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Waldbrandgefahr
Der Flugdienst der Feuerwehr startet wieder vom Flugplatz in Lüneburg zu Überwachungsflügen. (Foto: phs)

„Da wird einem angst und bange“

Adendorf. Der Klimawandel macht dem deutschen Wald zu schaffen – Peter Lex registriert das mit Sorge: „Bei dem Gedanken an ein weiteres Jahr mit extremer Trockenheit und Borkenkäferbefall kann einem angst und bange werden“, sagt der pensionierte Forstdirektor, der sich noch bis vor wenigen Monaten auch als Kreisvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald engagiert hatte, das Amt nun aber aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste.

Neben den Schäden, die Stürme und Borkenkäfer verursacht haben, rückt jetzt vor allem die steigende Waldbrandgefahr in den Fokus. Lex war als Forstdirektor unter anderem zuständig für den „vorbeugenden Waldbrandschutz“ im Bereich des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg. Ein Fachmann also in Sachen Waldbau und Brandvorbeugung – auch 19 Jahre nach seiner Pensionierung.

Die Fichte ist der Verlierer

Einen Verlierer des Klimawandels gibt es jetzt schon: Die Fichte – jahrzehntelang der „Brotbaum“ der Holzindustrie. Jetzt aber noch im großen Stil weiter auf die Fichte zu setzen, hält Peter Lex für fatal: „Bei den von Hitze und Trockenheit gestressten Fichten haben Borkenkäfer leichtes Spiel“, weiß der Forstdirektor a. D. Als Ersatz schlägt Lex zum Beispiel die Aufforstung mit Küstentanne oder auch Douglasie vor.

Waldbrandgefahr
Der ehemalige Forstdirektor und Kreisvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Peter Lex. (Foto: kre)

Damit aber steht Lex im Widerspruch zum Nabu, der jüngst warnte: „Dieser Nadelbaum wächst noch schneller als die Fichte und ist an die Bedingungen des gemäßigten pazifischen Regenwaldes Nordamerikas angepasst. Dementsprechend ist der Douglasien-Anbau beim Klimawandel mit noch größeren Risiken als die kollabierende Fichtenwirtschaft behaftet.“

„Wundstreifen“ als Alternative

„Man kann nicht alles über einen Kamm scheren“, sagt dagegen Peter Lex, entscheidend für die richtige Baumart sei auch die richtige Standortwahl – und die Bodenbeschaffenheit.

Die Vermeidung eines Waldbrandes ist ein Thema, das den Forstexperten bis heute beschäftigt: Das Aufforsten mit Laubbäumen sei nur eine Möglichkeit, die Gefahr einzudämmen. Auch sogenannte „Wundstreifen“ seien eine gute Alternative, das Übergreifen von Flammen zu verhindern. Dabei wird der Boden gerodet, Feuer findet keine Nahrung. Auch entlang von Bahngleisen rät Lex zu dieser Art der Brandverhütung. „Untersuchungen belegen, dass dort die Vegetation deutlich schneller austrocknet“, mahnt der Adendorfer. Dann reicht ein Funke – und Böschung und Unterholz brennen.

Mehr Totholz aus den Wäldern räumen

Der Waldbrand-Bekämpfung hat sich auch der Bardowicker Dr. Michael Herrmann mit der Gründung des Verein „ForestFireWatch“ verschrieben. Herrmann rät zum Beispiel, mehr Totholz aus den Wäldern zu räumen: Im Grundsatz gibt Lex ihm Recht: „Ich habe selbst an Waldbrand-Versuchen teilgenommen und feststellen müssen, wie schwierig es ist, trockene Baumstämme vollständig abzulöschen.“ Den Wald aber aus Brandschutzgründen „besenrein“ zu halten, hält Lex auch nicht für richtig, denn Totholz ist wichtig im ökologischen Kreislauf. Vielleicht hat sein noch zu findender Nachfolger bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die sprichwörtlich zündende Idee, wie sich der Wald brand- und zukunftssicher gestalten lässt. Der Kreisverband der Schutzgemeinschaft ist 1956 im Logenhaus in Lüneburg gegründet worden – und somit einer der ältesten Naturschutzverbände in Lüneburg.

Von Klaus Reschke