Aktuell
Home | Lokales | Kindesmissbrauch und Betrug: Ex-Sportvereinschef auf der Anklagebank
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Betrug vor. Zudem soll der 33-Jährige den jungen Sohn seiner Freundin missbraucht haben. Foto. A/be

Kindesmissbrauch und Betrug: Ex-Sportvereinschef auf der Anklagebank

Lüneburg. Er missbrauchte den neunjährigen Sohn seiner Freundin und war im Besitz kinderpornografischen Materials. Zudem betrog er die Mitglieder des Sportvereins, den er selbst gegründet hatte und dessen Vorsitzender er war. Er bezahlte fällige Rechnungen nicht, beispielsweise rund 1100 Euro für die Unterbringung von jungen Vereinsmitgliedern in der Jugendherberge Lüneburg.

Und er präsentierte dem Leiter einer Grundschule, in der er als AG-Leiter wirkte, ein falsches Führungszeugnis – eines, in dem er eine Vorstrafe getilgt hatte. Davon ist die Staatsanwaltschaft Lüneburg überzeugt.

Kindesmissbrauch, Betrug, Urkundenfälschung 

Sie wirft dem heute 33 Jahre alten Mann aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg schweren sexuellen Kindesmissbrauch, den Besitz von kinder- und jugendpornographischen Schriften, Betrug und Urkundenfälschung vor. Der Prozess gegen ihn beginnt am Mittwoch, 23. August, vor der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg.

Die Anklage geht von zwei Schwerpunkten aus, der erste bezieht sich auf Sexualstraftaten. In fünf Fällen soll der junge Sohn seiner Freundin im Sommer 2015 das Opfer gewesen sein, mit dem er sich in einem Fall vor dem Missbrauch gemeinsam Pornofilme angesehen haben soll.

Bei einer Durchsuchung fanden Beamte im September 2015 mehr als 1100 kinder- und jugendpornographische Dateien bei dem Mann. Gerichtssprecher Dr. Nicolas Uwe Vollersen sagt: „In einem zweiten Fall hat der Angeklagte anderen den Besitz kinderpornografischer Dateien verschafft, in dem er mindestens 700 solcher Dateien auf einer einschlägigen Tauschbörse zum Download freigegeben habe, sodass es zu über 27 000 Downloads gekommen sei.“

Der zweite Schwerpunkt befasst sich mit den Betrugsdelikten, für die der 33-Jährige bereits im November 2016 vom Amtsgericht Dannenberg zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt wurde. Dagegen legte er Berufung ein, das wird nun gemeinsam mit den neuen Vorwürfen verhandelt.

Angeklagter bereits in Fulda verurteilt

Dem Schöffengericht des Amtsgerichts Dannenberg mit dem Vorsitzenden Richter Detlev Saffran hatte sich die Geschichte so dargestellt: Der Angeklagte war seit 2010 in mehreren Verfahren bereits wegen Betrugs sowie Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie in Fulda verurteilt worden. Als er in den Raum Lüchow-Dannenberg kam, gründete er im Januar 2014 seinen Sportverein, der schnell mehrere Dutzend Mitglieder fand, sogar eine Landesmeisterschaft des Niedersächsischen Sportbogenverbandes ausrichtete. Die Vereinsmitglieder wurden misstrauisch, wunderten sich etwa über die „sensationell niedrigen Beiträge“, so Richter Saffran, und darüber, wie der Verein etliche Anschaffungen bezahlen konnte. Die Erklärung des Angeklagten: Der Verein habe eine Spende über 15 000 Euro erhalten.

Die Betrügereien wurden laut Gerichtssprecher Vollersen kaschiert: „Er hatte laut Anklage die Unterschrift seines Großvaters auf Überweisungsträgern gefälscht und so Überweisungen in Höhe von insgesamt etwa 1800 Euro auf das Konto seines Sportvereins im Landkreis Lüchow-Dannenberg veranlasst. Darüber hinaus soll der Angeklagte zwei weitere Betrugstaten zugunsten jenes Vereins begangen haben, indem er trotz Zahlungsunfähigkeit Waren im Wert von etwa 3100 Euro bestellt und überdies eine Jugendherberge für einen Betrag von rund 1100 Euro gebucht haben. Für die erfolgte Lieferung bzw. für den vertragsgemäß gewährten Aufenthalt seien keine Gegenleistungen erbracht worden.“

Mann darf nicht mit Kindern arbeiten

Der Angeklagte hatte sich auch als Übungsleiter für ein sportliches Nachmittagsangebot in mehreren Grundschulen angeboten. In einem Fall, so das erst­instanzliche Urteil, hatte er einem Schulleiter die Kopie eines echten Führungszeugnisses vorgelegt – auf der Kopie allerdings hatte er eine Vorstrafe verschwinden lassen. Denn ein Urteil von damals sagte klar: Der Mann darf nicht mehr mit Kindern arbeiten.

Den von dem Angeklagten gegründeten Sportverein gibt es nicht mehr, die damaligen Mitglieder haben längst einen neuen Verein gegründet.
Die Jugendkammer des Landgerichtes hat neun Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte am 28. September gesprochen werden.

Von Rainer Schubert