst 2016 Probleme, Pflegestellen neu zu besetzen. Bundesweit seien inzwischen 3150 Stellen nicht besetzt. Ein Problem, das das Lüneburger Klinikum so drastisch nicht kennt.

Allerdings hätten sich die Rahmenbedingungen für den Beruf der Pflegekräfte in den vergangenen Jahren erheblich verändert, sodass es schwieriger sei, Mitarbeiter zu gewinnen, sagt Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums.

Anforderungen in den vergangenen Jahren gestiegen

„Wenn eine Pflegekraft kündigt, und das gilt nicht nur für die Intensivstation, schalten wir eine Anzeige. Die Stelle ist dann zeitweise vakant und wir arbeiten übergangsweise mit Leiharbeitsfirmen zusammen “, macht Dr. Moormann deutlich. Noch vor ein paar Jahren sei man in einer komfortableren Situation gewesen. Da hätte man einfach auf einen Stapel von Bewerbungen zurückgreifen und die Stelle umgehend neu besetzen können.

Gründe für den Mangel an Pflegekräften sieht er schon bei der Nachwuchs-Rekrutierung. Früher habe es fünf bis sechs Bewerbungen auf einen der 120 Plätze der Krankenpflegeschule gegeben. Inzwischen seien es nur maximal zwei Bewerber, die eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege anstrebten.
Die Ursache? „Der Beruf hat sich gewandelt. Während sich die Pflegekraft früher mit viel Zeit um den Patienten kümmern und sich auch dessen Sorgen und Nöte anhören konnte, muss Pflege heute wie in einem Getriebe funktionieren. Der gesetzliche Rahmen gibt vor, dass Medizin wirtschaftlich, angemessen, notwendig und zweckmäßig sein muss.

Das steht im Kontrast zum Berufsethos all derer, die im medizinischen Bereich tätig sind: nämlich eine optimale Versorgung des Patienten.“ Heutzutage müsse eine Pflegekraft wie auch ein Arzt deutlich mehr Patienten pro Zeit versorgen als vor zehn Jahren. Hinzu komme, dass die Dokumentationspflicht immens gestiegen sei. Ungeachtet dessen, dass es schwieriger wird Pflegekräfte zu finden, will der Gesetzgeber nun sogenannte Personalanhaltszahlen einführen. Danach soll zum Beispiel auf der Intensivstation eine festgelegte Anzahl von Pflegekräften für einen Patienten verpflichtend sein.

Angebote etwa zur Kinderbetreuung schaffen

Die Refinanzierung müsste über die gesetzlichen Krankenversicherungen laufen. Doch das ist nicht geklärt, derzeit erhalten Kliniken sogenannte Fallpauschalen pro Behandlungsfall, „die Vorhaltung von Personal zur Sicherstellung solcher Personalschlüssel wird nicht refinanziert“, sagt Dr. Moormann. An Stellschrauben gedanklich zu drehen, sei ja ganz schön, doch dann müsse auch die Finanzierung auf neue Beine gestellt werden.

Zudem konterkarierten die Stellenschlüssel für Pflegekräfte auch sämtliche Anstrengungen im eigenen Haus, die Pflegekräfte von bestimmten Aufgaben zu entlasten, damit sie sich auf den Patientenkontakt und die Aufgaben zur Betreuung der Patienten vor und nach der Operation und vieles mehr konzentrieren können. So übernehmen zum Beispiel Mitarbeiter der Service Plus Lüneburg GmbH, die unterm Dach der Gesundheitsholding firmiert, den Transport von Patienten, es gibt Menü-Assistenten für die Essenversorgung, das Tablettenstellen übernehmen Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) des Klinikums.

Der Klinik-Chef sieht aber auch Chancen, wieder mehr Pflegekräfte zu gewinnen: „Dazu müssen wir den Beruf wieder attraktiver machen. Unter anderem für unsere Angebote zur Kinderbetreuung oder Teilzeitmöglichkeiten wurden wir mit dem Fami-Siegel für familienfreundliche Unternehmen ausgezeichnet. Da der Beruf auch körperlich anstrengend ist, setzen wir im entstehenden Erweiterungsbau auch verstärkt auf Hilfsmittel wie etwa Patientenlifter.“ Zudem habe man viel in die Schulung von Mitarbeiterführung investiert – für wertschätzenden Umgang und Teamfähigkeit. Denn eine offene, faire und konsequente Führung sei die Basis dafür, die Potenziale von Mitarbeitern zu nutzen.

Von Antje Schäfer