Donnerstag , 22. Februar 2018
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In vollem Gang sind die Bauarbeiten an der Kreisstraße 31 zwischen Bardowick und Wittorf, hier in der Ortsdurchfahrt Hohensand. Auch für dieses Projekt muss der Landkreis tiefer in die Tasche greifen als geplant. Foto: t&w

Sanierung der Kreisstraßen: Schluss mit günstig

Embsen. Es läuft gut in der Baubranche und im Handwerk – die Auftragsbücher sind voll, die Betriebe haben bestens zu tun. Über die andere Seit e der Medaille berichtete jetzt Jens-Michael Seegers, Leiter des landkreiseigenen Betriebs Straßenbau und -unterhaltung (SBU), im Betriebs- und Straßenbauausschuss des Kreistags.
In den Vorjahren, so Seegers, habe man bei den Ausschreibungen für Bauprojekte oft „sehr günstige“ Ergebnisse erzielen können. „In diesem Jahr ist das leider ganz anders.“ Die wenigen Angebote, die nach Ausschreibungen eingehen, liegen zuweilen zwischen 50 und 100 Prozent über den eigenen Kalkulationen.

Der Zwischenbericht des SBU zum 30. Juni 2017, den Seegers im Ausschuss vortrug, enthält Beispiele: Für den Radweg an der Kreisstraße 28 (Vastorf – Barendorf) etwa waren 600 000 Euro kalkuliert, nach Vorliegen der Angebote waren die Kosten um 215 000 Euro höher.

Zwar auch, weil Planungen verändert wurden, aber auch wegen der höher als kalkuliert ausgefallenen „Einheitspreise“ werden auch andere Projekte des SBU teurer: etwa die Sanierung der Kreisstraße 31 zwischen Bardowick und Wittorf (1,4 Millionen nach 780 000 Euro) oder der Bau des Radwegs an der Kreisstraße 2 zwischen Rullstorf und Jürgenstorf (1,52 Millionen Euro nach 935 000 Euro). Beworben hatten sich nur zwei Anbieter.
Eine Ausnahme, so Seegers, habe es bezüglich der Kostenentwicklung gegeben – wenn auch eine vergleichsweise geringe: Für die Radwegbrücke im Zuge der Kreisstraße 2 (Kronsberg) waren statt der kalkulierten 110 000 Euro nur 50 000 Euro zu zahlen.

Insgesamt nannte SBU-Chef Seegers einen Mehrbedarf im Bereich der Investitionen für das laufende Jahr von 1,5 Millionen Euro. „Wir haben uns entschieden, dennoch alle Maßnahmen zu verwirklichen. Schließlich wollen wir unsere Straßen auch als Kapital erhalten“, sagte Seegers. Weil die Baumaßnahmen mit 60 Prozent durch Land und Bund gefördert werden, steigt der zusätzliche Eigenanteil für den SBU „nur“ um rund 400 000 Euro.

Um diesen Betrag aufbringen zu können, soll in die in den Vorjahren gebildete „Erneuerungsrücklage“ gegriffen werden, in der zurzeit 1,535 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Aus dieser Rücklage waren für das laufende Jahr bereits 211 000 Euro für verschiedene Baumaßnahmen sowie 500 000 Euro für den Neubau des zentralen Betriebshofs in Scharnebeck vorgesehen.
So gut wie der Baubranche scheine es im Übrigen auch den Nutzfahrzeugherstellern zu gehen, mutmaßt Jens-Michael Seegers: Für zwei Fahrzeuge, deren Kauf man in diesem Jahr ausgeschrieben habe, habe es nur jeweils einen Anbieter gegeben.

Eine kleine finanzielle Entlastung, so heißt es im Zwischenbericht des SBU für das erste Halbjahr 2017, habe es im Bereich der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gegeben: 2016 waren hier anteilig 25 400 Euro vom Landkreis zu tragen gewesen, beteiligt waren auch die Gemeinden. In diesem Jahr sei keine Bekämpfungsaktion aus der Luft notwendig gewesen. Seegers: „Die Population ist kreisweit zurückgegangen.“

SBU verbucht Jahresüberschuss von 244 000 Euro
Wirtschaftsprüfer lobt Betriebsleitung

Einstimmig empfahlen die Mitglieder des Betriebs- und Straßenbauausschusses dem Kreistag, die Betriebsleitung des SBU für 2016 zu entlasten. Zuvor hatte Wirtschaftsprüfer Dr. Hermann Spils ad Wilken die Prüfung des Jahresabschlusses 2016 vorgelegt, in der er zu dem Ergebnis gekommen war: „Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt.“

Spils ad Wilken wies darauf hin, dass das zum 1. Januar 2009 in den Eigenbetrieb eingebrachte Infrastrukturvermögen an Kreisstraßen, Radwegen, Sonderbauwerken wie Brücken und Grundstücken bis Ende 2016 auf 92,9 Millionen Euro gesunken ist. Als Grund nannte er die Abschreibungen von 28,1 Millionen Euro, denen im gleichen Zeitraum Investitionen von nur 14,5 Millionen Euro gegenüberstanden.

Soweit „die kommunalen Haushalte es zulassen“, so Spils ad Wilken, empfehle er, die Investitionsquote zu erhöhen. Wie von ihm vorgeschlagen, sprach sich der Ausschuss einstimmig dafür aus, den Jahresüberschuss aus 2016 von 244 000 Euro in die Erneuerungsrücklagen einzustellen, um so neue Investitionen zu ermöglichen.