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Sie stehen kurz vor dem Ziel ihrer Reise: Jan Martin Ahlers (li.) und Natalie Knöchelmann (r.) alias Sir Otto III und Jane the Viking. Der polnische Polizist Thomas (m.) nahm die beiden in seinem Auto mit nach Zgon in Polen. Foto: ahlers

Tramprennen: Für den guten Zweck von Lüneburg nach Litauen

Lüneburg. Vergangenes Jahr ging es in die bulgarische Bergstadt Tsigov Chark, jetzt steht als Ziel Mindunai in Litauen auf dem Programm für Jan Martin Ahlers. Der 30-Jährige nimmt an einem besonderen Wettkampf teil: ein Tramprennen für den guten Zweck. Ähnlich wie bei einem Sponsorenlauf an Schulen soll bei dieser Rallye Geld zusammenkommen. „Wir unterstützen damit die Wasser-Initiative Viva con Agua und Pro Asyl“, sagt der Lüneburger.

LZonline wird ihn, seine Teampartnerin Natalie Knöchelmann (26) und Maskottchen Otto für die kommenden zwei Wochen begleiten. Per WhatsApp geben Sir Otto III und Jane the Viking, wie sich das Duo für die Rallye nennt, aktuelle Standorte und Erlebnisberichte durch. Auf einer digitalen Landkarte (siehe unten) lässt sich ihre Route damit bis zum 2. September hier verfolgen.

Tramprennen startet in Lüneburg und Erfurt

Rund 120 Teilnehmer in 53 Teams treten an. Sie starten in Lüneburg und Erfurt auf verschiedenen Routen in Zweier- und Dreier-Teams innerhalb von zwei Wochen auf sechs Etappen zum litauischen Baltieji-Latakai-See. Auf der Internetseite der Initiative heißt es: „Dem Organisationsteam des gemeinnützigen Vereins Club of Roam – Autostop! e.V. geht es aber nicht nur um erlebnisreiche Wochen mit ungeplanten Abenteuern und vielfältigem kulturellen Austausch. Ihr Ziel ist auch die Verknüpfung von Spaß und Engagement.“ Und so bitten die Teilnehmer Verwandte, Bekannte oder jeden anderen, der sich engagieren möchte, um finanzielle Unterstützung. Vergangenes Jahr kamen gut 18 000 Euro zusammen.

Darf auf der Reise nicht fehlen: Maskottchen Otto der Kaktus. Foto: ahlers

Auch wenn Jan Martin Ahlers inzwischen ein erfahrener Autostopper ist, bleibt der Sicherheitsaspekt beim Tramprennen in seinem Blickfeld. Ahlers: „Ich würde generell nicht alleine trampen und auch niemandem dazu raten.“ In einer Lagebesprechung gehen die Organisatoren mit den Teilnehmern am Starttag nützliche Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen durch. „Es gibt zudem keine gleichgeschlechtlichen Teams.“

Den Rest erledige dann die eigene Menschenkenntnis, weiß Ahlers. Er habe noch keine negativen Erlebnisse gemacht und wisse auch von niemand anderem der Teilnehmer. „Das ist ja einer der Aspekte, warum ich überhaupt teilnehme: Täglich lese ich in der Zeitung schlechte Nachrichten — dabei verlernt man, an ein Miteinander und gegenseitiges Wohlwollen zu glauben. Diese Tour gibt mir das Urvertrauen zurück.“

Wichtige Reise-Utensilien: Pappe und Textmarker

Ob und wie schnell Autofahrer anhalten, um die zwei aufzulesen, kann im Vorfeld niemand prophezeien. Da komme es eben nicht zuletzt auch auf die richtige Strategie an. Länger als zwei Stunden warte man nie an einem Ort, berichtet Ahlers. „Und wenn doch, muss man irgendwie auf sich aufmerksam machen: Seifenblasen, Kostüme — oder man überdenkt tatsächlich noch einmal seinen Zielort und schreibt ein neues Pappschild.“ Nach jeder Etappe gibt es übrigens einen Ruhetag, damit auch gewährleistet ist, dass jedes Team das Tagesziel einhalten kann.

In fremde Länder zu reisen ist für Ahlers, der in einem Hamburger Unternehmen als Projektmanager beschäftigt ist, nichts Ungewöhnliches. Nur der Komfort ist hier ein anderer. Und weil die Begeisterung für diese Form minimalistischen Reisens so groß ist, hat er sich für das Tramprennen zwei Wochen Urlaub genommen. Weitere Unterstützung seiner Chefs: Auch sie überwiesen bereits einen Obolus.

Von Carlo Eggeling und Julia Drewes

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