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Prof. Dr. Torsten Kurcharzik mit Silke Niemann, bei der erst nach vielen Jahren Zöliakie diagnostiziert wurde. Für die Lüneburgerin bedeutete das einen langen Leidensweg.

Glutenfreie Ernährung — die einzige Chance bei Zöliakie

Lüneburg. Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beruht. Schätzun gsweise ein Prozent der Bevölkerung ist von dieser Erkrankung betroffen. „Oft wird sie erst spät nach den ersten Symptomen diagnostiziert, was eine lange Leidensphase für Betroffene bedeutet“, sagt Prof. Dr. Torsten Kucharzik, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie am Klinikum. Um Betroffene und Interessierte über das Krankheitsbild und eine konsequent glutenfreie Ernährung zu informieren, bietet die Klinik in Kooperation mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) ein Arzt-Patienten-Seminar am Mittwoch, 23. August, von 17 bis 19 Uhr im Hörsaal des Klinikums an.

Massive Bauchscmerzen und Blähungen

Silke Niemann (52) wurde vor zwei Jahren Mitglied der DZG, damals war bei ihr endlich Zöliakie diagnostiziert worden. Doch hinter ihr lagen bereits 13 Jahre mit schlimmen Symptomen. Angefangen habe es nach der Geburt ihres dritten Kindes, erzählt die Lüneburgerin. „Ich hatte massive Bauchschmerzen mit Blähungen. Mein Bauch war total aufgebläht. Ich habe mich dann hingelegt, Wärmflasche auf den Bauch und abgewartet, bis die Symptome wieder nachließen.“ Dazu seien regelmäßig schwere Infekte gekommen, es habe jedes Mal Wochen gedauert, „bis ich wieder auf die Beine gekommen bin“.

Im Rahmen einer Blutuntersuchung sei eine Anämie (Blutarmut) festgestellt worden. Anschließend wurde eine Magen- und Darmspiegelung gemacht. „Das war ohne Befund. Die Feingewebeprobe sollte dann zu meinem Hausarzt gehen.“ Die Ergebnisse hätten sie aber nie erreicht. Warum, das lasse sich im Nachherein schwer rekonstruieren. Fakt sei aber, dass in dem Bericht bereits die Diagnose Zöliakie stand. Doch das erfuhr sie erst 13 Jahre später. Jahre, in denen sie immer wieder mit den Symptomen zu kämpfen hatte. „Inzwischen hatte ich einen neuen Arbeitgeber, einen Arzt.

Diagnose Zöliakie

Dem fiel auf, dass ich aufgrund meines Blähbauches oft nur im Stehen arbeiten konnte. Ich berichtete ihm über die Gründe.“ Der Mediziner veranlasste, dass erneut Laborwerte erstellt wurden. Erneut eine Darmspiegelung, bei der eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen wurde. Endlich die Diagnose Zöliakie. „Ich habe mir dann von dem Facharzt den Befund der ersten Magenspiegelung schicken lassen. Damals lautete das Ergebnis bereits Zöliakie.“

Bei Zöliakiebetroffenen führt die Zufuhr von Gluten, das in allen Getreidearten und damit in vielen Lebensmitteln vorkommt, zu einer Entzündung in der Darmschleimhaut. Die Folge: Die Zotten – das sind die vielen Falten im Darm, über die die Nährstoffaufnahme erfolgt – bilden sich zurück. Da sich die Oberfläche des Dünndarms verringert, können nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden. „So entstehen Nährstoffdefizite und entzündliche Prozesse, die eine Reihe von starken Beschwerden auslösen können“, erläutert Prof. Kucharzik. Im Zuge einer glutenfreien Ernährung normalisiere sich der Darm wieder komplett.

Ernährung komplett umgestellt

Silke Niemann suchte nach der Diagnose eine Ernährungsberatung auf, stellte ihre Ernährung um, so dass die Symptome verschwanden. Allerdings hat sie auch die Erfahrung gemacht: „Die geringste Verunreinigung kann zu schlimmen Rückfällen führen.“ Kommen klitzekleine Krümel glutenhaltiger Produkte in ihre Nahrung, reagiert ihr Körper massiv. „Das bedeutet für unsere Familie, dass ich meinen eigenen Toaster und Mixer brauche. Dass der Backofen gereinigt werden muss, bevor ich dort das glutenfreie Brot für mich backe.“ Während man das zu Hause gut in den Griff bekommen könne, sei es aber zum Beispiel schwierig, auswärts essen zu gehen.

Prof. Kucharzik wird gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Maaser, Leiter Ambulanzzentrum Gastroenterologie, beim Arzt-Patienten-Seminar über die Diagnostik und Therapie der Zöliakie referieren, dabei auch eine Abgrenzung zu anderen Dünndarm­erkrankungen – insbesondere den chronisch entzündlichen – vornehmen. Dr. Uta Schniewind, Kindergastroenterologin am Ambulanzzentrum des Klinikums, stellt Aspekte zur Behandlung der Zöliakie im Kindesalter vor.

Über das Leben mit glutenfreier Ernährung informiert Simone Krotz von der DZG. Sie gibt auch Einblicke in die DZG-App, mittels derer unter anderem glutenfreie Lebensmittel, Kosmetikprodukte und Arzneimittel gefunden werden können wie auch Adressen von Hotels, Restaurants, Kliniken und Kur­einrichtungen mit glutenfreien Angeboten. Im Anschluss an die Vorträge ist Zeit für eine Fragerunde.

Von Antje Schäfer

One comment

  1. Stefanie Luttenberger

    Habe discoiden Lupus würde glutenfreies essen helfen?