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Der 87-jährige Manfred Westermann (l.) und Werner Piepho (r.), auch er schon stolze 80 Jahre alt, sind mit Leib und Seele dabei, wenn es am Wochenende am ADAC-Fahrsicherheitszentrum zum Classic-Trial geht. Foto: nh

Mit 87 über Stock und Stein

Embsen. In welcher Sportart gibt es das schon – dass ein 87-Jähriger gegen Jahrzehnte jüngere Konkurrenten, manchmal sogar Jugendliche, antritt? Und dabei oft a uch gar nicht so schlecht aussieht: Manfred Westermann, 87-jähriger Reppenstedter, ist das gewohnt. An diesem Wochenende steigt der fitte Senior beim „Classic-Trial“ des Ortsclubs Lüneburg im ADAC am Fahrsicherheitszentrum in Embsen wieder auf seine Zündapp.

Schon als junger Mann von Trial begeistert

Die ist übrigens auch schon stolze 61 Jahre alt und noch nicht einmal die älteste im Feld. Das Alter der Maschinen, nicht etwa das seiner Fahrer, ist auch entscheidend für die Klasseneinteilung beim „Classic Trial“. Rund 80 bis 100 Aktive auf klassischen Geländemotorrädern der Baujahre 1930 bis 1980 werden am Wochenende erwartet.
Schon Anfang der 1950er-Jahre, als junger Mann, war Manfred Westermann begeisterter Motoradfahrer. Den Trialsport lernten er und Kumpel Heinz Meyer in Soltau kennen, wo britische Besatzungssoldaten über Stock und Stein unterwegs waren.

Manfred Westermann gehört zu den Begründern des Trialsports in der Region das Foto zeigt ihn in den 1960er-Jahren bei einem Rennen.

Die Geschichte wiederholt sich

Westermann und Meyer kamen auf den Geschmack. Es war im Oktober 1957, als sie gemeinsam durch den Wald an der Steinhöhe stapften, am Lüneburger Ortsausgang in Richtung Neetze. Mit Fähnchen steckten sie in schwierigem Gelände Fahrspuren ab – Vorbereitungen für den ersten Trialwettbewerb des ADAC-Ortsclubs Lüneburg an dieser Stelle.

Dass derselbe Manfred Westermann im Sommer 2017, also 60 Jahre später, am Fahrsicherheitszentrum des ADAC in Embsen wieder in steilem Gelände Fähnchen steckt, die den Aktiven den Weg durch knifflige Parcours mit anspruchsvollen Hindernissen weisen, hätte er sich nicht träumen lassen. Und schon gar nicht, dass er als Aktiver immer noch dabei ist.
Gerald Franz, Spartenleiter Classic-Trial im Ortsclub Lüneburg im ADAC: „Als weit und breit ältester aktiver Trialsportler, wahrscheinlich sogar weltweit, trainiert er mit 87 Jahren immer noch aktiv jeden Samstag in Embsen und fährt etliche Veranstaltungen im Jahr.“

Spaß daran, die Jungen zu ärgern

„Einen kleinen an der Glocke muss man schon haben, um das zu machen“, sagt Manfred Westermann mit einem verschmitzten Lächeln. Um gut durch die komplizierten Sektionen zu kommen, bedarf es aber auch noch weiterer Voraussetzungen: „Konzentration, Kondition, Reaktionsvermögen, Gleichgewichtssinn und krumme Gedanken“ – wobei er offen lässt, welche das denn sind.

Gelassen geht Manfred Westermann an die Aufgaben, die ihn am Wochenende erwarten – Pokale hat er zu Hause schon reichlich im Schrank. „Aber Spaß macht es doch, wenn man die Jungen ärgern kann“, ist seine Kampfansage an die Konkurrenz. Mit dem „Salz-Sau“-Classic Trial feiern die Trialfans auch das 60-jährige Jubiläum des Trial-Sports in Lüneburg. Auf der Homepage www.ortsclub-lueneburg.de gibt es einen Film über die erste Trialveranstaltung in der Region von 1957.

Von Ingo Petersen

Zwei Tage Non-Stop-Programm: Motorsport ganz hautnah

Der siebte und der achte Lauf zum Deutschland-Cup im Classic-Trial findet statt am Sonnabend, 26. August, 13 bis 18 Uhr, sowie am Sonntag, 10 bis 15 Uhr. Nur am Sonnabend (10 bis 15 Uhr) sind Aktive aus dem norddeutschen Raum bei den Hanse-Classics unterwegs. Zuschauer sind zum Rennwochenende herzlich willkommen. „Unser Sport ist ideal für Zuschauer“, erklärt Gerald Franz. Von einzelnen Punkten aus lassen sich immer komplette Sektionen überblicken.

Auch für Verpflegung ist an beiden Tagen gesorgt. Der Eintritt ist frei. Motorrad-Trial wurde gegen 1910 in England erfunden. Sinn des Wettbewerbes ist es, mit dem Motorrad schwieriges Gelände und Hindernisse zu überwinden, ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen. Im Gegensatz zum modernen Trial, wo es um extreme Hindernishöhen und maximale Schwierigkeiten geht, orientiert sich Classic-Trial an den Wettbewerbsbedingungen, die der Bauzeit der Maschinen entsprechen.