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Blues-Legende Abi Wallenstein bringt seine Zuhörer bei der Musikmeile in Barnstedt zum Mitsingen und Mittanzen. Foto: ada

Musikmeile Barnstedt: Ein Dorf und sein Festival

Barnstedt . Man nehme reichlich handgemachte Musik, eine ordentliche Portion Engagement, ein gemeinsames Ziel und eine Prise Sonnenschein – fertig ist das Grundr ezept der 4. Barnstedter Benefiz-Musikmeile. Genau damit trafen die Barnstedter auch in diesem Jahr wieder den Geschmack der Gäste: Etwa 5000 Besucher kamen, um bei Musik, Theater, Tanz und Leckereien die Flüchtlingsarbeit in der Samtgemeinde Ilmenau zu unterstützen.

Sensibilisierung für Situation von Flüchtlingen

Sonnabend, 11 Uhr: Es ist mucksmäuschenstill in der kleinen Kapelle des Gutshofes, dann erhebt Jacoub Ibrahim seine Stimme. Er liest aus dem von ihm verfassten Manuskript, liest die Geschichte seiner Flucht aus dem Sudan. Es sind authentische Worte, ungeschönt und ohne Schnörkel. Sie berühren, die Zuhörer und auch Marc Hagen Westphal, der die deutsche Übersetzung liest. „Es ist sehr bewegend, und ich bin sehr nah am Wasser gebaut. Meine größte Angst war, dass ich anfange zu weinen“, sagt Westphal später.

Die Leute zu berühren, sie für die Situation der Flüchtlinge zu sensibilisieren, das ist ein Ziel der Barnstedter Musikmeile. Die Musiker verzichten auf ihr Honorar, eingenommene Spenden werden zugunsten der Flüchtlinge in der Region eingesetzt. „Unser Schwerpunkt wird dieses Jahr sein, die Geflüchteten in der Aufnahme von Arbeit und Ausbildung zu unterstützen“, sagt Jens Thomsen, Hauptorganisator der Musikmeile. Dann schwingt er sich auf sein Fahrrad, es gibt noch das ein oder andere zu organisieren an den neun Bühnen im Dorf.

Große Gefühle: Jacoub Ibrahim liest aus dem Manuskript über seine Flucht aus dem Sudan. Die Geschichte berührt auch Marc Hagen Westphal, der die deutsche Übersetzung vorträgt. Foto: ada

Musik und Festival der speziellen Art

Rund 50 Musik-Acts verwandeln das Dorf an diesem Tag in ein Festivalgelände der speziellen Art. Auf der Hauptbühne bringt Blues-Legende Abi Wallenstein die Zuhörer zum Tanzen, während sich Max Wulff ein paar Hundert Meter weiter auf seinen Auftritt vorbereitet. Er wird zum ersten Mal bei der Musikmeile auftreten, unter anderem Piano und afrikanische Harfe spielen. „Ich bin sehr beeindruckt, dass eine Dorfgemeinschaft solch ein Event auf die Beine gestellt bekommt. Ich möchte mit meinem kleinen Beitrag auch etwas dazu beisteuern. Meine Lehrer waren Afrikaner, die mich in die afrikanische Musik eingeführt haben und mit meinem Auftritt möchte ich eine kleine Rückzahlung geben“, sagt Wulff.

Dass sich das Mitmachen immer lohnt, weiß auch Astrid Münder, die gleich mit zwei Musikgruppen auftritt. Mit ihrer Band „Drei macht Eins“ spielt sie Rock- und Popklassiker, mit „A Mano“ bringt sie dagegen afro-karibische Klänge auf die Bühne und war bereits bei der letzten Musikmeile dabei. „Die Atmosphäre ist total schön, die Musik, dass man endlich mal wieder was von den lokalen Bands hört, und es macht Spaß, für den guten Zweck zu spielen“, sagt sie, wenige Minuten vor ihrem ersten Auftritt.

Musikmeile eine Initiative von Nachbarn

Ob Solosänger, Orchester, Rockband oder Jazz-Künstler; ob in einer Werkstatt, einem Garten, dem Kuhstall oder auf dem Gutshof – mehr Vielfalt geht nicht. Auf den Spielmannszug folgt iranischer Pop, auf Folklore afrikanischer Tanz. „Die Bühnen sind Grundstücke von Menschen, die hier leben. Die Musikmeile ist keine Firma, es ist eine Initiative von Nachbarn“, sagt Thomsen, sichtlich stolz auf sein Barnstedt. „Es läuft supergut. Alle Parkplätze sind voll, das ist für uns immer ein Indikator, dass unsere Ziele erreicht sind.“

Zumindest für dieses Jahr, denn, so viel sei verraten, auch 2018 soll es wieder eine Musikmeile geben. „Ich glaube, wir werden gar nicht anders können, als weiterzumachen. Schon jetzt sprechen uns viele Menschen an, und ich denke, es wird ein nächstes Mal geben. Alleine schon deshalb, weil sich die Situation für Flüchtlinge eher verschlechtert als verbessert, und wir noch mehr helfen müssen“, so Thomsen. Und während die Band „Höhen und Tiefen“ in „Ankes Garten“ ihr letztes Lied anstimmt, radelt er schon wieder davon, auf zum nächsten Zwischenstopp.

Von Anke Dankers

One comment

  1. Liiebe Frau DANKERS. Ihr Artikel über das Barnstedter event trifft den Kern, inhaltlich und stimmungsmäßig.
    Ich war da mit Freundinnen und habe alles sehr genossen. Es wäre schön, wenn auch die
    Sammelbehältnisse reichlich Inhalt hätten.