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Allein in Pumpwerk 1 stehen vier Pumpen zur Verfügung, die das fertige Trinkwasser ins Rohrleitungsnetz drücken. Foto: phs

Endlicher Luxus

Adendorf. Die Trinkwasserversorgung der Zukunft steht vor großen Aufgaben. Die Nachfragespitzen bei langen Trockenperioden steigen, Nitratbelastung, Pflanzensch utzmittel- und Medikamentenrückstände sowie Mikroplastik bedrohen die Qualität des Grundwassers. Im Raum Lüneburg gilt diese noch als ausgesprochen gut.

Eine Luxussituation, die allein mit Blick auf andere Regionen in Niedersachsen nicht von Dauer sein wird, sagt Uwe Paschke, Geschäftsführer des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) Elbmarsch, einem der großen kommunalen Versorger. Noch lässt sich das geförderte Grundwasser mit wenig Aufwand als Trinkwasser für die Endkunden zwischen Bardowick und Neuhaus aufbereiten. Die LZ hat sich am Standort Adendorf im größten der fünf Wasserwerke des Verbands umgeschaut.

Rund 5,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr

Von den Wasserförderungsrechten des Verbandes, insgesamt rund 5,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr, entfallen allein rund 2,6 Millionen auf das Wasserwerk Adendorf mit seinen sechs Brunnen. Die tatsächliche Förderung lag 2017 nach Angaben des Verbands bei 1,996 Millionen Kubikmeter. Sven Gabbert, stellvertretender Betriebsleiter sagt: „Wir haben in Adendorf den großen Vorteil, dass wir hier alles an einem Platz haben.“ Vom Brunnen über die Wasseraufbereitung bis hin zu den Pumpstationen, die das Wasser durch das Rohrnetz zu den Endkunden befördern.

Die Brunnen gehen in eine Tiefe von bis zu 300 Metern. Dort sorgt eine Unterwasserpumpe dafür, dass das Grundwasser direkt zur Aufbereitungshalle auf dem Gelände gefördert wird. Dort stehen in der Filterhalle acht riesige, graue Kessel mit einem Volumen von jeweils rund 4100 Litern. Durch Belüftung und Kiesfiltration in den großen Edelstahlbottichen werden die im Grundwasser natürlich vorkommenden Eisen- und Manganionen entfernt. Das oxidierte Eisen und Mangan lagert sich am Kies an und wird durch Rückspülung der Filter entfernt. Gabbert: „Das Grundwasser ließe sich auch so trinken. Aber die Endkunden wollen das nicht im Wasser haben, wenn sie den Hahn aufdrehen.“ Der Eisenanteil etwa würde Kleidung beim Wäschewaschen braun färben. Außerdem wird bei der Aufbereitung in allen Wasserwerken aggressive Kohlensäure entfernt, um eine Korrosion des insgesamt 1070 Kilometer langen Rohrleitungsnetzes zu verhindern.

Rund 700 Kubikmeter pro Stunde

Die Aufbereitungskapazität im Wasserwerk Adendorf beträgt rund 700 Kubikmeter pro Stunde. Anschließend wird das Nass in einen sterilen Reinwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1700 Kubik gepumpt, das sich in einem Nachbargebäude befindet. So wird dauerhaft eine kleine Reserve vorgehalten, während im Pumpwerk die Maschinen dröhnen, um das Trinkwasser ins Rohrleitungsnetz zu drücken.

