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Für Ivar Mensink ist der Camping-Begriff weit gefächert, zu großen Campingplätzen igehören nzwischen auch Ferienhäuser und Hütten. Ein sehr schönes Beispiel für ihn ist der 5-Sterne-Campingplatz Südsee Camp in Wietzendorf. Foto: privat

Ein Adendorfer ist Deutschlands Camping-Guru

Adendorf. Muffige Schlafsäcke in kleinen Zelten – so stellt sich Ivar Mensink seinen Traumurlaub nicht vor. An diesem Sonnabend reist er auf einen 5-Sterne-Camp ingplatz in Südfrankreich: „Da gibt es ideale Möglichkeiten für das ,Glamping‘, das glamouröse Camping, vom Safarizelt bis zum einfachen Luxusbungalow mit Geschirrspüler, Mikrowelle, zwei Badezimmern und extra breiten Betten.“ Das hört sich nach einem herrlichen Urlaub an, ist für den Adendorfer aber auch Arbeit: Was bei ihm und seinem Freund Martin Tilmanns aus Wenden vor drei Jahren aus Liebe zum Camping begann, ist heute eine der wichtigsten Social-Media-Plattformen im europäischen Campingbereich.

Über 500 000 Facebook-Fans

Mehr als 500 000 campingbegeisterte Menschen folgen den Tipps des jungen Unternehmens CampingDreams auf Facebook nicht nur für Plätze, sondern beispielsweise auch für Ausflüge und Einkaufsmöglichkeiten. Auf ihrem Blog CampingDreams.com erwarten die Gründer für 2018 rund drei Millionen Besucher.

„Als Teenager war ich das erste Mal campen“, verrät der in Hengelo geborene Niederländer: „Aber in meinem späteren Beruf war ich beim Reiseveranstalter TUI im Bereich Vertrieb und Marketing nur noch in Hotels unterwegs. Ich habe unter anderem den Einkauf für Deutschland gemacht.“ So lernte er in Kiel seine Frau kennen, sein Schwager lebt in Lüneburg, Mensink: „Ein schönes Fleckchen. Da sind wir 2006 nach Adendorf gezogen.“ Doch dann kam eine Phase, „in der ich die Schnauze so richtig voll hatte von dem Job in einem schwer umkämpften Markt“. Er schmiss hin.

„Es gibt einen schönen Platz in Spanien, der liegt aber an einer Bahnstrecke, vier Mal am Tag rollt ein Zug vorbei. Das verschweigt der Betreiber, wir aber publizieren es.“ – Ivar Mensink

Mit seinem Freund Martin kam dann die Idee, Camper über schöne Plätze zu informieren: „Mein erster Post war im August 2015 vom Camping Le Palme am Gardasee – ein schnuckeliger Platz.“ Mittlerweile hat das Unternehmen drei feste Mitarbeiter, die sich alle zwei Wochen in Mensinks Adendorfer Büro treffen, und fünf freie Mitarbeiter in Spanien, Frankreich und den Niederlanden, die die Plätze dort besuchen und bewerten. „Reich werde ich damit nicht, denn jeder Cent, der bei uns reinkommt, fließt wieder in das Projekt.“

Das Geld zahlen die Campingplatzbetreiber, sie buchen Schaltungen auf den Internetseiten des Unternehmens. Doch nicht jeder Zahlungswillige wird genommen: „Gibt es Schimmel in den Unterkünften oder schlechtes Personal, läuft das nicht. Wir schauen uns auch andere Bewertungsportale an.“ Mensink sieht darin auch einen Aspekt seines Erfolges: „Wir denken, dass wir uns mit unserem Ansatz, anbieterunabhängig und damit glaubwürdig zu bleiben, das Vertrauen unserer Follower verdienen. Niemand schreibt uns vor, was wir wann und wo posten, kommentieren oder empfehlen sollen. Wir sind nicht käuflich.“

Versteckte Extra-Kosten für den Wasserfreizeitpark

Das macht er an zwei Beispielen klar: „Es gibt einen großen, schönen Platz in Spanien, der liegt aber an einer Bahnstrecke, vier Mal am Tag rollt ein Zug vorbei. Das verschweigt der Betreiber, wir aber publizieren es. Natürlich veröffentlichen wir im Oktober auch, dass die Strecke stillgelegt wird.“ In Kroatien gebe es einen Platz direkt neben einem Wasserfreizeitpark: „Dass das 15 Euro pro Tag und Person zusätzlich kostet, wird verschwiegen, wir schreiben es. Wenn‘s denen nicht gefällt: Pech gehabt.“
Diese Distanz kommt bei den Urlaubern an, stolz sagt Mensink: „Täglich holen sich mehr als 10 000 Camper bei uns Inspiration und Anregung für ihren nächsten Urlaub, suchen Tipps und Berichte zu Campingplätzen, Mietunterkünften und Des-tinationen.“ Der Trend gehe europaweit hin zum glamourösen Campen: „Es gibt Plätze, die Resorts ähneln und Wellnessangebote wie Hotels haben. Andere Plätze liegen mitten in der Natur, können aber Campingwagen und Zelte mit Duschen bieten. Ein Trend, bei dem Deutschland noch hinterher hinkt.“

Das luxuriöse Campen muss nicht teuer sein. Der Urlaub in einem hölzernen Mobilheim mit Klimaanlage und drei Schlafzimmer für sechs Personen kostet auf einem Platz im französischen Argelès Sur Mer für eine Woche zwischen 1164 und 1497 Euro – inklusive Poolnutzung.

Der Urlaubsexperte schaut sich auch in Norddeutschland um, war zum Beispiel vergangenen Dienstag im Südsee-Camp in ­Wietzendorf. Der Lüneburger Platz direkt vor seiner Haustür ist allerdings nicht gelistet: „Der Platz an der Roten Schleuse ist von der Lage her perfekt, hat aber wenig Mietunterkünfte.“

Und wo ist sein eigener Lieblingsplatz? Ivar Mensink verrät: „Wenn wir mit unseren drei Kindern – zwei Mädchen, zehn und zwei Jahre alt, und der neunjährige Sohn – unterwegs sind, dann müssen die Kinder ihren Spaß haben: mit Aktionen, Animation und einem Pool. Ideal ist da der Campingplatz Bijela Uvala in Poreč in Kroatien.“

Hintergrund

Glamping

Einen Camping-Stil mit Annehmlichkeiten und in einigen Fällen mit Resort-Stil-Dienstleistungen, die normalerweise nicht mit traditionellem Camping verbunden sind, beschreibt das Wort Glamping, eine Zusammensetzung aus Glamour und Camping. Das Wort tauchte laut Wikipedia erstmals 2005 in Großbritannien auf und wurde 2016 dem Oxford English Dictionary, dem Wörterbuch, hinzugefügt. Das Wort ist neu, aber das Konzept eines luxuriösen Zeltlebens ist es nicht. Im 16. Jahrhundert bereitete der schottische Graf von Atholl eine Überraschung in den Highlands für den Besuch von König James V. und seiner Mutter vor. Er ließ riesige Zelte aufstellen und füllte sie mit allen kostbaren Vorräten seines eigenen Palastes.

von Rainer Schubert