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Gerhard Hartz (l.) und Andreas Bessler sind die Sprecher der Bürgerinitiative Grünfläche Lüneburg. Im Juni 2016 erläuterten sie der LZ bei einem Ortstermin, warum die BI gegen die Bebauung der Fläche Auf den Sandbergen ist. Foto: A/us

Wendezeichen auf den Sandbergen

Lüneburg. Der Druck auf die Stadt war enorm: Als sich im Herbst 2015 abzeichnete, dass die Flüchtlingswelle kurzfristig auch Lüneburg erreichen wi rd, mussten dringend Unterkünfte her. Eines der Areale, auf denen Gebäude entstehen sollten, war das Gelände Auf den Sandbergen. Es wurde für das Grundstück, das noch als Ausgleichsfläche und Naherholungsgebiet ausgewiesen ist, ein Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan gefasst, dem alle Fraktionen bei einer zustimmten. Kippen will den Beschluss jetzt die dortige Bürgerinitiative – und kann sogar auf Unterstützer in der Politik hoffen.

Verwaltung sieht Fläche als Teil eines Konzepts

„Als Fraktionsvorsitzender und Bauausschussvorsitzender stehe ich zu den Aussagen meiner und auch aller anderen Parteien im Wahlkampf, dass das Gebiet an den Sandbergen nicht bebaut und seine zukünftige Verwendung im Stadtentwicklungskonzept festgeschrieben werden soll“, sagt Niels Webersinn, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, auf LZ-Nachfrage zu der Haltung seiner Fraktion auf die Bitte der Bürgerinitiative. Doch das, was angeblich „alle Parteien“ gefordert haben, klang im Oktober 2015 noch anders. Alle Fraktionen hatten in der betreffenden Bauausschusssitzung dem Aufstellungsbeschluss zugestimmt, lediglich Ulrich Löb (Grüne) hatte sich der Stimme enthalten.

„Die Situation heute ist eine andere als noch vor zwei Jahren“, sagt Gerhard Hartz, Sprecher der „Bürgerinitiative Grünfläche-Lüneburg“. Seit längerem setzt sie sich dafür ein, dass die Grünfläche zwischen dem Betriebsgelände der KVG an der Dahlenburger Landstraße und dem Wohngebiet In den Kämpen erhalten bleibt, besser noch endlich den Zustand erhält, der im bestehenden Bebauungsplan 81 aus dem Jahr 1994 festgeschrieben ist: die Schaffung eines Waldstreifens als Lärmschutz gegen den Betrieb auf dem KVG-Gelände.

Weil aber Gespräche mit der Stadt nicht fruchteten, hat die BI sich an die Politik gewandt. In einem Schreiben an die Ratsfraktionen heißt es: „Angesichts der entstandenen, entspannteren Situation bitten wir Sie, den Antrag der Rücknahme des Aufstellungsbeschlusses vom 15.10.2015 in den Rat zu geben.“

„Es ist richtig, dass die Bürgerinitiative sich in dieser Angelegenheit an uns als SPD-Ratsfraktion gewandt hat. Wir haben ihr mitgeteilt, dass wir ihren Wunsch in der Fraktion beraten werden und uns dann zurückmelden“, sagt SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Salewski.

Auch Ulrich Blanck, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sichert der BI Prüfung zu. Deren Begehren sei „akzeptabel“. „Für uns war auch nur eine temporäre Bebauung nur zu diesem Zweck akzeptiert“, sagt Blanck, der einräumt, dass seine Fraktion mit dem Aufstellungsbeschluss „von Anfang an große Bauchschmerzen“ gehabt habe.
Einen anderen Weg, Wohnen und Natur unter einen Hut zu bringen, zeigt Michèl Pauly, Fraktionschef der Linken, auf. Er schlägt vor, dass die KVG mit Umstellung auf Elektrobusse auf die andere Seite der Dahlenburger Landstraße umzieht, dorthin, „wo vor Ort erneuerbare Energien erzeugt werden“. Die freigewordene Fläche könnte „unter Beibehaltung eines großen grünen Gürtels mit Wohnraum bebaut werden“. Diese Idee sei auch bei Anliegern und der BI auf Interesse gestoßen.

#„Schwierigkeiten wegen der Kessellage der Lüneburger Innenstadt“ sieht inzwischen auch Birte Schellmann (FDP) durch den Aufstellungsbeschluss. Zwar hatte auch sie diesem seinerzeit zugestimmt, weil die Stadt nachfolgend aber erklärt habe, das Areal nicht nur für Flüchtlingsunterkünfte nutzen zu wollen, sondern dort dauerhaft sozialen Wohnungsbau zu schaffen, möchte die Fraktionschefin zunächst das in Aussicht gestellte Klimaschutzgutachten für die Stadt abwarten. „Auf dieses Klimagutachten warten wir noch immer und werden die Entscheidung erst dann treffen oder einen Antrag stellen, wenn dieses vorliegt.“

Von der BI ungefragt signalisiert auch AfD-Fraktionschef Prof. Dr. Gunter Runkel Unterstützung für deren Anliegen: „Wir stellen uns hinter die Bürgerinitiative.“
Zu der Frage, ob der gefasste Aufstellungsbeschluss überhaupt ohne Weiteres aufgehoben werden kann, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck: „Rein rechtlich ist vieles möglich, aber die Frage ist doch: Was ist sinnvoll?“

Der Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans ziele darauf ab, Unterkünfte für Asylbewerber unterbringen zu können und zudem den verbleibenden Grüngürtel zu sichern. „Die Fläche ist Teil eines durchdachten Konzepts, um Flüchtlinge dezentral im Stadtgebiet unterzubringen“, sagt Suzanne Moenck. Die Stadt Lüneburg sei mit diesem Konzept bislang gut gefahren. „Und angesichts der aktuellen Flüchtlingsentwicklung wäre es leichtfertig, eine Fläche he­rauszunehmen.“

Von Ulf Stüwe