Mittwoch , 19. September 2018
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Dr. Jörg Berling konnte dem Ausschuss des rates Adendorf wenig Hoffnungen auf mehr Spezialisten für die Gemeinde machen. (Foto: A/t&w)

Die Chancen auf mehr Fachärzte stehen schlecht

Adendorf. Neun Ärzte für Allgemeinmedizin in vier Praxen sind in der Gemeinde Adendorf mit ihren rund 10 800 Einwohnern aktiv. Es gibt eine Hals-, Nasen, Ohren-Praxis, eine Gynäkologische und eine Chirurgische Praxis. Aber seit langem wollen viele Adendorfer mehr. Sie möchten auch für weitere Facharztbesuche, zum Beispiel zum Kinderarzt, Augenarzt oder Hautarzt, nicht nach Lüneburg oder in eine andere Stadt fahren.

Über die Chancen für die Ansiedlung von weiteren Facharztpraxen in Adendorf berichtete jetzt Dr. Jörg Berling in der Sitzung des Ratsausschusses für Jugend, Senioren und Soziales. Berling ist Allgemeinmediziner mit Praxis in Adendorf und stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Und das Signal des Experten war deutlich: Die Aussichten sind eher schlecht.

Adendorf den Fachärzten schmackhaft machen

Lüneburger Fachärzte hätten mit ihren Patienten aus der Stadt Lüneburg und dem Umfeld reichlich zu tun, verdeutlichte Berling. Die einzige realistische Möglichkeit für Adendorf bestehe darin, „es Fachärzten aus Lüneburg schmackhaft zu machen“, etwas wie eine „Filiale“ in Adendorf zu unterhalten, zum Beispiel für halbe Tage.

Ideal wäre es, wenn in der Gemeinde Räumlichkeiten zur Verfügung stünden, die für verschiedene Fachgebiete nutzbar wären. „In dieser Richtung wäre eine Lösung denkbar, aber Ärzte sind auch Unternehmer. Rechnen würde sich das für sie nicht.“

Die Investitionen könnten nicht die Ärzte tragen. „Da müsste die Gemeinde Adendorf Geld in die Hand nehmen“, meint Berling. Er wolle, als in Adendorf niedergelassener Arzt, aber gern der Gemeinde bei ihren Bemühungen helfen und auf Kollegen in der Stadt zugehen.

Bürgermeister Thomas Maack (SPD) will trotz der negativen Auskunft nicht aufgeben: „Wir sollten nicht nachlassen beim Versuch, weitere Fachärzte nach Adendorf zu bekommen. Wir haben durchaus Pluspunkte zu bieten, beispielsweise ausreichend Parkplätze oder Räumlichkeiten mit behindertengerechten Zugängen.“

Auch ein großes Einzugsgebiet, nämlich die Gemeinde selbst, aber auch angrenzende Bereiche in Richtung Norden, sieht Maack als Pluspunkt. Er habe bereits in der Vergangenheit Gespräche mit Fachärzten geführt, die seien aber bisher gescheitert. Die Möglichkeiten der Gemeinde Adendorf, bei der Einrichtung einer Praxis zu unterstützen, seien dagegen sehr beschränkt.

Von Ingo Petersen