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Rund vier Fälle pro Jahr, in denen Studenten wegen einer Prüfungsanfechtung gegen die Leuphana klagen, landen im Briefkasten des Verwaltungsgerichts. Foto: be

Zeitraub vor Gericht: Student verklagt Leuphana

Lüneburg. Die Gerichte ächzen unter der Vielzahl der Verfahren. Dann ist es um so ärgerlicher, wenn der Richter sich mit Leerlauf befassen muss, wie jetzt vorm Lüneburger Verwaltungsgericht. Dort sollte ein Richter klären, was ein Student auch unter vier Augen mit seiner ehemaligen Dozentin hätte lösen können: Der hat die Leuphana Universität wegen der Bewertung einer Prüfungsleistung verklagt, weil er vor knapp zwei Jahren zum dritten Mal durch ein Modul gefallen war. Eigentlich eine existenzielle Sache für einen Leuphana-Studenten, es kommt einer Roten Karte für alle deutschen Unis gleich. Am Ende stand ein Vergleich.

Der Gang zum Gericht scheint für Studenten längst keine Hürde mehr zu sein, immer mehr wählen diesen Weg, um einen Zwist mit der Universität zu klären. Und dazu zählen auch Prüfungsanfechtungen. Dr. Gunhild Becker, Pressesprecherin des Verwaltungsgerichts, sagt, dass zurzeit sieben Klagen gegen die Leuphana laufen: drei Prüfungsanfechtungen, jeweils ein Verfahren wegen einer Leihgebühr und Stellenbewertung und zwei Studienplatzklagen (siehe Info-Box). Fechten Studenten eine Prüfung an, sei entweder das Nicht-Bestehen oder der Wunsch nach einer Notenverbesserung der Grund. Ein bis vier Verfahren laufen im Jahr beim Verwaltungsgericht auf.

Universität: Zahl der Klagen „verschwindend gering“

Die Leuphana möchte den Eindruck, dass die Anzahl der Fälle zunimmt, in denen Studenten wegen der Benotung ihrer Prüfungsleistungen klagen, nicht bestätigen. Pressesprecher Henning Zühlsdorff: „In einem im vergangenen Jahr abgeschlossenen Fall hat die Universität Recht bekommen, in zwei weiteren Fällen wurden Vergleiche geschlossen.“ Angesichts von mehr als 50 000 Prüfungen pro Semester sei die Zahl also „verschwindend gering“.

Im aktuellen Fall hatte der Leuphana-Student Berufsschullehramt im Master studiert, im Sommersemester 2015 stand er in einem Modul vor seinem zweiten alles entscheidenden Wiederholungsversuch. Die Prüfung: Er absolvierte zwei Unterrichtsstunden in einer Berufsschule in Celle. Den Praxisbericht gab er persönlich bei seiner Prüferin ab. Ergebnis: mangelhaft – wieder durchgefallen.

Kläger hat Prüfung in Dänemark bestanden

Für den Hochschüler ein ernstes Problem: Studenten an der Leuphana, die drei Mal durch die gleiche Prüfung fallen, dürfen nicht mehr weiter- und auch nichts Vergleichbares in Deutschland studieren. Der Student soll ein Klärungsgespräch gefordert haben, dann aber nicht erschienen sein. Somit bestätigte der Prüfungsausschuss die Note. Er legte Widerspruch ein, er habe auf der Anmeldeliste nicht unterschrieben, auch hätte er die Arbeit nur zur Durchsicht und nicht als Prüfungsleistung abgegeben. Zudem sei die Dozentin voreingenommen. Diese wies den Widerspruch im März 2016 zurück, im April erhob der Student Klage.

In Sitzungssaal II wurde dann gestern deutlich, dass sich der Sachverhalt längst grundlegend geändert hat. Der Kläger hat bereits einen Ausweg aus dem Prüfungs-Dilemma gefunden, das Modul im Ausland, an der Universität in Kopenhagen, nachgeholt und bestanden. Informiert hat er darüber weder den Prüfungsausschuss noch das Verwaltungsgericht. Der Richter war ahnungslos, seine diplomatische Vorarbeit, nämlich dass der Student die Prüfung nochmal wiederholen dürfte, Makulatur. Am Ende stand der Vorschlag: „Die Uni erklärt sich bereit, die ausländische Prüfungsleistung anzuerkennen und hält dem das Nicht-Bestehen des Moduls entgegen. Dann ist hier heute vielleicht gar keine Entscheidung nötig.“ Beide Seiten willigten ein, sie haben nun sechs Wochen Zeit, das Gericht schriftlich in Kenntnis zu setzen. Der Richter gab ihnen noch einen Tipp mit auf den Weg. „Manchmal hilft ein persönliches Gespräch.“

Verfahren gegen die Leuphana

Stets im Herbst gibt es eine Vielzahl an Verfahren aufgrund von Studienplatzklagen, bedeutet: Studenten verklagen die Universität, weil sie abgelehnt wurden. „Das sind sogenannte NC-Verfahren“, sagt Becker. 2016 gab es 212 Verfahren. „Studenten müssen dann immer einen Eilantrag stellen, schließlich beginnt das Studium dann ja.“

Manche Klagen würden aber auch wieder zurückgenommen, beispielsweise wenn jemand im Nachrückverfahren doch noch einen Platz erhält.

„Auch kommt es manchmal zu außergerichtlichen Einigungen.“ In den Fällen, in denen das Gericht auch eine Entscheidung fällen muss, sei die Erfolgsquote sehr gering.

Von Anna Paarmann