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Adnan Mustafa (Mitte) ist verzweifelt, seine Tochter hat sich aus dem dritten Stock der Schule am Wasserturm gestürzt. Foto: ca

Oberschule am Wasserturm: Schüler weiter in Betreuung

Lüneburg. Nach dem Sprung einer Zwölfjährigen aus dem 3. Stock der Oberschule am Wasserturm setzen Schule und Landesschulbehörde weiterhin auf psychologische Betreuung von Schülern und Lehrern. Vergangene Woche waren Berater in der Schule, auch diese Woche und bei Bedarf darüber hinaus, soll es entsprechende Begleitung geben, erklärte ein Behördensprecher auf Anfrage. Keine Auskunft wollte er auf die Frage geben, ob sich Lehrer oder Schüler im Zusammenhang mit dem Geschehen krankgemeldet haben. Die Schule selber darf sich nicht äußern, man verweist dort auf die Landesschulbehörde.

Klassenkonferenz wegen auffälligem Verhalten

Wie berichtet, hatte sich das Mädchen am vergangenen Dienstag aus dem Fenster gestürzt. Der Teenager war mit seiner Familie aus dem vom Bürgerkrieg schwer getroffenen syrischen Aleppo nach Deutschland geflüchtet und lebt seit vermutlich vier Jahren in Lüneburg. Das Mädchen war in der Vergangenheit mehrfach auffällig, es hatte eine Klassenkonferenz gegeben.
Am Dienstag hatten eine Sozialpädagogin und Schulleiter Uwe Wegener mit der Zwölfjährigen gesprochen: Sie soll gesagt haben, dass sie bald Kopftuch tragen und als Kriegerin nach Syrien gehen wolle.

Daraufhin war dem Mädchen erklärt worden, es werde eine erneute Konferenz geben, zudem solle sie vom Unterricht ausgeschlossen werden. Als eine Lehrerin mit ihr in den Klassenraum der 7 b ging, um ihre Sachen zu holen, und andere Schüler dazukamen, soll sich das Mädchen in die Tiefe gestürzt haben.

Familie protestiert gegen Stigmatisierung

Die Familie hatte am Mittwoch in der Stadt gegen diese Darstellung protestiert. Sie macht der Schule schwere Vorwürfe, die Eltern glauben, ihre Tochter sei schlecht behandelt worden. Mit einer Radikalisierung oder gar Terrorismus habe ihr Kind nichts zu tun. Der polizeiliche Staatsschutz hat sich eingeschaltet, um offene Fragen zu klären.

Zum Zustand des schwer verletzten Mädchens gibt es keine überprüfbaren Angaben. Die Rede war von schweren Knochenbrüchen und inneren Verletzungen. Die Eltern hatten den Zustand ihrer Tochter vergangene Woche gegenüber der LZ als kritisch bezeichnet.

Die Landesschulbehörde erklärt, dass sie die Umstände des versuchten Freitods „umfassend aufklären“ will. Noch habe man nicht mit allen Beteiligten sprechen können, „die zur Aufklärung beitragen können“. Das müsse man abwarten, um möglicherweise Konsequenzen zu ziehen. Die Schule hatte bereits erklärt, Fenster nun anders sichern zu wollen. ca