Donnerstag , 22. Februar 2018
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Wünschen sich eine Rund-um-die-Uhr-Besetzung der Salzhäuser Polizeistation: Gunnar Funke, Gudrun Fölsch, Christian Bieschke, Susanne Pawlak und Christian Herdlitschke von der Intiative „Sicheres Salzhausen“. Foto: be

Die 24-Stunden-Wache

Eyendorf. Nachts, kurz nach eins stiegen die Einbrecher in Christian Bieschkes Haus in Eyendorf ein. Schnell nahmen sie seine Autoschlüssel, sein Portemonnaie und flohen in Richtung Berlin. Dieser Vorfall belastete ihn und seine Familie lange, Schlafprobleme traten ein, mittlerweile ist das Haus mit Alarmanlage gesichert. „Es ist auch ein Einbruch in die Privatsphäre“, sagt er. Doch Wohnungseinbrüche sind in Eyendorf keine Einzelfälle. Das Problem kennen viele, auch im restlichen Landkreis Harburg: Deutschlandweit belegt der Kreis mit 469 Einbrüchen auf 100 000 Einwohner den traurigen zweiten Platz in der Einbruchsstatistik, eine höhere Quote hat nur Dortmund. Seit Jahren steigen die Zahlen – zwischen 2015 und 2016 sogar um 20 Prozent – und oft kommt die Polizei zu spät.

Zum einen hängen die vielen Einbrüche mit der günstigen Autobahnanbindung nach Salzhausen zusammen, sagt Bieschke, die den Einbrechern eine schnelle Flucht ermögliche. Doch auch die in der Nacht unbesetzte Polizeiwache trage zum Problem bei: Unter der Woche seien die Polizisten nur zwischen 8 und 20.30 Uhr vor Ort, am Wochenende noch weniger – zu wenig, wie er findet. Daher engagiert sich der Geschäftsführer einer Softwareentwicklungsfirma in der neu gegründeten Initiative „Sicheres Salzhausen“. Die wünscht sich eine 24-stündige Besetzung der Station, damit nachts die Beamten nicht aus den nächstgrößeren Städten anfahren müssen. „Und auch die Präsenz der Beamten ist wichtig, als Prävention.“ Um das zu erreichen, sammeln er und seine Mitstreiter Unterschriften, die sie dem Niedersächsischen Innenminister überreichen wollen. Knapp 1800 Unterschriften sind es mittlerweile, online und auf dem Papier.

Innenministerium: Zahlen wirken erschreckender, als sie sind

In der Kreispolitik sei das Problem der vielen Einbrüche schon länger ein Thema, sagt Kreissprecher Johannes Freudewald. Es gehe jedoch derzeit keine Initiative vom Kreis zur Aufstockung der Polizeistellen aus. Stattdessen soll an das Sicherheitsempfinden der Einwohner appelliert werden. „Beispielsweise mit der Banner-Aktion „Fenster auf Kipp?“ hat der Kreis gemeinsam mit der Polizei und dem Weißen Ring die Bürger aufgefordert, ihre Häuser zu sichern.“

„Ein Rund-um-die-Uhr-Dienst ist nicht erforderlich“
Uwe Hesebeck, Vorsitzender der DPolG im Landkreis Harburg

Laut Niedersächsischem Innenministerium sehen die Zahlen der Einbruchsstatistik jedoch erschreckender aus, als sie sind. „Die im Jahr 2016 in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik registrierten Wohnungseinbruchsdelikte beinhalten zu einem erheblichen Teil Taten, die sich bereits im Jahr 2015 ereignet haben“, erklärt Sprecherin Svenja Mischel. Aufgrund der „umfangreichen Ermittlungen“ seien sie jedoch erst im ersten Quartal 2016 an die Staatsanwaltschaften abgegeben worden – ein „statistischer Verschiebungseffekt“ sei eingetreten. Im Übrigen zeigten aktuelle Zahlen, dass Einbruchsdelikte im Landkreis Haburg derzeit stark rückläufig seien. Und auch die Aufklärungsquote der Einbrüche liege mit ca. 24 Prozent schon seit Jahren weit über dem Bundesdurchschnitt (15 Prozent). Ferner würden „erhebliche Anstrengungen unternommen“, um die kriminalistische Arbeit speziell bei den Wohnungseinbrüchen zu verbessern. Von einer Aufstockung des Personals jedoch spricht sie nicht.

Gewerkschaften fordern mehr Personal

Die sei jedoch dringend erforderlich, fordern die niedersächsischen Polizeigewerkschaften unisono. Die Harburger Ortsgruppen von GdP, DPolG und BDK schrieben gemeinsam im Mai dem Chef der Lüneburger Polizeidirektion (PD) einen Brandbrief: Der PD Lüneburg fehlten 120 Beamte im Vergleich mit Polizeidirektionen ähnlicher Größe, hieß es darin. Und in einem weiteren Schreiben der drei Gewerkschaften stellten sie fest: „Burn-Out und Überlastungssymptome haben […] zugenommen.“ Auf eine Antwort warten die Polizeivertreter bis heute.

Doch auch wenn die Forderungen der Gewerkschaften erfüllt werden sollten, Hoffnungen auf eine 24-stündige Besetzung der Polizeiwache sollten sich die Salzhäuser nicht machen. „Das wäre völlig illusorisch“, sagt Uwe Hesebeck, Kreisvorsitzender der DPolG im Landkreis Harburg. Bei allem Verständnis für die Forderung der betroffenen Bürger, „ein Rund-um-die-Uhr-Dienst ist nicht erforderlich.“ Salzhausen sei kein Brennpunkt der Kriminalität, ein größerer Bedarf bestehe in der deutlich einwohnerstärkeren Samtgemeinde Tostedt. „Und selbst dort ist die Wache nicht 24 Stunden besetzt.“

Polizeidirektion sieht Arbeit nicht beeinträchtigt

Dass die Salzhäuser Polizeiwache in Zukunft länger geöffnet sein wird, ist also derzeit noch nicht absehbar. Mathias Fossenberger von der PD Lüneburg sieht die Arbeit der Polizei aber derzeit auch nicht beinträchtigt. Es sei eine „zuverlässige und (einsatzbedingt) zeitnahe Einsatzabarbeitung“ gewährleistet, sagt er.

Sollte die Unterschriftenaktion „Sicheres Salzhausen“ genügend Unterstützer finden –1800 müssen es mindestens sein, das wären 10 Prozent aller Einwohner der Samtgemeinde – wäre die Landesregierung dazu verpflichtet, sich mit der Petition zu befassen. Für Christian Bieschke und seine Mitstreiter auf jeden Fall ein Etappenziel zu einer größeren Polizeipräsenz in Salzhausen. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte er Glück nach dem Einbruch in sein Haus: Sein Auto konnte geortet werden, die Polizei konnte die mutmaßlichen Diebe verhaften, seine Geldbörse hat er auch wiederbekommen.

Die Initiative „Sicheres Salzhausen“ ist sowohl übers Internet (www.sicheressalzhausen.de) und telefonisch über die 04172 – 987074 erreichbar.

Von Robin Williamson