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Landesweit haben Wölfe seit 2008 fast 700 Nutztiere gerissen. Foto: A/nh

Der graue Jäger: Jeder zweite Nutztierriss geht auf sein Konto

Lüneburg. Nachweislich haben Wölfe seit April 2013 bis heute allein im Landkreis Lüneburg 80 Nutztiere, Schafe bis Gatterwild, gerissen. Das entspricht einem An teil von rund elf Prozent der landesweit gerissenen Tiere. In Niedersachsen waren es bisher insgesamt 670 getötete Tiere. Das geht aus der Statistik über Nutztierrisse hervor, die seit November 2008 vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geführt wird. Die Landesjägerschaft, die das Wolfsmonitoring im Landesauftrag durchführt, hat nun die 500. Meldung über einen Nutztierriss zum Anlass genommen, die Statistik auszuwerten.

Am Donnerstag vergangener Woche wurden bei Schmarbeck im Kreis Celle 13 Schafe getötet, sieben weitere mussten eingeschläfert werden. Ob tatsächlich ein Wolf der Verursacher war, wird derzeit geprüft. Insgesamt ist die Zahl offiziell eingegangener Meldungen von Nutztierrissen bis gestern auf 505 gestiegen. Dabei konnten laut Landesjägerschaft bisher 236 Risse (47,2 Prozent) eindeutig dem Wolf als Verursacher zugeordnet werden.

Rund 78 Prozent der getöteten Tiere sind Schafe

In 121 Fällen (24,2 Prozent) konnte der Wolf hingegen als Verursacher ausgeschlossen werden. 101 (20,2 Prozent) der eingegangenen Meldungen erhielten die Zuordnung „Wolf nicht nachweisbar“. 39 Fälle (7,8 Prozent) befinden sich derzeit in Bearbeitung, bei drei Meldungen war eine Beurteilung nicht möglich, heißt es.
„Bei den 500 protokollierten Schadensereignissen handelt es sich um die offiziell eingegangenen Meldungen bei Nutztierrissen – losgelöst von der Frage, ob und in welcher Form Schutzmaßnahmen durchgeführt wurden“, teilt die Landesjägerschaft mit. Unklar ist auch, wie hoch die Dunkelziffer ist.

Von den durch Wölfe zu Tode gekommenen Nutztieren, die in die Statistik Eingang gefunden haben, stellen Schafe mit 77,91 Prozent den größten Anteil, gefolgt von Gatterwild mit 14,48 Prozent. Und seit 2014 sind nachweislich auch 29 Rinder durch Wölfe getötet worden. Die Entwicklung der Nutztierrisse durch Wölfe hat seit der ersten nachgewiesenen Rudelbildung an Fahrt aufgenommen: 2008 und 2009 wurde landesweit jeweils nur ein Nutztierriss durch Wölfe offiziell dokumentiert.

Anstieg der Zahlen seit 2012 mit Bildung des ersten Rudels

Seit der Rudelbildung 2012 im Bereich des Truppenübungsplatzes Munster-Nord gehen die Zahlen landesweit nach oben. Die ersten Nutztiere im Landkreis Lüneburg wurden erst im Juli 2013 bei Brackede nachweislich vom Wolf getötet. Im ganzen Jahr 2014 wurde im Kreis Lüneburg nur ein offizieller Nutztierriss verzeichnet, der auf das Konto des Wolfs ging, während im selben Jahr landesweit mehr als 80 Nutztiere Isegrim zum Opfer fielen. Im Kreis Lüneburg waren es 2015 insgesamt sieben Nutztiere, 2016 stieg die Zahl auf 41. Dieses Jahr waren es bereits 19.

