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Der Deich bei Radegast an der Elbe könnte in Zukunft weichen. Angedacht ist eine Ausdeichung von mindestens 100 Hektar, damit soll der Elbe im Hochwasserfall mehr Raum gegeben werden. Foto: t&w

Radegast: Erste Untersuchungsergebnisse für Deichrückverlegung

Radegast. Seit Mai 2016 ist es offiziell: Das Land Niedersachsen will den Hochwasserschutz an der Elbe verbessern – und hat dafür auch eine Deichrückverlegung bei Radegast ins Auge gefasst (LZ berichtete). Um möglichst fest eingebunden zu sein, übernahm der Artlenburger Deichverband die Trägerschaft des Projektes und beauftragte den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie.

Spätestens Anfang 2017 sollte feststehen, ob eine Rückverlegung weiterverfolgt werden soll oder nicht. Endgültige Ergebnisse liegen zwar noch immer nicht vor. Dafür gibt es eine Reihe neuer Erkenntnisse und Planungen – auch über Radegast hinaus.

Deichrückverlegung bisher „recht vielversprechend“

Um es vorwegzunehmen: Ein Ja zur Deichrückverlegung bei Radegast gibt es bisher nicht, doch was der NLWKN-Sprecher Achim Stolz zum aktuellen Studienstand berichtet, klingt optimistisch. So seien Bodenunteruntersuchungen bis fünf Meter Tiefe zur Erkundung von „deichbaufähigem“ Material (Klei/Aue­lehm) erfolgt, das Ergebnis: „recht vielversprechend“. Baugrunduntersuchungen haben zudem ergeben, dass die Standsicherheit einer neuen Deichtrasse gewährleistet wäre.

Eine Reihe anderer Analysen steht noch aus. „Weitere hydrauliche Berechnungen zum Hochwasserabfluss wurden bei der Hochschule Magdeburg in Auftrag gegeben“, berichtet Stolz. „Gegenwärtig laufen zudem Untersuchungen zur Frage der möglichen Veränderung von Qualmwasserströmen im Falle einer Deichrückverlegung.“ In Arbeit ist auch eine Prüfung weiterer Poldervarianten, die Landwirte im Gespräch mit dem NLWKN eingebracht haben. Und: „Fragen zum eventuellen Verbleib oder zur Abtragung des Elbdeiches müssen noch geklärt werden.“ Denkbar wäre lediglich eine „Schlitzung“ des Elbdeiches, sodass „das Hochwasser erst ab einer gewissen Höhe in den neu geschaffenen Überflutungsraum eindringt“.

Wandernde Sandbänke stauen das Wasser

Soweit zum Stand einer potenziellen Deichrückverlegung an sich. Doch darüber hinaus hat die Arbeit an der Machbarkeitsstudie weitere Erkenntnisse gebracht – eine von möglicherweise zentraler Bedeutung: Das Leichtweiß-Institut der Technischen Universität Braunschweig hat nachgewiesen, „dass die im Fluss beförderte Sedimentfracht teilweise große, wandernde Sandbänke unter der Wasseroberfläche aufbaut, die quasi wie ein Stopfen für einen erheblichen Wasseraufstau sorgen“, berichtet Stolz. Die Konsequenz: „Auch ein ‚Sedimentmanagement‘ muss überdacht werden.“

Und so geht es nun weiter: Auch wenn bisher noch keine Entscheidung zu einer möglichen Deichrückverlegung gefallen ist, wird in dem betroffenen Gebiet bei Radegast in Abstimmung mit der Biosphärenreservatsverwaltung aktuell ein Weidenrückschnitt am Ufer vorbereitet. „Hier hatten sich inbesondere junge Weiden ausgebreitet“, erklärt Stolz. Bewuchs, der gegebenenfalls stören würde und vorsorglich entfernt werden soll.

Verstärkt in den Fokus nehmen wird der NLWKN nun auch die Flurbereinigung – ein besonders sensibles Thema. Denn wenn es tatsächlich zu der angedachten Ausdeichung von mindestens 100 Hektar kommt, wäre neben dem Hartholz-Auwald der Landesforsten auch Acker betroffen. Und damit würden Landwirte Teile ihrer Flächen verlieren. Wie das aufgefangen oder ausgeglichen werden kann, „soll im weiteren Verlauf der Machbarkeitsstudie einen breiten Raum einnehmen“, erklärt Stolz.

Sobald auch diese Verhandlungen abgeschlossen sind und die endgültigen Ergebnisse der Studie vorliegen, will der Artlenburger Deichverband darüber auch die Öffentlichkeit informieren. „Noch ist allerdings nichts entschieden“, sagt Deichhauptmann Hartmut Burmester, „auch wenn es bereits anderweitige Gerüchte gibt.“

Von Anna Sprockhoff