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Am Ende hebt „Frida von Finkenwerder“ doch noch ab, fliegt zu einer nahe dem Airbus-Werk gelegenen Insel im Naturschutzgebiet Neßsand. Foto: ix/nh

Geretteter Seeadler hebt im Airbus-Werk ab

Nindorf/Hamburg. Starts und Landungen sind im Airbus-Werk in Hamburg Finkenwerder nichts Ungewöhnliches. Zahlreiche Transportmaschinen und fertig montierte Pers onenflugzeuge heben hier täglich ab. Das 360 Hektar große Areal direkt an der Elbe ist aber auch Heimat für viele andere fliegende Zeitgenossen. Unter anderem leben hier zwei Seeadler-Pärchen. Eines der Weibchen hatte kürzlich eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit einem Artgenossen. „Wir haben den Vogel völlig entkräftet und erschöpft am Außendeich des Werks an der Elbe entdeckt“, berichtet Stefan Nowak, Vogelschlagbeauftragter bei Airbus in Hamburg. Schnell war klar: Ohne fremde Hilfe hätte der Seeadler keine Überlebenschance gehabt und wäre verendet. Nowak handelte sofort. Es gelang ihm, das verletzte Tier einzufangen und auf direktem Weg in die Greifvogel-Auffangstation im Wildpark Lüneburger Heide in Hanstedt-Nindorf zu bringen.

„Der Adler hatte tiefe Stichverletzungen in der Brust, die aus einem Kampf mit einem anderen Adler stammen mussten“, erinnert sich Wildpark-Falkner Michael Kirchner. „Anfangs sahen die Überlebenschancen nicht gut aus. Das Tier war extrem apathisch und stand offensichtlich unter Schock. Sein Kreislauf war kurz vor dem Zusammenbruch“, so Kirchner. Der Falkner handelte sofort: Mit schmerzstillenden Mitteln und Entzündungshemmern wurde der Vogel stabilisiert und dann behutsam aufgepäppelt. Nach ein Paar Tagen kehrte der Überlebenswille in das etwa vier Jahre alte Seeadler-Weibchen zurück. Von da an ging es mit der Genesung schnell bergauf. Schon nach 14 Tagen war der Vogel wieder gesund und sollte in die Freiheit entlassen werden. Allerdings nicht irgendwo, sondern genau an dem Ort, an dem Stefan Nowak ihn verletzt aufgefunden hatte.

Zögerlicher Weg in die Freiheit

Als der Tag der Auswilderung gekommen war, traute „Frida von Finkenwerder“ – so hatte Nowak das Adlerweibchen getauft – dem Ganzen anfangs gar nicht. Als Kirchner die Tür der Transportkiste öffnete, machte „Frida“ keine Anstalten, einen Schritt in die Freiheit zu tun. Mit freundlichem Zureden machte der Vogel einen Satz aus der Kiste und landete gleich wieder auf der Asphaltstraße, die das Airbus-Werk zwischen Deich und Elbe umgibt. Dann doch der Moment, auf den alle gewartet hatten: Mit zwei, drei kräftigen Flügelschlägen erhob sich der Adler in die Luft, flog auf das nahe gelegene Naturschutzgebiet Neßsand zu, eine Insel in der Elbe zwischen dem Alten Land und Blankenese, und war bald außer Sicht.

„Dieser Moment, wenn ein ehemals verletzter Vogel erfolgreich wieder ausgewildert werden kann, ist immer sehr erhebend“, sagt Kirchner, der jedes Jahr in der Greifvogel-Auffangstation im Wildpark zusammen mit seinen Kollegen zwischen 50 und 80 verletzte Vögel betreut. Auch Stefan Nowak freut sich über die erfolgreiche Rettung des Seeadler-Weibchens. In seiner Funktion als Vogelschlagbeauftragter, auf Neudeutsch „Birdstrike Manager“, sorgt er bei Airbus dafür, dass „die lebendigen Vögel nicht gegen die aus Blech fliegen“, wie er es beschreibt. „Hierzu gibt es zahlreiche Maßnahmen – eine davon ist es, das Gelände für Vögel nahrungstechnisch unattraktiv zu machen“, sagt Nowak „und dazu gehört unter anderem die Jagd auf Kaninchen, die sich bei uns ebenfalls sehr wohl fühlen“. Zu seinen Aufgaben gehört aber auch die kontinuierliche Erfassung des Vogelbestandes. „Wir zählen jede Woche alle Vögel ab Taubengröße aufwärts“, berichtet Nowak. Demnach tummeln sich auf dem riesigen Gelände derzeit rund 50 Vogelarten, allein an Sturmmöwen sind es etwa 3000 Tiere. ix/nh