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Sein Handy kann Thomas Mörsch in Lüneburg nicht nutzen, er konnte in den hiesigen Shops keine Prepaid-Karte kaufen. Der gebürtige Lüneburger lebt in Kanada, ist nur einige Wochen zu Besuch, für seine Freunde nun aber nicht erreichbar. Foto: ap

Anti-Terror-Gesetz: Kein Anschluss ohne Adresse

Lüneburg. Thomas Mörsch kommt aus Lüneburg, als Student ist er gemeinsam mit der Familie seiner Frau ausgewandert. Seit 38 Jahren lebt er in Kanada. Jedes Jahr kehrt der 61-Jährige jedoch für zwei bis drei Wochen in seine alte Heimat zurück. Damit Freunde und Verwandte ihn auch erreichen können, kauft er sich stets eine Prepaid-Karte. Das geht nun nicht mehr, das Anti-Terror-Gesetz, das Union und SPD Mitte 2016 mit einer Übergangsfrist von 12 Monaten beschlossen haben, ist inzwischen in Kraft getreten. Bedeutet: Wer eine Prepaid-Karte kaufen will, muss seinen Ausweis samt Anschrift vorlegen. Doch was macht ein Deutscher, der im Ausland lebt?

Der deutsche Ausweis genügt nicht 

Der gebürtige Lüneburger hat etliche Läden in der Bäckerstraße, die Prepaid-Karten verkaufen, abgeklappert. Vor einem Jahr noch, er war im August zu Besuch, war das kein Problem. Da hatte er einfach die Adresse seines in Lüneburg lebenden Bruders angegeben. Jetzt konnte er sogar dessen Führerschein vorzeigen, doch das genügte dem Angestellten eines Shops nicht. „Er sagte mir, mein Bruder müsse persönlich vorbeikommen. Das geht nur leider nicht, er ist schwer krank.“ In einem anderen Laden schlug man Thomas Mörsch gar vor, zum Bürgeramt zu gehen und sich in Lüneburg zu melden. „Das geht doch zu weit“, moniert er.

Sein deutscher Pass genügte nicht, darin ist keine Anschrift vermerkt. Mörsch wollte seinen Führerschein samt kanadischer Adresse vorzeigen. „Doch den wollte man nicht sehen.“ Auch im Online-Verifizierungsprozess sei er auf Hürden gestoßen: Kanada habe er als Land im Adressfeld eingeben können, nicht aber die Postleitzahl. Deshalb sei auch dieses Verfahren nicht erfolgreich gewesen.

Einzige Option: Verzicht auf Telefon und Erreichbarkeit

Thomas Mörsch versteht nicht, wie so etwas passieren kann. „Ich falle als Deutscher, der im Ausland lebt, komplett durch die Maschen“, sagt er. Ihm bleibe nun nichts anderes übrig, als auf Telefon und Erreichbarkeit zu verzichten. Würde er das Handy mit seiner SIM-Karte aus Kanada einschalten, würde er erhebliche Roaming-Gebühren zahlen.

Die LZ hat bei einigen Anbietern nachgefragt, sie bestreiten, dass so etwas passieren kann. So heißt es bei Vodafone, dass sich Personen mit deutschem oder auch kanadischem Pass in jedem Vodafone Shop sowie per Video-Ident für die Aktivierung einer Prepaid-Karte legitimieren lassen könnten. Da der Reisepass keine Wohnortdaten enthalte, müsste der Kunde fehlende Daten mündlich mitteilen. Einen speziellen Nachweis fordere man jedoch nicht an.

Dabei sind die Anbieter jetzt per Gesetz dazu verpflichtet, eine Adresse aufzunehmen und diese auch zu verifizieren. Da­rauf weist auch Katja Hauß von Telefónica hin. „Wir benötigen ein gültiges Ausweisdokument und beispielsweise die Adresse des Hotels, in dem sich der Kunde in Deutschland aufhält.“ Eine Adresse aus dem Ausland könne aber nicht angegeben werden. „Diese können wir nicht verifizieren.“

Anti-Terror-Gesetz ändert Identifikation

Mit dem Anti-Terror-Gesetz habe sich die Identifikation geändert. „Es schreibt vor, dass wir die Daten aufnehmen und in der Zentrale prüfen lassen.“ So müsse auch eine Kopie des Ausweises erstellt werden. Für die Anbieter sei das kompliziert und ein erheblicher Aufwand, erklärt die Telefonica-Pressesprecherin Katja Hauß.

Auch Rüdiger Kubald, Pressesprecher der freenet AG, zu der beispielsweise auch mobilcom debitel zählt, kann sich nicht erklären, was in dem Fall von Thomas Mörsch passiert ist. „Der Reisepass und die Adresse, wo man im Land anzutreffen ist, sind ausreichend. Ich kann es mir nur so erklären, dass unser Shop-Betreiber in Lüneburg die Info aus der Zentrale entweder nicht gelesen oder ignoriert hat. Ich werde da nochmal das Gespräch suchen.“

Von Anna Paarmann

Zum Hintergrund: Anti-Terror-Gesetz

Das Gesetz, das am 1. Juli in Kraft getreten ist, soll für mehr Sicherheit sorgen. Es zählt zu den Maßnahmen, die nach den Anschlägen in Brüssel und Paris ergriffen wurden. Es verbietet den Verkauf anonymer Prepaid-Karten. Zwar mussten Mobilfunk-Unternehmen auch im Vorfeld Namen und Anschrift des Käufers erheben, allerdings gab es Schlupflöcher.

So konnten Prepaid-Telefone auch unter falschem Namen erworben werden. Durch die anonyme Nutzung war eine Nachverfolgung in Ernstfällen nicht möglich.

2 Kommentare

  1. Norbert Kasteinecke

    Wo ist da das Problem?
    Ich schicke ihm gern eine Prepaidkarte.

  2. Verstehe ich auch nicht. Irgendjemand seiner Freunde wird ihm doch wohl eine Prepaidkarte spendieren können?