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Alterslotsin Margret Backeberg berät Sigrid und Andre Issmer beim Hausbesuch in Embsen. Foto: nh

Lüneburger Alterslotsen: Wie geht es weiter?

Lüneburg. Der Landkreis Lüneburg ist eine von derzeit 35 Gesundheitsregionen in Niedersachsen, die Akteure aus dem Gesundheitsbereich auf lokaler Ebene besser v ernetzen sollen. In diesem Rahmen wurde am 1. Mai 2016 das Projekt „Lüneburger Alterslotsen“ ins Leben gerufen. Das soll älteren Menschen helfen, möglichst lange in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld leben zu können.

Gemeinsam mit den Betroffenen nehmen die Alterslotsen zum Beispiel die Sicherheit der Medikamenteneinnahme oder Stolperfallen im Haus ins Visier und besprechen, in welchen Bereichen die Personen zusätzliche Hilfe benötigen. Am Dienstag sind die Alterslotsen erneut Thema im Ausschuss für Soziales und Gesundheit des Landkreises Lüneburg. Denn noch steht nicht fest, ob und wie es künftig mit dem Projekt weitergeht.

Sie wissen Antworten auf wichtige Fragen

Braucht der betroffene Senior Hilfsmittel, zum Beispiel eine Rampe, oder einen Handlauf? Ist es sinnvoll, einen Pflegegrad zu beantragen? Wo beantragt man was? Ist Hilfe beim Duschen oder Kochen nötig? Welche Möglichkeiten gibt es? Auf all diese Fragen wissen die drei Lüneburger Alterslotsinnen Margret Backeberg, Renate Büscher und Maren Elvers eine Antwort. Sie „lotsen“ Senioren durch das für viele teils sehr unübersichtliche Gesundheitssystem mit seinen zahlreichen Hilfsmöglichkeiten.

Für Margret Backeberg ist das Projekt „Lüneburger Alterslotsen“ nicht mehr wegzudenken. Täglich erhält sie Anfragen von Betroffenen oder deren Angehörigen, besucht als Alterslotsin Senioren zu Hause. Rund 160 Senioren nutzen das für sie kostenlose Angebot bereits. „Manchmal braucht es gar nicht viele Maßnahmen, damit die Menschen zu Hause wohnen bleiben können – und das wollen schließlich alle.“

Lebensqualität der Betroffenen sichern

Margret Backeberg ist gelernte Krankenschwester, hat genau wie ihre beiden Kolleginnen Renate Büscher und Maren Elvers langjährige Erfahrung im Gesundheitswesen – und braucht diese auch bei ihrer Aufgabe. Ebenso wie ein offenes Ohr sowie Vertrauenswürdigkeit. „Man kriegt einen tiefen Einblick in das Privatleben, die Betroffenen müssen ihre Schwachstellen preisgeben, sich eingestehen, dass sie Hilfe brauchen. Wer macht das schon gerne? Viele schämen sich dafür.“

Häufig sind die Betroffenen alleine, die Kinder wohnen weit weg, haben keine Zeit oder sind selbst mit den vielen Hilfsmöglichkeiten überfordert. Die Alterslotsen bilden eine Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer sowie medizinischer und pflegerischer Versorgung. „Es ist ein ganz wichtiges Vernetzungsprojekt, das viele ältere Menschen glücklich macht und dazu beiträgt, die Lebensqualität der Betroffenen zu sichern“, findet Prof. Dr. med. Christian Maaser.

Vorraussichtliches Ende im April 2018

Er ist Chefarzt der Ge­riatrie im Klinikum Lüneburg und zusammen mit Hausärztin Dr. Karen Blumenbach Leiter des Projektes. Über die Arbeit der drei Alterslotsinnen wird er am Dienstag im Sozialausschuss berichten. „Wir haben durchweg sehr gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht. Wir hoffen sehr, dass wir da weitermachen können“, sagt Dr. Maaser. „Wir müssen gucken, wie es damit weitergeht.“

Denn das Projekt ist erstmal nur auf zwei Jahre angesetzt, die Laufzeit endet zunächst am 30. April 2018. Das Land Niedersachsen hatte eine einmalige Förderung von 100 000 Euro beigesteuert. Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf rund 243 000 Euro. Die Höhe der Eigenmittel beträgt 142 600 Euro, die stammen vom Landkreis Lüneburg und der Gesundheitsholding Lüneburg. „Jetzt geht es darum, mit dem Landkreis und anderen Partnern zu überlegen, ob und wie das Projekt fortgesetzt werden kann“, so Dr. Maaser.

Er wird das Projekt „Lüneburger Alterslotsen“ im Ausschuss Soziales und Gesundheit des Landkreises Lüneburg am Dienstag, 29. August, in der Zeit von 15 bis 17.30 Uhr vorstellen, im Sitzungssaal der Kreisverwaltung, Auf dem Michaeliskloster 4, in Lüneburg.

Von Patricia Luft

Zum Projekt: Konkrete Hilfe

Ein Alterslotse besucht Senioren ab 65 Jahren aus Stadt und Landkreis Lüneburg zu Hause und erstellt mit ihnen einen Hilfsplan, der es ihnen erleichtern soll, möglichst lange eigenständig in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Die Alterslotsen stimmen sich in allen Maßnahmen mit dem jeweiligen Hausarzt ab und beziehen auch Akteure und Organisationen, die an der Versorgung des Seniors beteiligt sind, in ihren Plan mit ein – zum Beispiel Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen, den Senioren- und Pflegestützpunkt Lüneburg, die KV Lüneburg oder die Alzheimer-Gesellschaft Lüneburg.

Der jeweilige Alterslotse bleibt mit dem Patienten in Kontakt und überprüft in regelmäßigen Abständen, ob die Maßnahmen aus dem Hilfsplan umgesetzt werden und ob sich Änderungen ergeben. An die Alterslotsen können sich Betroffene oder deren Angehörige wenden, wenn erste Probleme im Alltag auftreten. Das Ganze ist für den Betroffenen kostenlos. Weitere Infos unter 0172 61 83 490 oder www.lueneburger-alterslotsen.de