„Seit Beginn der Statistik gab es die meisten nachweislich vom Wolf getöteten Nutztiere im Territorium des Rudels im Raum Barnstorf in den Landkreisen Diepholz und Vechta mit 166 Tieren. 122 Nutztiere wurden im Territorium des Rudels im Landkreis Cuxhaven getötet“, teilt die Landesjägerschaft mit.
Und weiter: „In beiden Territorien legen die Wölfe ein spezielles Verhalten an den Tag: Das Rudel im Landkreis Cuxhaven hat sich scheinbar eine spezielle Taktik angeeignet, die sie in die Lage versetzt, auch ausgewachsene Rinder zu erbeuten. Die Elternfähe im Raum Barnstorf hat in der Vergangenheit laut den Dokumentationen immer wieder auch Schutzzäune überwunden.“

Von Dennis Thomas

Zahlen: Die Region

Seit Beginn der Erhebung durch den NLWKN gab es im Landkreis Heidekreis insgesamt 50 durch Wölfe getötete Nutztiere, im Kreis Celle 81 und in Uelzen 87. Im Landkreis Lüneburg beläuft sich die Zahl der Nutztiere, die in Folge eines nachweislichen Wolfsangriffs ums Leben gekommen sind, bisher auf insgesamt 80.

Hintergrund: Aufnahme ins Jagdrecht

Die Landesjägerschaft lehnt die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht „strikt ab“, erklärte Christian Voigt, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Lüneburg, in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Lüneburger Kreistags. Voigt war eingeladen worden, nachdem die AfD in einer vorherigen Ausschusssitzung eine Resolution zur Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht eingebracht hatte.

Die AfD zog ihren Antrag während der Sitzung zurück, stattdessen sprach sich der Ausschuss einstimmig dafür aus, dass die Landesjägerschaft ihre Sichtweise zum Thema Wolf in einer Sitzung vorträgt, das tat dann Christian Voigt. Für den Wolf würde sich im Falle einer Aufnahme in das Jagdrecht ohnehin nichts ändern, erklärte Voigt, denn auch Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, können durchaus streng geschützt sein.

Strenger Schutz, der für Fischotter, Wildkatze oder Luchs, die dem Jagdrecht unterliegen, gilt, könne auch für den Wolf gelten. Voigt: „Wir wollen, dass der Wolf seine Existenzberechtigung in unserer Region hat. Punkt.“ Gebe es Probleme, erklärte Christian Voigt, müssten sich alle Beteiligten zusammensetzen. Wichtig dabei: „Aber ohne ideologisch aufeinander einzuschlagen.“

3 Kommentare

  1. Birgit Küddelsmann

    Auch ohne Wölfe sind in Cuxland immer schon Kühe in die zahlreichen Entwässerungsgräben gefallen. Und der dort übliche Einlitzenzaun schützt davor nicht wirklich. Und schon immer gab es Nutznießer, wenn solche Tiere nicht rechtzeitig entdeckt wurden und elendiglich krepiert sind in den Gräben. Nun ist dort ein Rudel Wölfe ansässig von dem man illegalerweise das Muttertier erschossen hat. Und nun wundert man sich ernsthaft, daß der überlebende Rüde die Jungtiere mit unzureichend geschützten Weidetieren durchbringt. Während einige Viehhalter anfangen vernünftige Zäune zu bauen, sitzen andere lieber um Mahnfeuer bei Bier und Bratwurst und träumen davon, Wölfe wieder bejagen zu dürfen . Eifrig wird ,auch mit Hilfe von lokalen Zeitungen , an der Legende gearbeitet, Weidetierhaltung und Wolf geht nicht zusammen, es wird gar der Untergang der Weidetierhaltung prophezeit. Ist das wirklich so? Ich denke die veröffentlichten Zahlen sagen das Gegenteil. Man sollte diese Zahlen immer im Zusammenhang mit den Millionen an Tieren sehen , die ganz ohne Zutun eines Wildtieres in den Schlachthäusern von uns Menschen landen

  2. Richtig, alles aufgebauscht, alles kein Problem, die Welt ist schön. Wölfischnuckiputzischmusilein ist im Normalfall reiner Vegetarier, bevorzugt frisches Gras und klares Quellwasser, spricht fließend mehrere Fremdsprachen, was ihm sein gewandtes weltweites Auftreten ermöglicht, und ist im übrigen fromm wie ein Lamm.

    Und von den Killerschnucken, die schon seit Jahrhunderten die Heidebevölkerung mit ihren messerscharfen Gebissen und kreuzgefährlichen Korkenzieherhörnern terrorisieren und nur von erfahrensten Schäfern zu bändigen sind, spricht natürlich auch mal wieder niemand.