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Sonnenbrille, roter Trainingsanzug, Rasta-Zöpfe: Andy Bartels und Skaramanga beim Stadtfest auf dem vollen Platz Am Sande. Es wirkt, als wolle er den Veranstaltern aus Adendorf drohen, die Lüneburg in diesem Jahr beim Buhlen um Besucher Konkurrenz machen. Denn in Adendorf tritt Michael Wendler (r.) auf. (Fotos: A/be)

Die Adendorfer Konkurrenz

Lüneburg. Das Stadtfest bekommt in diesem Jahr große Konkurrenz. Dem Veranstalter, der Lüneburg Marketing (LMG), macht ausgerechnet einer seiner Gesellschafter am Sonnabend potenzielle Besucher streitig: Die Gemeinde Adendorf lässt eine Eventagentur aus Issum am Niederrhein das Freibad am Scharnebecker Weg am 16. Juni in eine Partymeile verwandeln. Motto: „Malle für alle“. Für Stimmung sollen Schlagersänger sorgen wie Michael Wendler und Willi Herren. LMG-Geschäftsführer Patrik-Claudio Schrock-Opitz sagt: „Uns hat das komplett überrascht, wir sind nicht begeistert. Ich hätte mir gewünscht, dass die Adendorfer mit uns reden.“ Der Bürgermeister der Nachbargemeinde, Thomas Maack, findet alles nicht so schlimm: „Das ist doch keine Konkurrenz bei 180 000 Einwohnern im Landkreis.“ Doch gerade an dem Wochenende ballt sich das Veranstaltungsgeschehen.

Lüneburg feiert seine Party vom 15. bis zum 17. Juni. Das sei lange bekannt und ein traditionelles Datum, sagt Schrock-Opitz. Er und seine Crew haben noch ein anderes Ereignis im Blick: die Fußball-Weltmeisterschaft. Am Sonntagabend spielt Deutschland gegen Mexiko: „Das zieht natürlich Leute.“ Um auf diesen „Wettbewerber“ zu reagieren, möchte er Public Viewing ermöglichen, also eine Großbildleinwand aufbauen lassen. Wo genau, das werde noch geplant.

Doch viele werden wohl lieber daheim oder bei Freunden gucken. Angesichts der fast übermächtigen Fußball-Konkurrenz kommen daher die Adendorfer Schlagerpläne für den Tag zuvor extrem ungelegen: „Das wird der Frequenz bei uns nicht zuträglich sein, das sagt einem schon die Logik. Wirtschaftlich ist es nicht sinnvoll, wenn zwei Veranstaltungen parallel laufen.“ Der Sonnabend sei der Tag, an dem Geld verdient werde. Wichtig für die Standbetreiber, sagt Schrock-Opitz. Komme dann noch ein Regentag dazu und der am Freitag typischerweise etwas geringe Zulauf, könne es schwierig werden.

Auf Einnahmen angewiesen

Maack kontert. Das Schlagerfest locke doch eine andere Zielgruppe, glaubt er. Das werde den Lüneburgern nicht wehtun. Doch Lüneburger erinnern sich: Als Schrock-Opitz‘ Vorgänger Stefan Pruschwitz eine Schlagertruppe, darunter übrigens auch Michael Wendler, auf den Marktplatz geholt hatte, war der rappelvoll.

Der Adendorfer Rathauschef betont, umlegen könne man nichts mehr: „Die Agentur kann nicht anders. Wir brauchen auch die Einnahmen.“ Zudem plane man mit den Organisatoren weitere Veranstaltungen. In Zukunft aber wolle man mit der LMG sprechen. Kritik kommt vom Vorsitzenden der Vertretung des Lüneburger Handels, der LCM. Heiko Meyer ärgert sich über die „mangelnde Absprache eines Gesellschafters. Das ist nun wirklich ungünstig gewählt“.

Auswirkungen könnte die lokale Konkurrenz ganz unmittelbar haben. Vergangenes Jahr hat der Lüneburger Wirt Sven Dobosi den Clamartpark zur Bühne gemacht und einen neuen Akzent gesetzt. Gestern teilte er auf Nachfrage mit, dass er die Fläche im Juni nicht erneut mit einem Salt City Rock Festival bespiele. Eben weil Fußball und Adendorf Publikum ziehen dürften: „Das kostet gegenseitig Gäste.“ Zudem hätten viele Gäste sich selbst verpflegt, das mache die Kalkulation schwierig. Chandler‘s-Wirt Dobosi arbeitet beim Stadtfest-Programm dennoch mit der LMG zusammen.

Sie werden sich damit auch gegen weitere Konkurrenz behaupten müssen: An dem Wochenende lockt auch die Reitsport-Elite in Luhmühlen Zuschauer, außerdem dürften wieder Tausende am Sonntag zum Fantag der Roten Rosen pilgern.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. Der Termin für das Stadtfest Mitte Juni ist sowieso schlecht gewählt – im ganzen Norden ist viel zu viel Konkurrenz (z. B. traditionell die Kieler Woche). Früher fand das Stadtfest immer am Wochenende nach Ende der Sommerferien statt und alles war Okay. Seit der (festen) Terminveränderung auf Mitte Juni sind die Besucherzahlen kontinuierlich zurückgegangen…. Also: Zurück in die Zukunft!