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Der Verkehr rauscht und donnert über die Ostumgehung. Doch zusätzliche Lärmschutzwände sollen nicht gebaut werden. Anwohner reagieren enttäuscht. Foto: t&w

Kein Tempolimit für die Ostumgehung in Sicht

Lüneburg. Bislang hatten im Moorfeld 28 Häuser Anspruch auf passiven Lärmschutz, nach einer neuen Prognose sind es 59. Das ist im Kern das Ergebnis eines Erläuterungstermins, bei dem die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr auf Einladung des Landkreises als sogenannte Planfeststellungsbehörde erläuterte.

Für aktiven Lärmschutz, das heißt beispielsweise neue Schutzwände an der Ostumgehung, sehe man in der Abwägung zu Kosten und Verbesserung keine Möglichkeit. Rund 50 Bürger waren am Montagabend in die Industrie- und Handelskammer gekommen, um sich zu informieren.

Mehr Verkehr als zu Bauzeiten gedacht

Der Hintergrund ist bekannt: Als die Umgehungsstraße in den 1980er-Jahren geplant wurde, waren die Planer von deutlich weniger Verkehr ausgegangen. Heute rollen dort mehr als 40 000 Fahrzeuge täglich, doppelt so viele, wie damals prognostiziert wurde. Daraus ergab sich, dass Bürger Anspruch auf zusätzlichen Schutz vor dem Krach besitzen, sofern nicht bis Juni 2015 mit dem Bau der A 39 begonnen würde. Das geschah nicht, die Verwaltung musste nacharbeiten.

Dirk Möller, Chef des Straßenbauamtes, und seine Mitarbeiter erklärten, dass Grundlage der ursprüngliche Planfeststellungsbeschluss sei. Aufgrund des zunehmenden Verkehrs wurde nun ein neues Szenario entworfen. Danach könnten, wie berichtet, bis 2030 mehr als 60 000 Autos und Lkw über die Umgehung rollen. Das bedeutet: mehr Lärm und mehr Betroffene, nämlich Menschen, die weiter von der Straße entfernt wohnen.

Wenig Begeisterung seitens der Anwohner

Die Vertreter des Straßenbauamtes betonten, der Anspruch bestehe unabhängig vom Bau der Autobahn. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Eigentlich. Denn die Planer haben die Kosten im Blick, und da sie davon ausgehen, dass die Autobahn doch gebaut wird, hätte aktiver Lärmschutz eben nur eine kurze Lebensdauer – zu teuer für kurze Zeit. Und zum Teil technisch kaum machbar, weil Wände sehr hoch gezogen werden müssten, dafür fehle es an Platz. Zudem gebe es schon offenporigen Asphalt, der den Krach minimiere. Dessen Zustand sei gut, eine Erneuerung aktuell nicht geplant.

Anwohner und einer ihrer Anwälte waren wenig angetan von den Aussagen: Der Lärm sei gesundheitsgefährdend, dickere Fenster und Lüftungsysteme entsprächen nicht dem Stand der Technik, auf Kosten für die Wartung bliebe man sitzen. Entscheidender Punkt für die Nachbarn: Ein Tempolimit könnte ohne große Kosten verhängt werden. Die Position vertrat auch Volker Schulz, Leiter des Umweltamtes der Stadt. Er forderte Aussagen dazu, warum eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h für Autos und 60 km/h für Lkw in den Papieren des Straßenbauamtes nicht erwähnt wurden. Der Landkreis als Planfeststellungsbehörde möge das berücksichtigen.

Wann geht es los?

Rechtsanwalt Michael Günther zweifelte zudem die Lärmwerte an. Das Amt gehe von 1,6 dB (A) aus, er komme auf 4,1 dB (A). Einfach gesagt kritisiert Günther, dass das Amt einen falschen Zeitraum für die Prognose des anstehenden Lärms gewählt habe.

Die Anwohner reagierten zudem skeptisch auf die Aussagen der Behörde, dass mit dem Autobahnbau bald begonnen werde. Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies hatte in Hannover kürzlich verkündet, 2020 könne es in Lüneburg losgehen. Die Autobahnkritiker hielten dem entgegen, dass es Klagen gegen die A 39 geben werde.
Die Folge seien lange Verfahren durch mehrere Instanzen – und das bedeute, dass sie so lange mit Lärmschutz „light“ leben müssten. ca

One comment

  1. Denn die Planer haben die,, Kosten im Blick,,, und da sie davon ausgehen, dass die Autobahn doch gebaut wird,
    es darf gelacht werden. kosten für wen? für die wirtschaft, oder für die bürger?