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Der Lärm an der Ostumgehung nervt die Anwohner. Sie sehen Grenzwerte überschritten. Viele wünschen sich ein Tempolimit. Auch darum dürfte es bei einem Erläuterungstermin gehen. Foto: A/t&w

Ringen um den Lärmschutz

Lüneburg. Die Wünsche sind groß, was geboten wird, kommt manchem Anwohner als eher gering vor: Lärmschutz an der Ostumgehung. Eben das dürften Bürger am Montag, 21. August, 17 Uhr zum Thema machen. Der Landkreis hat Betroffene aus dem Stadtteil Lüne-Moorfeld zwischen Ilmenau-Brücke und Erbstorfer Landstraße zu einem sogenannten Erläuterungstermin in die Industrie- und Handelskammer eingeladen. Sie können dann Einwände und Anregungen vorbringen, wie sich die Situation an der Schnellstraße verbessern könnte. Vertreter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr stellen vor, was sie an Untersuchungen zusammengetragen haben und wie sich Verkehrsmengen und Lärm in den kommenden Jahren bis 2030 voraussichtlich entwickeln werden. Schon jetzt ist klar: Für die Bürgerinitiative Lüne-Moorfeld passiert zu wenig.

Wenig Hoffnung für Betroffene

Wie berichtet, haben Anwohner Anspruch auf zusätzlichen Lärmschutz. Die ursprünglichen angenommenen Verkehrsmengen sind um mehr als das Doppelte überschritten worden, daraus hatte sich für Bürger die Möglichkeit eines neuen Planfeststellungsverfahren ergeben. Zunächst hatten die Behörden auf den Bau der geplanten Autobahn A 39 und entsprechenden Schutz verwiesen. Doch als mit deren Bau bis Juli 2015 nicht begonnen wurde, begann eben das neue Verfahren.

„Letztlich passiert nichts. Wer im Garten sitzt, hat es auch nicht leiser.“
Jens-Peter Fiedler, BI Lüne-Moorfeld

Aus dem „Prognosehorizont Ostumgehung“ des Straßenbauamtes ergibt sich, dass für mehr Menschen im Moorfeld Schutzmaßnahmen infrage kommen. In dem Papier heißt es: „Die derzeit in diesem Bereich vorhandenen aktiven Lärmschutzmaßnahmen wie Lärmschutzwälle, Lärmschutzwände und leisen Fahrbahnbeläge sind zur Einhaltung der Grenzwerte nicht ausreichend. Zusätzlich zu den bisher bereits vorhandenen Gebäudeseiten bzw. Etagen, an denen ein Anspruch auf passive Lärmschutzmaßnahmen besteht, sind weitere Gebäudeseiten oder Etagen mit Grenzwertüberschreitungen hinzugekommen.“

Doch viel Hoffnung sollten sich Betroffene nicht machen. Denn die Behörde schreibt auch: Die Kosten der Schutzmaßnahmen „dürfen nicht außer Verhältnis zu dem angestrebten Schutzzweck stehen. Hierbei ist neben dem Umfang der betroffenen Etagen einer Gebäudeseite auch der Planungsstand zum Bau der A 39 zu berücksichtigen. Zusätzliche aktive Lärmschutzmaßnahmen durch z.B. Lärmschutzwände scheiden auf Grund dieser Situation aus. Auch eine Erhöhung der Lärmschutzwälle, die eine Beseitigung des vorhandenen Bewuchses zur Folge hätte, scheidet hier aus.“

BI und Stadt weiter für Tempolimit

Jens-Peter Fiedler von der BI Lüne-Moorfeld sagt: „Letztlich passiert nichts.“ Denn aus der Vorlage des Straßenbauamtes ergebe sich nur passiver Lärmschutz, also dickere Fenster und Lüftungen. Die wollten aber viele nicht, weil sie unter anderem Strom- und Wartungskosten selber tragen müssten. „Und wer im Garten sitzt, hat es dadurch auch nicht leiser.“
Seit Jahren fordert die BI in ihrem Bereich ein Tempolimit: 80 km/h für Autos, 60 km/h für Lastwagen. Da ist sie mit der Stadt auf einer Linie. Ihr Sprecher Daniel Gritz betont, dass die Verwaltung weiter dafür eintritt. Das Verkehrsministerium in Hannover hatte die Geschwindigkeitsbegrenzung bekanntlich abgelehnt – die Leichtigkeit des Verkehrs habe Vorrang, die Lärmreduzierung sei minimal.

Im Kreishaus sagt Kreisrätin Sigrid Vossers, man könne die Wünsche der Bürger verstehen, die würden im Verfahren auch aufgenommen und rechtlich geprüft. Doch wie am Ende entschieden werde, sei offen.

Wann und was passiert, bleibt offen. Denn erst kürzlich hatte Wirtschaftsminister Olaf Lies verkündet, er gehe davon aus, dass mit dem Bau der A 39 im Jahr 2020 begonnen wird. Dann könnte alles ganz anders werden: Wie berichtet, wünscht sich die Stadt Lüneburg quasi einen Deckel über der Straße und zusätzliche Lärmschutzwände. Aber auch da gibt es Streit: Die Stadt will mehr als das, was die Planer bauen wollen.

Von Carlo Eggeling