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Heyho, auf geht‘s: Mit diesem Motto starten Timm Duffner, Christian Schmidt und Stefan Buchholz (v.l.) in die Müsli-Produktion. Läuft die Produktion, sollen auch Menschen mit Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle bekommen. Foto: ca

Besonderes Frühstück aus Lüneburg: die soziale Müsli-Attacke

Lüneburg. Die drei haben eine Vision, und ohne Selbstbewusstsein kann man die nicht umsetzen: Sie machen das weltbeste Müsli, und sie werden dabei vielen Mensch en helfen, denen es nicht so gut geht. „Heyho startet den Versuch einer nichtindustriellen Revolution. Weil wir glauben, dass soziales Unternehmertum möglich ist“, heißt es in ihrem Prospekt. Heyho ist der Name ihrer Firma und leitet sich von einem Stück der Punkband Ramones ab. Sehr schrill, sehr energiegeladen. Müsli fällt einem dabei nicht als erstes ein.

Faire Miete für die Küche in Volgershall

Für die Freunde Stefan Buchholz (50), Timm Duffner (40) und Christian Schmidt (31) ist das anders: „Aufbruch, Attacke!“ Das Trio rührt in Handarbeit Müsli zusammen. Ein paarmal die Woche können sie die Öfen der Neuen Arbeit, einem Tochterunternehmen des Herbergsvereins, nutzen. Dann stehen sie in der Küche in Volgershall, es riecht knusprig und süßlich. Sie achten darauf, dass sie die Masse gut durchrühren, nichts anbrennt.

Die Zutaten seien besonders, betonen sie. Das Granola, also die Haferflocken für Grundprodukt und Masse, und alle anderen Zutaten haben „hochwertige Bio-Qualität“. Das Granola beispielsweise kommt von einer Öko-Mühle, sie rösten es mit Kokosöl und Agavensirup. Die Schokolade für das „Late Night Breakfast“ stammt von einer Kooperative in Ghana.
Besonders ist auch die Idee, für die Buchholz fast symbolisch steht: Er arbeitet für den Herbergsverein und in der Wohnungslosenhilfe. Er kennt die, die durch viele Lücken im sozialen Netz gefallen sind und eine Chance brauchen. „Wir wollen Leute wieder in den ersten Arbeitsmarkt bringen“, sagt er. Menschen sollen von ihrer Arbeit leben können und sich gebraucht fühlen.

Zen-Meister als Vorbild

Ein Vorbild gibt es für die Männer in New York; Buchholz hat davon im Buch eines Zen-Meisters gelesen: Dort sei eine Bäckerei entstanden, in der ehemalige Häftlinge und Obdachlose arbeiten. Es laufe so gut, dass auch ein Wohnprojekt realisiert wurde. Timm Duffner sagt: „Wenn wir Leute in Arbeit bringen und sie mitreißen, bewegt sich etwas.“ Klar, dass da für die Zukunft eine Kooperation mit dem Herbergsverein nahe liegt. Buchholz berichtet, dass sie die Küche der Neuen Arbeit für eine „faire“ Miete nutzen können, jetzt sollen auch die ersten Helfer zum Probearbeiten kommen, eben aus dem Klientel, mit dem Stefan Buchholz zu tun hat: „Die bezahlen wir höher als nach dem Mindestlohn.“

Bei allen hehren Zielen haben die Müsli-Bäcker die Kalkulation im Blick. Buchholz ist Sozialwirt, die beiden anderen haben Betriebswirtschaft studiert. Duffner arbeitet für einen großen Lebensmittelkonzern, er kennt die Branche. Schmidt erzählt, dass sie im Februar auf einer Messe Kontakte geknüpft haben und dass sie seit Ende Mai in einigen Geschäften in der Region mit ihren Waren vertreten sind: „Wir haben eine gute Resonanz.“

Eine Vision braucht „einen gewissen Wahnsinn“

Und sie sind sich einig: „Wir verkaufen nicht nur Müsli, sondern eine Idee.“ Sie müssen Kunden ansprechen, die nicht auf den günstigsten Preis schauen, sondern eben auf das Konzept dahinter. Ihr 300-Gramm-Glas kostet fast sieben Euro. Es sei eine Art Umverteilung, wer sich das Produkt leiste, verdiene vermutlich gut und helfe Menschen, denen es nicht so gut geht.
Sie haben Ersparnisse in das Vorhaben gesteckt. Doch das wird nicht reichen. „Wir suchen Partner“, sagt Duffner. Sie führen Gespräche: „Wir müssen wirtschaftlich erfolgreich sein, damit alles funktioniert.“

Eine Vision brauche einen „gewissen Wahnsinn“, sagt Duff­ner und grinst: „Einen positiven Wahnsinn.“ Wenn es klappt, sollen einmal 80 Mitarbeiter in einer eigenen Produktionshalle Müsli herstellen. Wahnsinn.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. „Wenn alles klappt, sollen…“ 7 € für ein 0,3kg Glas? 2,5 € für 0,4kg läuft nicht mal auf Bio gut; also bei guter Idee. Guter Wille bei keiner Geschäftsidee = Arbeitsamt. Hart, aber real.