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Turm und Pfad sollen in die Landschaft und den bestehenden Baumbestand am Wildpark integriert werden. Grafik: Kröger-Architektur

Wildpark Lüneburger Heide plant Baumwipfelpfad

Hanstedt/Nindorf. Für schätzungsweise vier bis fünf Millionen Euro Investitionskosten planen die Geschäftsführer des Wildparks Lüneburger Heide die Errichtung eines rund 800 Meter langen Baumwipfelpfades, inklusive eines Aussichtsturms mit einer Besucherplattform in 39 Metern Höhe in direkter Nachbarschaft zum Tierpark in Hanstedt-Nindorf. Dafür haben die beiden Geschäftsführer Norbert und Alexander Tietz die Gesellschaft „Weitblick Projektrealisierung“ neu gegründet.

Beim zuständigen Landkreis Harburg rennen sie mit dem Projekt offene Türen ein. Denn die Idee eines Baumwipfelpfades wurde bereits 2012 in der Kreispolitik ernsthaft diskutiert, wurde aber schließlich aus unterschiedlichen Gründen verworfen. Über den neuen Anlauf als Privatinitiative freut sich nicht nur Harburgs Landrat Rainer Rempe.

Probleme durch unterschiedliche Besitzverhältnisse

Vor fünf Jahren war ein „Waldkronenpfad“ südlich des Wildparks im Gespräch. Hanstedts Gemeindedirektor Olaf Muus sagt auf LZ-Nachfrage: „Wir fanden die Idee damals schon gut, wohlwissend, dass es auf jenem Waldgebiet schwierig werden könnte.“ Das stand und steht nämlich unter Landschaftsschutz und somit rief das Projekt seinerzeit die Umweltverbände als Kritiker auf den Plan. Für zusätzliche Probleme sorgten die unterschiedlichen Besitzverhältnisse.

Der nun vorgesehene Bereich ist hingegen schon vor vielen Jahren aus dem Landschaftsschutz entlassen worden und liegt zugleich komplett auf dem Wildpark-Areal. Harburgs Landrat Rempe misst dem Projekt eine „Leuchtturm-Funktion“ für die Naturparkregion bei, er begrüßt „den Beitrag zur Bewahrung und zum Schutz der Natur und Förderung des Natur- und Kulturerbes“.

Inspiration durch Allgäuer Pendant

Wildpark-Geschäftsführer Norbert Tietz hegt die Idee eines eigenen Baumwipfelpfades schon seit Jahren. Der gebürtige Allgäuer ließ sich von dem „skywalk allgäu“ inspirieren, dem ersten Baumwipfelpfad seiner Art in Deutschland. Als der Landkreis Harburg vor fünf Jahren die Idee von sich aus aufgegriffen hatte, fing Tietz zusätzlich Feuer. „Aber wir waren damals immer der Auffassung, dass man so etwas auf dem anderen Waldgrundstück mit dem schönen Hochwald machen müsste.“ Lange habe er den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, dass er das Projekt auch auf dem eigenen Wildpark-Areal gut umsetzen könnte.

Zumal sich dort in der Landschaft der „Dreiahnenberg“ mit 110 Metern über Normalnull erhebt und eine gute Position für den geplanten Aussichtsturm bietet. Und nicht nur die Erschließung über den Wildpark-Parkplatz und das Feriendomizil Schäferdorf bietet sich förmlich an, der Baumwipfelpfad soll neben einem eigenständigen „naturpädagogischen“ Lehrpfad zugleich eine Symbiose mit dem Wildpark selbst eingehen. Der Pfad soll beispielsweise am Wolfsgehege entlangstreifen und soll so „den Blick aus der Vogelperspektive auf unser Wolfsrudel“ ermöglichen, sagt Alexander Tietz.

Eröffnung für 2019 angestrebt

Gemeinsam mit Nobert und dessen Sohn Alexander Tietz hat der Winsener Architekt Jörg Kröger das Konzept für den Wipfelpfad entwickelt. Nach Bereisungen ähnlicher Installationen im Allgäu, auf Rügen und bei Bad Harzburg haben sie sich allerdings gegen eine Rotunde entschieden, in der die Besucher spiralförmig zum höchsten Punkt des Pfades laufen. Stattdessen sollen die Besucher auf dem auf Stahlstreben ruhenden Steg langsam in die Höhe geführt werden, bei einer Steigung von 5,9 Prozent auf 540 Metern Länge. So könne der Mischwald, der hauptsächlich aus Kiefern und Fichten besteht, etappenweise erlebt werden. Kröger: „Das ist in der Form ein Novum.“

Und schließlich solle der Pfad auf 175 Meter Länge in einer Höhe von 26 Metern über dem Grund – neben dem barrierefreien Aussichtsturm – für einen herrlichen Ausblick über die Baumwipfel sorgen. Norbert Tietz sagt: „Der Planungsstand ist soweit fortgeschritten, dass mit dem Bau begonnen werden kann, sobald alle nötigen Anträge von Seiten der zuständigen Behörden genehmigt sind.“ Die Bauzeit betrage voraussichtlich ein halbes Jahr. Die Eröffnung wird für 2019 angestrebt.

Von Dennis Thomas