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Die Volkshochschule erlebte 2016 eine Nachfrage wie nie zuvor und bot insgesamt 87766 Unterrichtseinheiten an, 2015 waren es 73928. Drastisch angestiegen ist dabei der Integrationsbereich. Der VHS-Wirtschaftsplan für 2016 schloss mit einer Bilanzsumme von 1,37 Millionen Euro ab, registriert wurde ein Überschuss von mehr als 237000 Euro. Foto: t&w

VHS Lüneburg steuert aus roten Zahlen

Lüneburg. Zwei Jahre hinter­einander lag die Volkshochschule (VHS) Region Lüneburg in den Miesen, verbuchte für ihr Geschäftsjahr 2014 ein Minus von 95 000 Euro , im Jahr darauf waren es 171 000 Euro. Doch nun präsentiert die Gemeinnützige Bildungs- und Kulturgesellschaft (BuK) Hansestadt und Landkreis Lüneburg GmbH als Träger der VHS dem städtischen Wirtschaftsausschuss für das Geschäftsjahr 2016 ein deutliches Plus: Der erwirtschaftete Überschuss in Höhe von 237 657,98 Euro soll in die Gewinnrücklagen fließen. Der Ausschuss tagt heute, 24. August, von 16 Uhr an im Albert-Ranshoff-Saal der Psychiatrischen Klinik am Wienebütteler Weg.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge hatte damals als Ursache für das VHS-Defizit die „schleppende Zahlungswilligkeit des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge“ (BAMF) ausgemacht. Und just dieses Bundesamt wie auch eine Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung dürften Grund für die positive Entwicklung sein. In der Vorlage zur Ausschusssitzung schreibt Martin Wiese, Geschäftsführer der BuK, deren Gesellschafter zu je 50 Prozent Stadt und Kreis sind: „Seine Gründe hat diese positive Entwicklung in einer deutlichen Ausweitung des Kursgeschehens und daran gekoppelt ergeben sich überproportional entwickelnde Umsatzerlöse. Festzustellen ist, dass sich die Zahl der Unterrichtseinheiten im Vorjahresvergleich um 18,7 Prozent erhöht hat, während die Umsatzerlöse insgesamt um 52 Prozent gesteigert werden konnten.“

Und diese Steigerungen resultieren eindeutig aus der deutlichen Ausweitung der Integrations- und Sprachkurse in einer in der Arbeit mit Flüchtlingen gut aufgestellten VHS. In die Karten spielten der VHS dabei das BAMF, das im Frühjahr 2016 seine Vergütungssätze für Lehrkräfte auf mindestens 35 Euro fast verzehnfachte, und die rot-grüne Landesregierung, die allen Flüchtlingen Integrationskurse ermöglichte – und nicht nur Flüchtlingen aus dem Irak, Iran, aus Eritrea, Somalia und Syrien, wie es in anderen Bundesländern gehandhabt wird.

Aber: Umsatzrückgang im klassischen Kursbereich

Wiese bezeichnet dies als „deutlich verbesserte Finanzierungsmodalitäten“: „Diese Entwicklung spiegelte sich in den Förder- und Finanzierungsrichtlinien der Finanzmittelgeber, insbesondere Bund und Land, nicht wider.“ Wochentags befinden sich täglich rund 800 Asylbewerber in den verschiedenen Programmen der VHS, pro Jahr regis­triert das Haus 1600 Teilnehmer, die in der Regel eineinhalb Jahre lang betreut und fortgebildet werden. Da ihre Zahl seit 2015 gestiegen ist, führte dies auch zu Raumknappheit. Mittlerweile hat die Volkshochschule die erste Etage des Hauptgebäudes an der Haagestraße zusätzlich angemietet, aus der zuvor die Regionalgeschäftsstelle der Krankenkasse Barmer GEK ausgezogen war. In diesem Zusammenhang weist Wiese da­rauf hin, dass bestimmte Mietverträge nur „einen als gesichert anzusehenden Zeitraum umfassen“. Gemeint sind damit die Wirtschaftsjahre 2017 bis 2019, in denen nicht damit zu rechnen sei, „dass die Projekte und Kurse im Sprach- und Integrationsbereich in nennenswertem Umfang wegbrechen“.

Sieht die Bilanz der VHS unterm Strich positiv aus, gibt es allerdings auch einen negativen Aspekt: Im klassischen Kursbereich ist im zweiten Jahr in Folge ein Umsatzrückgang festzustellen. Hier heißt es in der Sitzungsvorlage von Martin Wiese: „Worauf dies konkret zurückzuführen ist, kann derzeit nicht abschließend eingeschätzt werden. Die VHS Region Lüneburg wird, wenn sie zukunftssicher aufgestellt bleiben will, daher ihre Kursangebote und die Nachfrage sehr genau beobachten müssen, um einerseits am Markt zu bestehen, andererseits keine Angebote vorzuhalten, die nicht in genügendem Umfang in Anspruch genommen werden“.

Von Rainer Schubert

One comment

  1. VHS erwirtschaftet Überschuss – das kann doch kein Grund zum Feiern sein! Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer sowie die Steuerzahlenden könnten sich viel mehr freuen, wenn das Geld, das sie für die Volkshochschule ausgeben, restlos für gute Unterrichtsqualität ausgegeben wird.
    Dazu gehört auch eine gute und zeitgemäße Behandlung der Kursleitenden! Wie wäre es z.B., wenn das eingenommene Geld für bezahlten Urlaub, Fortzahlung des Entgelts im Krankheitsfall und Zuschüsse zu den Sozialversicherungen ausgegeben würde?
    …..und wenn die Überschüsse dafür nicht reichen? … könnten Stadt und Landkreis endlich einen angemessenen Zuschuss geben, damit die selbstverständlichen Segnungen des Sozialstaats auch für VHS-Dozenten gelten.