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Hinter Marie-Louisa Sebastian aus Rehlingen liegt ein ereignisreiches Jahr als 68. Amelinghausener Heidekönigin.

Ehemalige Heidekönigin Marie-Louisa Sebastian blickt zurück

Rehlingen. Einmal im Leben wie eine richtige Prinzessin behandelt zu werden – davon träumen viele Mädchen. Schicke Kleider tragen, dazu eine K rone auf dem hübsch frisierten Kopf. Reden halten, dabei auf einer Bühne vor Hunderten Menschen stehen. Zahlreiche Fotoshootings und das eigene Lächeln auf den Titelseiten der Tageszeitungen. Als Repräsentantin der eigenen Gemeinde auf verschiedenen Bällen: Marie-Louisa Sebastian aus Rehlingen durfte all das ein Jahr lang erleben – als 68. Amelinghausener Heidekönigin. Am Sonntag steht die Wahl ihrer Nachfolgerin an. Für die 19-Jährige geht damit ein ereignisreiches Jahr zu Ende.

Eigentlich wollte Marie-Louisa Sebastian früher immer Heidebock werden. „Aber das geht ja nicht als Mädchen“, erzählt sie lachend am heimischen Küchentisch in Rehlingen. Dorthin ist die 19-Jährige vor einem Jahr gezogen, vorher lebte sie 18 Jahre lang in Amelinghausen. Heidekönigin zu werden sei eigentlich nie ihr Plan gewesen. „Ich war auch nie im Hofstaat als Prinzessin oder Hofdame.“ Kurz vor der Königinnen-Wahl im letzten Jahr habe sie ihr Kumpel, der amtierende Heidebock Aljoscha Lehmann, dann gefragt, ob sie nicht seine Königin sein wolle. „Da habe ich mir erstmal meine Schwester geschnappt und sie gefragt, wie es für sie war.“ Denn Schwester Lara-Sophie trug den Königinnen-Titel drei Jahre zuvor. „Durch sie habe ich hautnah miterlebt, was auf einen zukommt.“ Zwei Tage und einige Überlegungen später fand sich Marie-Louisa Sebastian schließlich auf der Bühne am Kronsberg in Amelinghausen wieder. Auf ihrem Kopf: die lilafarbene Heide-Krone.

Rund 80 Termine bundesweit

An die Aufregung vor der Entscheidung erinnert sich Sebastian noch genau. „Wir Mädels waren so nervös, haben versucht, uns gegenseitig zu beruhigen. Als dann mein Name von der Jury genannt wurde – das war ein unglaublicher Moment.“ Ab da folgte ein ereignisreiches Jahr für die junge Heidekönigin. Rund 80 Termine hat sie bundesweit wahrgenommen, darunter Königinnenfeste, Schützen- und Feuerwehrbälle, oder die Grüne Woche in Berlin. Begleitet wurde sie auf ihren Reisen stets von ihren Betreuerinnen Petra Hoja und Mareike Witte ebenso wie von ihrem Hofstaat, bestehend aus zwei Prinzessinnen und sechs Hofdamen im Alter von fünf bis zehn Jahren. „Das war teilweise alles sehr viel, aber ich bin immer gerne losgefahren.“

Wenn Marie-Louisa Sebastian nicht gerade auf Terminen als Repräsentantin der Samtgemeinde Amelinghausen und der Lüneburger Heide unterwegs ist, schreibt sie Hausarbeiten und lernt für Klausuren, denn sie studiert im dritten Semester Grundschulpädagogik mit der Fächerkombination Germanistik und Evangelische Theologie in Lüneburg. Nebenbei arbeitet sie in einem Lüneburger Fitnessstudio, besucht dort selbst auch Sportkurse. „Ansonsten gehe ich gerne shoppen, treffe Freunde, reise oder lese.“ Ihre aktuelle Abendlektüre: die Bibel. „Die muss ich fürs Studium lesen“, erzählt Sebastian, in deren Privatleben der Glaube ebenfalls eine Rolle spielt. „An irgendetwas sollte man glauben, das gibt Halt. Ob das jetzt Gott ist oder etwas anderes, ist doch egal.“

„Es war toll, im Rampenlicht zu stehen“

Marie-Louisa Sebastian hat im vergangenen Jahr ein „königliches Leben“ hinter sich. Zahlreiche Autogrammkarten hat sie in dieser Zeit unterschrieben, ebenso viele Reden gehalten. Sie hat Fanpost aus ganz Deutschland bekommen, interessante Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen, Erinnerungen gesammelt. „Es war toll, im Rampenlicht zu stehen. Ich bin dankbar, dass ich das alles erleben durfte. Aber jetzt ist es auch schön, sich mal keine Gedanken machen zu müssen, wie man aussieht oder was man sagt.“ Denn in all der Zeit habe es nicht bloß erfreuliche Artikel oder Fotos über sie gegeben. „Es lastet auch ein ganz schöner Druck auf einem. Das kann man erst nachvollziehen, wenn man es selbst erlebt hat“, weiß Sebastian jetzt.
Auf den kommenden Sonntag blickt Marie-Louisa Sebastian mit gemischten Gefühlen. Denn da wird sie ihre lilafarbene Heide-Krone der nächsten Königin überreichen – und somit einem weiteren Mädchen den Traum vom Prinzessinendasein erfüllen.

Von Patricia Luft