WBV-Geschäftsführer Paschke sagt: „Nicht alle haben das Glück, so einfach Trinkwasser zu gewinnen.“ In anderen Regionen, die ihr Trinkwasser etwa aus Oberflächenwasser wie Talsperren ziehen, müsse das Wasser zusätzlich gechlort werden. Hinzukommt, dass im Raum Lüneburg relativ große, schützende Deckschichten über den tiefen Grundwasserleitern schädliche Umwelteinflüsse weitgehend fernhalten. Noch. Paschke sagt: „Das wird bestimmt nicht von Dauer sein, wenn wir nicht aufpassen.“ So haben bereits Wasserversorger im westlichen Niedersachsen zunehmend mit Nitratbelastungen zu kämpfen, die beispielsweise durch Düngemaßnahmen in der Landwirtschaft eingetragen werden. Paschke: „Die Nitratbelastung wird auch bei uns zunehmen. Wir finden das schon in unseren Messestellen.“ Die Prüfbrunnen sind in der Regel zwar nur maximal 15 bis 25 Meter tief. „Aber wenn das schon da ist, macht es sich auch weiter auf den Weg.“ Und: „Meine Kollegen im Westen müssen das nitratbelastete Grundwasser schon mit reinem Grundwasser verschneiden, um noch die Grenzwerte einhalten zu können. Auch wir müssen wachsam sein.“

WBV Elbmarsch kooperiert mit den Landwirten

Seit zehn Jahren kooperiert der WBV Elbmarsch mit den Landwirten in den Trinkwassergewinnungsgebieten, bietet besondere Gewässerschutzberatung an und setzt auf freiwillige Maßnahmen zum schonenderen Umgang mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Aber damit ist es alleine nicht getan. Sorgen müssten sich laut Paschke auch diejenigen machen, die an anderer Stelle im Wasserkreislauf stehen: Die Klärwerksbetreiber. Paschke: „Angesichts von Medikamentenrückständen und Mikroplastik im Abwasser sollte man dringend über zusätzliche Reinigungsstufen nachdenken.“ Andernfalls gelangen diese Belastungen auch irgendwann ins tiefere Grundwasser aus dem im Lüneburger Raum noch relativ einfach gutes Trinkwasser gewonnen wird.

Von Dennis Thomas

Versorgung

Die Verbände

Das Versorgungsgebiet des Wasserbeschaffungsverbandes Elbmarsch umfasst 747 Quadratkilometer mit 87.000 Einwohnern. Mitglieder sind die Städte Bleckede und Winsen, die Samtgemeinden Bardowick, Dahlenburg, Scharnebeck und Elbmarsch sowie die Gemeinden Adendorf und Amt Neuhaus.

Im Wasserbeschaffungsverband Lüneburg-Süd organisiert sind die Samtgemeinden Gellersen, Ilmenau und Ostheide mit 34 000 Einwohnern. Die Betriebsführung managt die Purena GmbH mit Sitz in Wolfenbüttel. Die Purena versorgt zudem die Samtgemeinde Amelinghausen und die Stadt Lüneburg mit Trinkwasser.

5,5

Millionen Kubikmeter Wasser darf der Wasserbeschaffungsverband Elbmarsch mit seinen insgesamt 16 Brunnen fördern.

Die tatsächliche Wasserabgabe lag zuletzt bei rund 4,2 Millionen Kubikmeter. Die Wasserwerke des Verbands befinden sich in Lüdershausen, Adendorf, Breetze, Neuhaus und Kaarßen.

Der Wasserpreis liegt derzeit bei 0,86 Euro pro 1000 Liter. 

One comment

  1. Das Wasserwerk in Adendorf gehört sicherlich zu den moderneren Anlagen in unserer Region und ist technisch fast perfekt.
    Auch die Wasseranalysen in privaten Adendorfer EFH zeigen i.d.R. gute bis sehr gute Qualitätswerte soweit keine „hausgemachten Ursachen“ (nicht gespülte Vorfilter, alte Rohre, belastete Perlatoren, Zusatzanschlüsse ohne Rückschlagsicherung etc. im Haus) diese mindern.
    Was den Austausch der Wasserzähler angeht, ist der örtliche Wasserversorger im Vergleich umliegender Versorger ganz weit vorne und stets mit dem Wechsel auf dem neuesten Stand.
    Einzig die Hydranten-Spülung an Adendorfer Ortsrändern sollte mal des öfteren erfolgen. Denn diese aufstauende Wassermenge ist das gleiche Trinkwasser im System und wirkt sich ggf. auf umliegende Gebäude über die Zuleitungen aus. Zudem wird das Leitungssystem dadurch reinigend hygienisch unterstützt.